Aktive Sterbehilfe : Dänische Ärzte-Gruppe stellt Medikamentenliste für Selbstmord ins Internet

70 Millionen gesetzlich krankenversicherte Deutsche müssen mit Zuzahlungen auf Medikamente rechnen.
Die Aktion ist „wahnsinnig“ kritisiert eine Ärztin aus Kopenhagen.

Die Anleitung soll schwerkranken Menschen helfen, sich selbst zu erlösen, sagt die Gruppe. Doch es hagelt harte Kritik.

shz.de von
18. Mai 2018, 14:50 Uhr

Eine Gruppe Ärzte hat im Internet eine Liste mit Medikamenten veröffentlicht, die für den Selbstmord geeignet sind. Die Gruppe nennt sich „Ärzte für aktive Sterbehilfe“ (Læger for aktiv dødshjælp). Sie setzt sich für die Legalisierung von aktiver Sterbehilfe bei schwerkranken Menschen ein.

Kritik kommt dafür unter anderem von Merete Nordentoft. Sie ist Oberärztin im psychiatrischen Zentrum in Kopenhagen und Professorin an der Kopenhagener Universität. Sie glaubt, dass eine solche Anleitung das Todesrisiko für eine große Zahl der Bevölkerung erhöht. „Es ist vollkommen wahnsinnig, so etwas ins Internet zu stellen. Sie setzen das Leben der Bevölkerung aufs Spiel“, sagte Nordentoft dem „Kristeligt Dagblad“.

In Dänemark gibt es rund 12.000 Selbstmord-Versuche pro Jahr, rund die Hälfte davon mit Medikamenten. Der Vorsitzende des Ethischen Rates, Gorm Greisen, meint, dass es etwas vollkommen anderes sei, eine Anleitung ins Internet zu stellen, als einem Menschen konkret zu helfen. Es gebe viele Fälle von Selbstmord-Versuchen, die nicht von Alten oder chronisch Kranken verübt werden, so Greisen.

Der Kopf der Ärzte-Gruppe, Oberarzt Svend Lings, weist hingegen ausdrücklich darauf hin, dass die Liste nicht für die Allgemeinheit gedacht ist, sondern nur Schwerkranken helfen soll.

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