Erfolgreiche Einsatzübung im Herrentunnel bestätigt Sicherheit / Lübecker Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst trainierten den Ernstfall gemäß Richtlinie

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26. November 2018, 14:43 Uhr

Lübeck (ots) -

"Feuer im Herrentunnel nach Verkehrsunfall, mehrere Verletzte,
unklare Lage". So lautete die Alarmierung für die rund 65
Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst am
vergangenen Sonnabend, 24. November 2018, um 20.15 Uhr. Aus
verschiedenen Richtungen machten sich die Blaulichtfahrzeuge von
ihren Standorten aus auf den Weg zum Herrentunnel, um dort Hilfe zu
leisten. Am Unfallort angekommen galt es, eingeklemmte Personen aus
ihren Fahrzeugen zu befreien, die Patienten medizinisch zu versorgen
und einen Fahrzeugbrand in einem Tunnel zu löschen. Zum Glück war
dies nur eine Einsatzübung unter möglichst realistischen Bedingungen.

Eine Übung dieser Art sieht die Richtlinie für die Ausstattung und
den Betrieb von Straßentunneln (RABT) für Tunnelbauwerke ab einer
Länge von 400 Metern in regelmäßigen Abständen vor, damit die
Betriebssicherheit für die Nutzer weiterhin gewährleistet ist. Ziel
der Übung ist es, die Zusammenarbeit zwischen dem Betreiber und der
Berufsfeuerwehr, den Freiwilligen Feuerwehren, den
Hilfsorganisationen und den Behörden im Rahmen der Gefahrenabwehr zu
trainieren.

"Der Einsatz wurde innerhalb von rund 90 Minuten erfolgreich
abgearbeitet und die bestehenden Konzepte sowie die neue
Gebäudefunkanlage haben einwandfrei funktioniert. Auch das
Zusammenspiel mit allen beteiligten Hilfsorganisationen, Behörden und
dem Tunnelbetreiber wurde hier erneut überprüft. Wir haben mehrere
Übungsbeobachter aufgestellt. So ist es uns nun im Nachgang möglich,
etwaige Anpassungsbedarfe unserer Konzepte zu erkennen und
anschließend im Rahmen einer Überarbeitung umzusetzen" so Christoph
Funk, Übungsleiter der Feuerwehr und zuständig für die Einsatzplanung
bei der Feuerwehr Lübeck. "Jetzt, am Übungsende, möchte ich mich noch
einmal bei allen Mitwirkenden und Helfern recht herzlich für die
Unterstützung bedanken", sagt Sven Brüning, Geschäftsführer der
Herrentunnel Lübeck GmbH & Co.KG.

Am Samstagabend wurde zunächst nur die Südröhre für den Verkehr
gesperrt. Ab 20 Uhr war dann für ca. 2,5 Stunden der gesamte Tunnel
nur noch für Einsatzfahrzeuge passierbar. Dies auch aus gutem Grund,
wie Funk erläutert: "Bei größeren Schadensereignissen erfolgt auch im
Realfall die Vollsperrung des Tunnels. Sinn einer Übung ist es ja,
das Szenario so realitätsnah wie möglich zu gestalten, um das
bestehende Einsatzkonzept für den Herrentunnel zu testen und die
eingesetzten Kräfte zu fordern." In enger Abstimmung zwischen der
Betreiberfirma sowie der Feuerwehr und der Polizei konnte die Übung
erfolgreich absolviert werden, sodass ab ca. 23 Uhr wieder beide
Tunnelröhren für den Verkehr freigegeben waren.

Für den Gefahrenfall sind speziell auf den Herrentunnel
abgestimmte Handlungsabläufe für unterschiedliche Notfälle mit den
Einsatzdiensten festgelegt. Die RABT sieht vor, dass diese
Handlungsabläufe regelmäßig unter möglichst realistischen Bedingungen
geübt werden. Die erste Großübung im Herrentunnel fand noch vor
dessen Eröffnung im August 2005 statt. Zwischenzeitlich erfolgte eine
weitere und zwei reale Ereignisse (Lkw mit geplatztem Kühler und
extremer Wasserdampfentwicklung sowie ein Pkw-Brand) wurden im
Nachhinein gemäß der RABT als Ersatz für Vollübungen gewertet. Anfang
2017 fand als letzte Übung eine Anfahrtsübung der Feuerwehr Lübeck
statt. Dabei wurde die Anfahrt der Einsatzkräfte zu beiden
Tunnelportalen und des Einsatzleitdienstes zur Tunnelleitwarte, die
Lageerkundung des Einsatzleitdienstes im Tunnelleitstand sowie die
Einsatz-Taktik hinsichtlich Angriffsweg, Entrauchung, Kräfteansatz,
Wasserversorgung und Evakuierung über Querschläge anhand des
Szenarios "Klein-Lkw bleibt mit brennendem Hinterrad im Tunnel
stehen" geübt.

