Aus Angst vor Afrikanischer Schweinepest : Dänemark baut 70-Kilometer-Grenzzaun gegen Wildschweine

Auch Wildschweine verbreiten die Afrikanische Schweinepest in Europa.
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Auch Wildschweine verbreiten die Afrikanische Schweinepest in Europa.

Der Zaun an der deutsch-dänischen Grenze soll eventuell infizierte Wildschweine aus Deutschland abhalten.

shz.de von
22. März 2018, 09:45 Uhr

Kopenhagen | Um sich vor der afrikanische Schweinepest zu schützen, wollen Regierung und Dänische Volkspartei (DF) an der deutsch-dänischen Grenze einen 70 Kilometer langen Zaun errichten. Dieser soll Wildschweine daran hindern, nach Dänemark einzuwandern und Jägern soll der Abschuss erleichtert werden. Ziel ist es, die dänische Schweineproduktion vor Ansteckungen durch wildlebende Tiere zu schützen. Sollte die Schweinepest in Dänemark diagnostiziert werden, würde dies massive Auswirkungen auf den Fleischexport haben.

In diesem Jahr sind auf dem Baltikum, in Tschechien, Polen, der Ukraine und Rumänien bisher insgesamt 1777 ASP-Fälle gemeldet worden, davon 26 bei Hausschweinen. Allein in Polen waren es 817 Fälle und damit fast so viele wie im gesamten Jahr 2017 (822). Insgesamt lag die Zahl der gemeldeten Fälle in den genannten Ländern im Vorjahr bei 4140.

Bisher ist Schleswig-Holstein wie Deutschland insgesamt von einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest verschont geblieben. In den Nachbarländern Polen und Tschechien wurde der Erreger aber bereits bei Wildschweinen nachgewiesen. Umweltminister Robert Habeck hat für Schleswig-Holstein bereits präventive Maßnahmen verabschiedet, um im Ernstfall so gut wie möglich gewappnet zu sein.

„Ich will kein Risiko eingehen. Es geht um einen Milliardenexport von elf Milliarden Kronen jährlich, den wir ansonsten aufs Spiel setzen“, sagte Umwelt- und Lebensmittelminister Esben Lunde Larsen (Venstre-Partei) in einer Pressemitteilung. „Sollte die afrikanische Schweinepest in Dänemark ausbrechen, wird der Export an Drittländer augenblicklich zum Erliegen kommen.“

Was ist über die Schweinepest bekannt?
  • Sie breitet sich seit einigen Jahren über Russland und das Baltikum gen Westen aus.
  • In Polen und Tschechien gibt es bereits Ausbrüche.
  • Betroffene Tiere erleiden innerhalb kurzer Zeit einen qualvollen Tod.
  • Die ASP ist nicht auf den Menschen und Hunde übertragbar.
  • Es gibt kein Gegenmittel und keine Medikamente.
  • Der verzehr von betroffenem Fleisch ist nicht gefährlich
Krankheitssymptome
  • anhaltendes hohes Fieber
  • Appetitlosigkeit
  • allgemeine Schwäche
  • Atembeschwerden
  • Rötungen und Verfärbungen der Haut insbesondere im Bereich der Ohren, des Schwanzes, der unteren Extremitäten sowie im Unterbauchbereich
  • blutiger Durchfall

Je nach Virusform können die Symptome sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Einige Tiere sterben innerhalb weniger tage, ohne zuvor charakteristische Krankheitssymptome gezeigt zu haben.

Ein Zaun werde sowohl eventuell infizierte Wildschweine davon abhalten, über die Grenze zu laufen, zudem mache es den Einsatz für Jäger leichter, die Wildschweine in Dänemark gänzlich auszurotten, so der Minister. Der Zaun wird rund anderthalb Meter hoch und ist Teil eines Maßnahmenpaketes. Unter anderem dürfen Wildschweine nun auch nachts geschossen werden.

Kritik von Robert Habeck: „Zaun wird nicht helfen“

Dass der Zaun hilft, glaubt Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck hingegen nicht. Wie er dem NDR sagte, werde der Zaun die Schweinepest nicht aus Dänemark heraushalten. Das Virus sei natürlich eine ernstzunehmende Bedrohung. Allerdings werde sie nicht über Wildschweine eingeschleppt, sondern „über Menschen, über Tiertransporte, über infizierte Wurstwaren“, sagte Habeck. Für ihn sei die Maßnahme falsch und überzogen – und eine innenpolitische Aktion.

 
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