Grenzzaun durch Jütland : Gegen Schweinepest: Kopenhagen winkt geplanten Wildschweinzaun durch

Dänemarks Regierung hat alle Weichen gestellt: Es wird einen umstrittenen Grenzzaun zur Schweinepestabwehr geben.

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04. Juni 2018, 13:18 Uhr

Kopenhagen | Dänemark macht ernst mit einer Idee, die kurz vor Ostern erstmals ans Licht der Öffentlichkeit kam: Das Parlament in Kopenhagen hat am Montag beschlossen, im Herbst mit dem Bau eines anderthalb Meter hohen Zauns entlang der kompletten deutsch-dänischen Landgrenze zu beginnen. Neben den Fraktionen der liberal-konservativen Minderheitsregierung stimmten auch die Rechtspopulisten von der Dänischen Volkspartei und die oppositionellen Sozialdemokraten für den 70 Kilometer langen Trennriegel. Er soll Wildschweine von Dänemark abhalten und damit das Königreich vor der Schweinepest bewahren.

Der erst vor wenigen Wochen ins Amt berufene Umweltminister Jakob Ellemann-Jensen sprach im Folketing von einem „wichtigen Beschluss“. Für sein Heimatland stehe ein jährlicher Schweinefleisch-Export mit einem Volumen von umgerechnet vier Milliarden Euro auf dem Spiel. „Das hat eine Bedeutung für Arbeitsplätze und unseren Wohlfahrtsstaat.“

Das Königreich will sich das Bauwerk zwischen der Flensburger Förde und dem Nordseedeich nahe dem Hindenburgdamm umgerechnet gut zehn Millionen Euro kosten lassen. Der Zaun soll einen halben Meter in die Erde eingegraben werden, damit die Tiere sich nicht darunter hindurchwühlen können. Als wunder Punkt gelten Gewässer im Grenzverlauf. Die dänischen Behörden prüfen deshalb, in einen Teil der Flensburger Förde und Seen nahe Süderlügum im Norden Nordfrieslands Schwimmsperren einzubringen. Die Konzeption ist nach Angaben Ellemann-Jensens im Detail noch nicht abgeschlossen. „Ich erwarte, dass man im Laufe des Herbstes so weit sein wird, den Zaun zu montieren“, sagte der Politiker der rechtsliberalen Partei Venstre.

Aus Schleswig-Holstein kam erneut einhellige Empörung über die Zaun-Pläne. „An der Sinnhaftigkeit haben wir erhebliche Zweifel“, bekräftigte Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Das Schweinepest-Virus breitet sich vor allem über Menschen aus – etwa durch Tiertransporte, Jagdreisen oder infizierte Lebensmittel zum Beispiel in Form eines Wurstbrotes. „Der Erreger könnte auch weiterhin in die dänische Wildschweinpopulation gelangen“, schlussfolgerte Habeck. „Ein Zaun macht also allenfalls  Sinn, wenn Dänemark seine gesamte Wildschweinpopulation ausrottet. Das ist weder möglich noch erstrebenswert.“

Der Kieler Umweltminister wies darauf hin, dass zwar auch Schleswig-Holstein Zäune vorhalte – allerdings nur, um im Fall eines Ausbruchs einzelne Gebiete einzäunen zu können, in denen der Wildschweinbestand dann getilgt werden muss. Nach diesem Muster ist bereits Tschechien vorgegangen, das näher am osteuropäischen Infektionsherd liegt.

Für den jagdpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hauke Göttsch, ist „schon bemerkenswert zu beobachten, mit welchem populistischen Aktionismus die sonst gewohnt liberalen Dänen aufwarten“. Der Zaun werde „zur genetischen Verarmung anderer Wildtierarten der dänischen Halbinsel führen, weil  er den  Austausch mit Mitteleuropa behindert.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP im Landtag, Oliver Kumbartzky, sprach von „Symbolpolitik“. Birte Pauls, Sprecherin der SPD-Fraktion für deutsch-dänische Zusammenarbeit, urteilte bitter: Der Parlamentsbeschluss in Kopenhagen „legt den Verdacht nahe, dass es nicht allein um den Schutz vor Wildschweinen geht, sondern die Grenze auch eine weitergehende abschreckende Wirkung entfalten soll. Es passt zu den letzten populistischen Entscheidungen der dänischen Regierung, sich weiter abzuschotten.“

In den vergangenen Wochen hatten Angehörige der Dänischen Volkspartei wiederholt gefordert, den Wildzaun schrittweise zu erhöhen und damit auch Flüchtlinge abzuhalten.

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