Neben den Vollübungen sind lt. RABT ebenfalls regelmäßig
Teilübungen durchzuführen. Sie dienen hauptsächlich zur Überprüfung
der Kommunikationswege, zur Übung der Anfahrtswege und der Nutzung
der Sicherheitsausstattung. Darüber hinaus werden die Betriebs- und
Sicherheitseinrichtungen des Herrentunnels zweimal im Jahr über eine
Woche lang nachts unter Sperrung jeweils einer Tunnelröhre gewartet
und gereinigt. Diese Wartungswoche wird in der Regel von
Einsatzkräften genutzt, um ihre Kenntnisse über die Örtlichkeiten
aufzufrischen beziehungsweise neue Mitarbeiter mit dem Herrentunnel
vertraut zu machen.

Unfall im Tunnel - Das ist zu tun! Es zeigt sich immer wieder,
dass die genaue Ortung eines Ereignisses im Tunnel und damit die
Einleitung von Hilfsmaßnahmen am schnellsten möglich ist, wenn die
Tunnelnutzer die Meldeeinrichtungen in den Notrufnischen benutzen und
nicht ihr Mobiltelefon. Notrufe über Mobiltelefone erschweren die
Standortbestimmung und verzögern gefahrenabwehrende Maßnahmen. Von
den Notrufnischen aus existiert eine direkte Sprechverbindung zur
ständig besetzten Tunnelleitwarte. Gleichzeitig wird die diesem
Bereich zugeordnete Videokamera auf die Monitore der Tunnelleitwarte
geschaltet und so Sichtkontakt hergestellt. Außerdem kann in der
Notrufnische über einen Handmelder Feueralarm ausgelöst werden. Die
Tunnelleitwarte veranlasst die weiteren Maßnahmen.

Weitere Informationen zu Sicherheit und richtigem Verhalten in
Straßentunneln enthalten die Broschüren "Sicherheit geht vor -
Straßentunnel in Deutschland" und "Richtiges Verhalten im
Straßentunnel" der Bundesanstalt für Straßenwesen, die online unter
www.bast.de abgerufen werden können.

Hintergrund: Gemäß Konzessionsvertrag für den Herrentunnel im Zuge
der B 104 vom 11. März 1999 zwischen der Hansestadt Lübeck und der
Herrentunnel Lübeck GmbH & Co. KG ging der Herrentunnel mit der
Abnahme in das Eigentum und die Straßenbaulast der Hansestadt Lübeck
über. Ebenfalls gemäß Konzessionsvertrag ist die Herrentunnel Lübeck
GmbH & Co. KG als Betreiberin des Herrentunnels verpflichtet, das
Bauwerk während des gesamten Konzessionszeitraumes zu erhalten, zu
unterhalten und gemäß der einschlägigen technischen Regelwerke zu
prüfen und zu warten. Die Bauwerksprüfungen werden nach DIN 1076
durchgeführt. Der Tunnelbetrieb, insbesondere die Überwachung,
Steuerung und Sicherung des Verkehrs, die Überwachung und Steuerung
der Betriebseinrichtungen, die Reinigung und Erhaltung erfolgen,
soweit sie nicht von der DIN 1076 abgedeckt sind, gemäß der
Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln
(RABT). Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit dürfen
Gefahrguttransporte den Herrentunnel zu keinem Zeitpunkt benutzen.
Der Herrentunnel gehört nach der schleswig-holsteinischen
Fahrwegbestimmung nach der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und
Binnenschifffahrt (GGVSEB) zum Negativnetz. Grund hierfür sind vor
allem die Steigungsverhältnisse im Herrentunnel.




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Berufsfeuerwehr Lübeck
Öffentlichkeitsarbeit
Lars Walther
Bornhövedstraße 10
23554 Lübeck
Telefon: 0451- 122 15 27
Fax: 0451- 122 37 89
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