Vision „Sauberes Wasser für alle“ : Deutscher Umweltpreis für Meeresforscherin und Abwasserexperten

Meeresbiologin Antje Boetius.

Meeresbiologin Antje Boetius.

Der Preis würdigt Forscher, die die komplexen Kreisläufe aus Abwasser, Meerwasser und Klimafolgen untersuchen.

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23. August 2018, 10:12 Uhr

Osnabrück | Eine renommierte Meeresbiologin und ein interdisziplinäres Expertenteam aus Abwasserforschern bekommen in diesem Jahr die höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas. Den mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis teilen sich Antje Boetius vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sowie Roland Müller, Manfred van Afferden und Mi-Yong Lee vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig samt Initiator Wolf-Michael Hirschfeld.

Die Abwasserforscher hätten die Vision „Sauberes Wasser für alle“ bei einem Projekt in Jordanien zu einem greifbaren Ziel werden lassen. Mit der Auszeichnung Boetius' werde die Bedeutung der Meere für Klima, Lebensvielfalt und Nahrungsversorgung betont, teilte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am Donnerstag in Osnabrück mit. Die Auszeichnung wird am 28. Oktober in Erfurt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergeben.

Hintergrund: Der Deutsche Umweltpreis

Mit 500.000 Euro ist der Deutsche Umweltpreis die höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas. Gewürdigt werden Leistungen, die für Schutz und Erhalt der Umwelt vorbildlich sind oder in Zukunft zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergibt ihn seit 1993 jährlich.

Verschiedene Organisationen wie Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kirchen, Naturschutzverbände und wissenschaftliche Vereinigungen können Kandidaten für die Auszeichnung vorschlagen. Eine vom Kuratorium der DBU ernannte unabhängige Jury empfiehlt dann mögliche Preisträger. Die Entscheidung fällt letztlich das Kuratorium.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ist eine der größten Stiftungen in Europa. Seit der Aufnahme der Arbeit 1991 sind ihren Angaben zufolge knapp 9600 Umweltprojekte mit mehr als 1,7 Milliarden Euro unterstützt worden.

 

Ozeane seien wichtiger Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten. Zudem seien sie bedeutsamster Wärmespeicher unseres Planeten, dessen Klima sie regulierten, begründete DBU-Generalsekretär Alexander Bonde die Auszeichnung für Boetius: „Lebendige Ozeane sind ein Muss. Ohne sie könnten wir nicht existieren.“ Boetius habe mit ihrer Tiefsee- und Polarforschung zum Verständnis des weltweiten Klimageschehens und der Lebensvielfalt beigetragen.

„Auf Basis ihrer Forschungsergebnisse macht sie deutlich, dass sich menschliches Handeln wie Treibhausgas-Ausstoß, Überfischung, Wasserverschmutzung bis in die unzugänglichsten Winkel der Erde auswirkt“, heißt es in der Würdigung. Die 51 Jahre alte Boetius habe zugleich außergewöhnliches Talent, die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit verständlich darzustellen.

Wassermangel ist eine zentrale Fluchtursache

Das Team um die Forschergruppe des Departments „Umwelt- und Biotechnologisches Zentrum“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und der Initiator des Bildungs- und Demonstrationszentrums für dezentrale Abwasserbehandlung (BDZ), Hirschfeld, seien Anwälte für den Wasserressourcenschutz, sagte Bonde. Das Team habe bei einem Projekt in Jordanien neuartige Systemlösungen in einem schwierigen politischen Umfeld entwickelt und in die Praxis umgesetzt. „Umweltschutz mit Hirn, Herz und Hand“, würdigte DBU-Chef Bonde.

Weltweit trinken laut DBU mindestens zwei Milliarden Menschen mit Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser. Wassermangel gehöre zu den zentralen Fluchtursachen. „Zu wissen, dass täglich mehr als 1500 Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von verunreinigtem Wasser sterben, ist unerträglich“, sagte Bonde. Jordanien gehöre zu den drei am stärksten von Wasserknappheit betroffenen Staaten, seine Bevölkerung sei wegen der Flüchtlinge aus Syrien von 5,6 Millionen im Jahr 2006 auf 9,5 Millionen im Jahr 2016 gestiegen.

Abwasser fließe dort gerade auf dem Land direkt ins Grundwasser. Die Leipziger hätten ein System entwickelt, das die Abwässer direkt am Entstehungsort behandelt. Das sei bahnbrechend gewesen für die Verbesserung der Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort und biete Perspektiven für eine dezentrale und flexible Wasseraufbereitung auch in anderen Ländern.

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