Wie die Frankfurter Altstadt : Diese Orte in SH werden nach historischem Vorbild neu gebaut

In Kiel wird aktuell am Kanal „Kleiner Kiel“ gebaut.
In Kiel wird aktuell am Kanal „Kleiner Kiel“ gebaut.

Altes neu erfinden kann die Lebensqualität in Städten steigern. Dazu brauch man nur den Willen – und viel Geld.

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23. November 2018, 19:21 Uhr

Sie rennen seit der Fertigstellung sprichwörtlich die Bude ein: Seitdem Frankfurt im September seine „Neue Altstadt“ eröffnet hat, kommen zehntausende Menschen in die Stadt und wollen die architektonische Meisterleistung der Hessen sehen. 15 Rekonstruktionen historischer Gebäude und 20 zeitgenössische Neubauten hat man an den „Römer“ in der Innenstadt gesetzt.

Frankfurts Altstadt wurde von Architekten Detailgetreu nachgebaut.
DomRömer GmbH

Frankfurts Altstadt wurde von Architekten Detailgetreu nachgebaut.

 

Es sind komplett neue Gebäude, die so aussehen wie jene, die dort vor vielen Jahren einmal standen. Aufwendig und detailgetreu nachgebaut.

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Man könnte auch sagen: Eine Kampfansage an die schnörkellose Gestaltung von langweiligen Einheits-Neubauten, die in Städten überall im Eiltempo hochgezogen werden und sich alle ähneln. Schönes Bauen kostet zwar viel Geld, 200 Millionen Euro waren es in Frankfurt, wird von der Bevölkerung und Touristen aber gerne gesehen und schafft ein Aushängeschild.

Das können auch Städte in Schleswig-Holstein. Im Land gibt es mehrere Projekte, wo nach historischem Vorbild altes neu aufgebaut wurde oder werden soll.

1.  Lübeck baut sein Gründungsviertel neu auf

Auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen, freien Areal soll bis 2020 auf 38 Grundstückparzellen ein lebendiges Quartier mit individuellen Wohnformen entstehen.

 
Foto: ill
 
 

In seiner Parzellenstruktur und Dichte, der Aufnahme der historischen Baufluchten, einer Bebauung mit giebelständigen Stadthäusern in zeitgemäßer Architektur und der gemischten Nutzung wird sich das neue Wohnquartier Gründungsviertel am historischen Vorbild orientieren.

Gründungsviertel.jpg
ill

Mit dem Neubau von bis zu 170 Wohnungen und Läden oder Büros in Teilen der Erdgeschosse soll urbanes Leben zurückgewonnen und die Lübecker Altstadt als Wohnstandort gestärkt werden.

2. Die Störschleife soll zurück nach Itzehoe

1975 wurde sie zugeschüttet, bis dahin prägte die Störschleife Itzehoe im Kreis Steinburg. Vom Fluss Stör aus schlängelte sie sich wie eine Schleife einmal um die Innenstadt.

störschleifealt.jpg
Deutsche Luftbild KG Hamburg-München

Ältere Einwohner werden den Gestank noch in Erinnerung haben, der damals durch Itzehoe zog, weil das Wasser nicht richtig durch die Schleife floss und sie verschlammte. Es gab mehrfach Überschwemmungen, Ratten plagten die Itzehoer.

Damit die Stadt attraktiver wird, will der Verein „StörAuf“ die alte Schleife in Teilen wiederbeleben. Ein neues künstliches Gewässer soll entstehen, das nicht verschlammen kann und 34 Millionen Euro kostet. Wenn alles glatt läuft, könnte die neue Störschleife in fünf bis acht Jahren fertig sein.

 
Störauf
 
 

3. Kiel baut den Kleinen Kiel neu

Als „Meilenstein der Revitalisierung der Kieler Innenstadt“ bezeichnete Baustadträtin Doris Grondke das „äußerst couragierte Bauprojekt“. Der Kleine Kiel-Kanal kostet etwa zwölf Millionen Euro und schafft eine Wasserverbindung zwischen Bootshafen und der Wasserfläche Kleiner Kiel. Auf 170 Metern Länge und mindestens 9,5 Metern Breite entsteht eine künstliche Wasserfläche.

 
Gisbert-K. Jungermann
 

Der alte „Kleine Kiel“ bestand bis 1982. Dann wurde die Verbindung zwischen Bootshafen und Kieler Förde zugeschüttet. Eine Verbindung der Gewässer gab es dann nur noch durch ein Rohr.

4. Süderbraruper wollen die Heilige Quelle zurück

Die Heilige Quelle von Süderbrarup hatte bereits in vorchristlicher Zeit einen Ruf als Heilquelle. Ein reger Pilgerstrom konnte archäologisch nachgewiesen werden. Noch bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Kinder auf Wunsch mit diesem Wasser getauft. Die Pilger machten Trinkkuren oder Waschungen, um von allen möglichen Gebrechen befreit zu werden. Das Wasser soll angeblich schwach radiumhaltig und damit gesundheitsfördernd sein.

 
sh:z
 

Noch heute fahren Menschen vor dem Brunnen vor, um sich das Wasser in Trinkflaschen abzufüllen. Allerdings: Die Quelle ist schon lange versiegt, der Brunnen führt nur noch nach Regenfälllen Wasser, wenn die Dränage des angelegenen Sportplatzes ihn mit Regenwasser speist.

Der Museumsverein Süderbrarup will die Heilige Quelle wieder sprudeln lassen. Der Vorsitzende Wolfgang Warwel spricht von einer „Goldquelle“ für die Region, wenn es gelinge, dass sie wieder funktioniere.

Weiterlesen: Die „Heilige Quelle“ ist eine Pfütze

Laut Barbel habe man sich allerdings bislang nicht mit der Gemeinde über eine Suchaktion einigen können. Aktuell forciert der Verein die 5500 Euro teure Untersuchung mit einem Bodenradar. Ein Antrag dafür liegt im Gemeinderat vor.

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