Notschlachtungen in DK : Dürre lässt Milchproduktion in Nordschleswig sinken

Frischfutter für Rinder wird durch die anhaltende Trockenheit immer knapper. In Nordschleswig haben es vor allem Ökobauern schwer.

Frischfutter für Rinder wird durch die anhaltende Trockenheit immer knapper. In Nordschleswig haben es vor allem Ökobauern schwer.

Den Milchbauern fehlt es wegen der vertrockneten Weiden an Futtermitteln. Betriebe lassen nun vermehrt Notschlachten.

shz.de von
09. Juli 2018, 16:40 Uhr

Nordschleswig | Die Weiden sind verdorrt, dem Vieh fehlt Gras und Verträge mit Biogasanlagen können wegen fehlender Futtermasse nicht eingehalten werden: Die anhaltende Trockenheit bringt Landwirte im Süden Dänemarks in immer größere Existenznot. Auch in Schleswig-Holstein ist die Lage kritisch. Zu drastischen Maßnahmen mussten die deutschen Bauern aber noch nicht greifen.

Ernste Lage für Öko-Betriebe in Nordschleswig

In Nordschleswig hingegen lassen Betriebe vermehrt Milchkühe schlachten, weil zu wenig Gras vorhanden ist – und die Vorräte aus der vergangenen Ernte mit Blick auf den kommenden Winter extrem knapp sind. „Wir haben wenig Futter, das immer teurer wird. Den Weidetieren muss bei den vertrockneten Koppeln zugefüttert werden. Aber Raufutter ist Mangelware. Das trifft vor allem Milchbauern. Man kann mittlerweile von einer Katastrophe sprechen“, sagt der Chef des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig, Tage Hansen.

Vor allem Öko-Betriebe haben es nördlich der Grenze schwer: Sie können Gras nicht einfach ersetzen. „Wir haben einige unserer Kühe geschlachtet, um weniger Mäuler füttern zu müssen. Sonntag haben wir 11 der 170 Tiere geschlachtet“, berichtet Bio-Landwirt Mikkel Juhl Nielsen, Rønde, zu DR Østjylland. „Ich gehe davon aus, dass weniger Milch von ökologisch gehaltenen Kühen in den Regalen sein wird.“ Auch Tage Hansen sagt: „Es wird weniger Milch geben, weil die Betriebe ihre Produktion drosseln.“

Um die Futtermittel der bevorstehenden Ernte ist es in Dänemark ebenfalls schlecht bestellt: „Der Mais braucht jetzt sofort Regen, mindestens 30 Milliliter und danach jede Woche mehr als das“, sagt Tage Hansen. „Aber nach Regen sieht es nicht aus.“ Zwar waren die Raufutterlager von der vergangenen Ernte gut gefüllt, doch ein weiteres Jahr ist damit nicht zu überbrücken. In Nordschleswig sei die Lage „von Hof zu Hof sehr unterschiedlich“, so Hansen.

Noch keine Notschlachtungen in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein sieht die Lage zwar ähnlich schlecht aus, notschlachten mussten die Bauern aber hierzulande noch nicht. Die langanhaltende Trockenheit hat auch in Schleswig-Holstein die Weiden weitesgehend vertrocknen lassen. Beim Netzwerk für Ökolandbau in Schleswig-Holstein geht man davon aus, dass Futterknappheit in diesem Jahr auch hierzulande zur Problematik werden kann, so Projektmitarbeiterin Lisa Bern-Siefert.

Kirsten Hess vom Bauernverband Schleswig-Holstein hat bereits mit mehreren Bauern über ihre Situation gesprochen und die Lage um die Futtermittel auf Nachfrage von shz.de als „schwierig, knapp und teuer“ zusammengefasst. Wenn das Raufutter nicht ausreicht, sollten die Landwirte laut Bauernverband auf Kraftfutter und Stroh zurückgreifen. „Auch wenn Stroh energetisch weniger Inhaltsstoffe hat“, erläutert Hess.

Die Landesregierung gab dazu im Juni Stilllegungsflächen zur Beweidung und Grünfutterproduktion frei. „Eigentlich müssen Stilllegungsflächen während des ganzen Jahres brachliegen. Wir versuchen mit dieser Maßnahme der drohenden Futtermittelknappheit entgegenzuwirken“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck im Rahmen der Freigabe im Juni. „Ein guter Schritt – allerdings hilft das wenig, wenn das Gras nicht wächst“, bedauert Hess.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen