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Arbeitgeber schlagen Alarm : Drastischer Rückgang: EU-Ausländer wollen nicht mehr in Dänemark arbeiten

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Vor allem der Zustrom aus Osteuropa ist ins Erliegen gekommen. Für Dänemarks Wirtschaft brechen andere Zeiten an.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2017 | 10:12 Uhr

Dänemark tut sich zunehmend schwer, Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland zu rekrutieren. Seit dem zweiten Quartal 2016 ist die Zahl der neu angekommenen EU-Bürger, die in Dänemark eine Arbeit aufnehmen, deutlich zurückgegangen. Die Zahl ist innerhalb von 15 Monaten um 65 Prozent gesunken – trotz des belebten Arbeitsmarktes. Der dänische Verband der Arbeitgeber (Dansk Arbejdsgiverforening) schlägt Alarm.

Die Anzahl deutscher Grenzpendler nimmt andererseits weiter zu. 2016 arbeiteten 14.024 in Deutschland lebende Menschen auf der anderen Seite der Grenze, das waren 35 mehr als 2015. Von Dänemark kommend pendelten in beiden Jahren 651 zu ihrer Arbeitsstelle.

„Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass es ein Gewinn für unsere Gesellschaft ist, wenn ein Ausländer in Dänemark arbeitet“, sagte der Direktor des Verbandes, Jacob Holbraad, zum Gewerbemagazin „Finans“. „Darüber hinaus sollten wir uns überlegen, ob die Entscheidung seitens der Regierung, Ausländern die Einreise nach Dänemark zu erschweren, richtig war“, so Holbraad in Richtung des restriktiven Ausländerpolitik in Kopenhagen, die auch für EU-Bürger ein schwieriges Klima geschaffen hat.

„Wenn der Zustrom aus Osteuropa versiegt, wird es immer schwerer für dänische Betriebe, qualifizierte Arbeitskraft zu finden“, mahnte der Direktor des Arbeitsgeberverbandes. In den vergangenen 15 Monaten ist die Zahl der ankommenden Arbeitnehmer aus anderen EU-Ländern laut „Finans“ von 14.500 auf etwa 5000 gesunken. 2013 wurden noch neun von zehn neuen Jobs durch ausländische EU-Bürger besetzt, jetzt ist es nur noch einer von zehn.

Minister besorgt

Der dänische Beschäftigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) ist über die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt besorgt: „Mitarbeiter aus anderen Ländern sichern Jobs, die wir selbst hier in Dänemark nicht besetzen können“. Für den dänischen Arbeitsmarkt sieht er das darüber hinausgehende Problem, dass sogar Arbeitsplätze verloren gehen. Denn der Mangel an Personal könnte Firmen am Ende dazu veranlassen, ihre Produktion in andere Länder zu verlagern.

Andererseits gebe es in Dänemark über 100.000 Arbeitssuchende, relativiert Lizette Risgaard vom Gewerkschaftsbund LO die Entwicklung. Denen stünden über 200.000 ausländische Arbeitnehmer gegenüber, deren Anzahl nun lediglich etwas langsamer anwachse.

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