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Studie zum Landbedarf : Eider langt nicht mehr: Dänemark ist zu klein und müsste bis Altona reichen

vom
Aus der Onlineredaktion

Dänemark stößt an seine Grenzen. In einigen Jahren könnte die Landfläche nicht mehr ausreichen. Was dann?

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 17:56 Uhr

Kopenhagen | Die Diskussion um ein Dänemark bis zur Eider, wie sie Søren Espersen von der Dansk Folkeparti kürzlich losgetreten hatte, war vermutlich doch nicht so unangebracht. Denn Dänemark braucht laut einer neuen Expertise deutlich mehr Lebensraum als den Bestehenden. Man habe in einer umfassenden Studie alle Planungen und Zielsetzungen in die Kalkulation des zukünftigen Raumbedarfs einbezogen, sagte Projektleiter Søren Gram vom dänischen Technologierat dem Dänischen Rundfunk. Dabei sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass Dänemark 140 Prozent seiner Landfläche benötige, um die Zukunft so zu gestalten, wie geplant.

Dänemark ist zu klein, sogar deutlich zu klein für das, was es in Zukunft vorhat. So klein, dass ironischerweise eine Wiedereingliederung von Schleswig-Holstein, Altona und Ottensen ins Königreich den Platzhunger des Landes ziemlich exakt stillen könnte. 17.100 Quadratkilometer werden den Dänen 2050 fehlen, Schleswig-Holstein allein hätte immerhin 15.800 zu bieten.

Dem Platzmangel des Königreiches, den man so nicht vermuten würden, liegen verschiedene Ursachen zugrunde: Die Straßen werden immer breiter, die Städte wachsen und die Bewaldung soll laut den Plänen bis 2050 verdoppelt werden. Auch die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die nun vermehrt in noch platzintensiveren Öko-Landbau umgewandelt werden, sollten zunehmen. Überdies frisst die Energiewende durch Windparks und Solarparks Landfläche. Und dann wäre da der Klimawandel, der über den steigenden Meeresspiegel an den Küsten des Inselstaates nagt. Auch würden in Zukunft Extremwetterereignisse wie Wolkenbrüche vermehrt dafür sorgen, dass landwirtschaftliche Nutzfläche unbrauchbar werden, sagt Gram gegenüber dem dänischen Rundfunk. Der Platz-Puffer für Klimafolgen liegt allein bei 25 bis 30 Prozent.

Hauptproblem der Dänen ist die Effizienz in der Raumplanung, was auch damit zusammenhängt, dass es keine zentrale Behörde gibt, die die Planung darüber effizient koordiniert. Eben das bemängelt Lone Søderksit Kristensen von der Universität Kopenhagen gegenüber „DR“. Die 98 Kommunen hätten dies in ihrer Verantwortung – und sie würden zu wenig miteinander kommunizieren. Kopenhagen müsse zentralstaatlich agieren und eine übergeordnete Priorisierungsliste erarbeiten. Durch den Platzmangel ist das Land auf Multifunktionalität der Landnutzung angewiesen. So müssten die Dinge Hand in Hand gehen, sagt Kristensen. Man könne zum Beispiel Holzproduktion, Erholungsareale und Schutz von Biodiversität durchaus unter einen Hut bringen, wie Beispiele zeigten. Der hungrige Blick nach Süden ist bislang kein Teil der frischen Debatte.

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