Waldbrände in Mecklenburg-Vorpommern : Explosionen im brennenden Wald – Hubschrauber und Panzer im Einsatz

Ein Transporthubschrauber vom Fliegerhorst Holzendorf bei der Betankung des Löschwasserbehälters am Neustädter See in Mecklenburg-Vorpommern. Die Einheit ist südlich von Berlin stationiert.

Ein Transporthubschrauber vom Fliegerhorst Holzendorf bei der Betankung des Löschwasserbehälters am Neustädter See in Mecklenburg-Vorpommern. Die Einheit ist südlich von Berlin stationiert.

Altmunition explodiert im Forst: Die Löscheinsätze an der A14 sind für Einsatzkräfte gefährlich.

shz.de von
06. Juli 2018, 11:53 Uhr

Neustadt-Glewe | Die Badegäste am Barracuda Beach am Neustädter See bei Neustadt-Glewe bekommen derzeit zu spüren, wie hoch die Waldbrandgefahr in Mecklenburg-Vorpommern aktuell ist: Wenige 100 Meter vom Ufer entfernt schwebt am Donnerstag ein Hubschrauber heran, lässt einen riesigen Behälter ins Wasser, hebt ihn Sekunden später wieder in die Höhe und fliegt davon: Brandbekämpfung aus der Luft.

 

Die Brandgefahr in MV spitzt sich zu. Mittlerweile hat es im ganzen Land 20 Waldbrände gegeben, teilte das Landwirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Knapp zehn Hektar seien dabei zerstört worden. Besonders dramatisch ist die Situation, als am Mittwochabend nahe der Ortschaft Groß Laasch zwischen Neustadt-Glewe und Ludwigslust ein Feuer ausbricht. Mehrere Explosionen von Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg erschweren die Löscharbeiten. Der Einsatzleiter muss die rund 60 Feuerwehrleute aus zehn Wehren zurückziehen, um ihr Leben nicht zu gefährden. In einem Radius von 1000 Metern vom Brandort dürfen sich keine Personen mehr aufhalten. Auch die A14 und die Landesstraße 73 zwischen Ludwigslust und Neustadt-Glewe wird vorübergehend gesperrt.

Starke Rauchentwicklung in einem Waldgebiet an der A14.
Ralf Drefin
Starke Rauchentwicklung in einem Waldgebiet an der A14.
 

Am Donnerstag fordert der Landkreis schließlich beim Innenministerium einen Hubschrauber zur Brandbekämpfung aus der Luft an. Zuvor hatte ein Polizeihubschrauber Wärmebild-Aufnahmen gemacht. Sie zeigen fast flächendeckend Glutnester. Der Bundeswehr-Hubschrauber mit einem Fassungsvermögen von 5000 Litern Wasser des Lufttransportgeschwaders 64 aus Holzdorf im Landkreis Wittenberg beginnt gegen 15 Uhr seine Arbeit. In dem Neustädter See nimmt er Löschwasser auf. Nur rund zwei Flugminuten entfernt entleert die Besatzung den Löschwasserbehälter über dem Waldstück.

Doch es reicht nicht. „Wegen der Explosionsgefahr am Boden darf der Hubschrauber eine Mindesthöhe von 500 Metern nicht unterschreiten“, teilt Fregattenkapitän Vogler-Wander mit. Die hohe Abwurfhöhe beeinträchtigt die Treffgenauigkeit. Am späten Nachmittag kommt weitere Unterstützung. Eine Spezialfirma aus Sachsen-Anhalt rückt mit zwei Panzern an: Einem Räum- und einem Feuerlöschpanzer. Das eine Fahrzeug soll eine Schneise durch das betreffende Waldgebiet schlagen und dabei mögliche Munition zur Detonation bringen. Das zweite kann dann von der geräumten Strecke aus Brandherde mit Wasser bekämpfen.

Wenn die Gefahr für die Feuerwehrkräfte zu groß wird, wenn die Tanklöschfahrzeuge nicht mehr durch das Dickicht kommen und wenn die mit Wassertanks beladenen Hubschrauber nichts mehr ausrichten können, dann kommen sie zum Einsatz: die Löschpanzer.
Volker Bohlmann
Wenn die Gefahr für die Feuerwehrkräfte zu groß wird, wenn die Tanklöschfahrzeuge nicht mehr durch das Dickicht kommen und wenn die mit Wassertanks beladenen Hubschrauber nichts mehr ausrichten können, dann kommen sie zum Einsatz: die Löschpanzer.
 

Landwirte ziehen unterdessen auf den umliegenden Feldern Brandschneisen, um ein weiteres Ausbreiten der Flammen zu verhindern. „Wie gefährlich Einsätze zur Brandbekämpfung sind, zeigt sich die Tage sehr deutlich. Die Kameraden müssen unter schwierigsten Bedingung nah an die Gefahr ran. Da sind die richtige Einsatztaktik und Herangehensweise elementar wichtig“, sagte Innen- und Brandschutzminister Lorenz Caffier (CDU), der sich vor Ort von der Lage ein Bild machte.

Allein am Mittwoch kam es nach Angaben des Ministeriums im Land zu rund 50 Bränden, bei denen mehrere Hektar Feld- und Waldflächen in Flammen standen. Am Donnerstag mussten die ersten Einwohner aus Schutz vor den Flammen evakuiert werden. Ein Feldbrand hatte die Bewohner des kleines Ortes Klotzow im Landkreis Vorpommern-Greifswald bedroht. Schädliche Rauchgase zogen über den Ort. Zuvor war in Plau am See im Landkreis Ludwigslust-Parchim ein Strohlager in Brand geraten.

Einheiten der Hubschrauberstaffel der Polizei MV lokalisierten die Brandnester an der A14.
Volker Bohlmann
Einheiten der Hubschrauberstaffel der Polizei MV lokalisierten die Brandnester an der A14.
 

In den vergangenen drei Jahren waren bei 63 Bränden etwa 17 Hektar Wald vernichtet worden. Die gefährlichsten Jahre liegen indes zwei Jahrzehnte zurück: 1992 und 1996 waren bei 242 bzw. 153 Bränden 104 bzw. 143 Hektar Wald Opfer der Flammen geworden. In vielen Regionen haben die Förster indes die höchsten Waldbrandwarnstufen ausgelöst – im Landkreis Vorpommern-Greifswald die Stufe fünf, rund um Schwerin, in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Vorpommern-Rügen sowie einigen Gebieten des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte die Stufe vier.

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