Aktionswoche „Baltic Week“ : Gewerkschaft Verdi checkt wieder Arbeitszeiten auf Schiffen

3.652 Mal haben allein Containerschiffe 2017 im Hamburger Hafen angelegt.
3.652 Mal haben allein Containerschiffe 2017 im Hamburger Hafen angelegt.

Verdi überprüft Arbeitsbedingungen und die Einhaltung von Tarifverträgen. Jetzt ist es in den deutschen Seehäfen soweit.

shz.de von
03. September 2018, 12:56 Uhr

Hamburg | Die Gewerkschaft Verdi und die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) kontrollieren wieder die Arbeitsbedingungen von Seeleuten auf Handelsschiffen, die in deutschen Seehäfen festgemacht haben. Die Aktionswoche „Baltic Week“ stehe seit Montag bis diesen Freitag in der Tradition einer weltweiten Kampagne gegen Sozialdumping an Bord von sogenannten „Billigflaggen“-Schiffen, teilte die Gewerkschaft Verdi in Hamburg mit. Von Wilhelmshaven über Bremerhaven und Bremen, Hamburg, Lübeck und Wismar bis Rostock werde kontrolliert, ob Tarifverträge eingehalten werden. Angesichts der Herausforderungen durch Digitalisierungs- und Automatisierungsprozesse in der maritimen Wirtschaft liege ein weiterer Fokus auf den Arbeitsbedingungen der Hafenarbeiter.

Die Gewerkschaftskampagne wurde 1948 durch die ITF angestoßen. Es sei bedauerlich, dass es auch nach 70 Jahren immer noch Reeder gebe, die sich auf Kosten von Sozialstandards und Lohnbedingungen der Seeleute Wettbewerbsvorteile verschafften, „zum Beispiel über Billigflaggen wie Liberia und Malta“, teilte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle mit. Mit dem Abschluss von ITF-konformen Tarifverträgen trage die Gewerkschaft dazu bei, die Arbeitsbedingungen auf Schiffen deutscher Eigner zu verbessern.

Im Vorjahr hatten sich die Arbeitnehmervertreter dafür eingesetzt, dass Seeleute keine Hafenarbeit wie das Laschen, also das Festzurren von Ladung, verrichten. Diese Aktion sei erfolgreich gewesen, teilte die Gewerkschaft mit. In Hamburg, Bremen und Niedersachsen stehe die Thematik auf der politischen Agenda mit dem Ziel, die Hafenverordnungen anzupassen.

Unter deutscher Flagge fuhren seit der Schifffahrtskrise 2008 zunächst immer weniger Schiffe. Hohe Kosten und enge Beschäftigungsvorschriften waren Gründe hierfür. Daraufhin hatte der Gesetzgeber Erleichterungen beschlossen, so dass seit Mitte 2016 deutsche Reeder die Lohnsteuer der Seeleute komplett statt nur zu 40 Prozent behalten dürfen. Auch die Verordnung über die Schiffsbesetzung wurde gelockert und internationalen Standards angepasst.

Von den 2720 Schiffen der deutschen Handelsflotte (2012: 3800) fuhren 2017 nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) 178 Schiffe unter deutscher Flagge. Das Gros - 686 Schiffe - war unter der Flagge Liberias gemeldet, dem weltweit größten Schiffsregister mit rund 4200 Schiffen. Es folgte Antigua und Barbuda (672). 269 waren in Portugal registriert.

Der VDR hatte als Tarifpartner von Verdi im Vorjahr erklärt, dass Seeleute von einem sozialen Netz aus Tarifverträgen, einem weltweiten Mindestlohn und verbindlichen Arbeits- und Sozialstandards profitierten. „Frühere Billigflaggen sind zu Qualitätsflaggen geworden“, sagte VDR-Präsidiumsmitglied Ralf Nagel. Sie lägen mit den anderen Flaggen längst auf einem Niveau.

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