Schritt über die Grenze : Deutsche Sprache ist Haupthindernis für dänische Unternehmer

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Dänische Unternehmen stoßen hinter der Grenze auf Sprachbarrieren.

Deutsche Unternehmer kommen in Dänemark mit Englisch weiter, dänische in Deutschland nicht.

shz.de von
26. Januar 2018, 12:30 Uhr

Nordschleswig/Flensburg | „Die deutsche Sprache ist weiterhin für dänische Unternehmer das größte Problem, wenn sie geschäftlich den Schritt über die Grenze wagen wollen.“ Das berichtet Nenja Laubach, Referentin für deutsch-dänisches Regionalmanagement bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Flensburg. Die IHK bietet ein Seminar für Unternehmer an, die ihren Weg von Dänemark nach Deutschland oder auch umgekehrt beschreiten wollen. 

Das Sprachproblem kennt auch Preben Jensen (Venstre-Partei), Repräsentant für deutsch-dänische Zusammenarbeit bei der Region Süddänemark. Er verweist jedoch auf die Deutschlandstrategie der Regierung, bei der unter anderem Schüler, im Besonderen aus dem Grenzgebiet, schon früh mit der deutschen Sprache und Kultur in Berührung gebracht werden, „denn unser südliches Nachbarland ist unser größter Handelspartner, und die Möglichkeiten, das noch auszubauen, sind groß“, sagt er. So erzählt er von einem Interreg-Projekt am Blå Gymnasium in Tondern, das die Kenntnisse der Gymnasiasten über das deutsch-dänische Grenzland vergrößern soll, „um als Arbeitskraft fit zu sein für den dänischen grenzüberschreitenden Markt“, berichtet Preben Jensen.

Das löst jedoch noch nicht die aktuellen Barrieren der dänischen Unternehmer – von denen besonders die kleinen Betriebe betroffen sind, weiß Peter Hansen, Leiter des Infocenters & Regionskontors der Region Sønderjylland-Schleswig. Denn: „Die großen Unternehmen suchen sich oftmals zweisprachige Mitarbeiter, die im Vorfeld einen Kundenkreis aufbauen und das Geschäftsfeld vorbereiten. Das wird meist lange vorbereitet“, berichtet Hansen. Für deutsche Betriebe stelle die Sprache ein weitaus geringeres Problem dar, denn die kämen in Dänemark mit Englisch weiter.

Bei der IHK-Veranstaltung „Mein Weg nach Dänemark/Deutschland“ werden jedoch nicht nur die sprachlichen Barrieren ein Thema sein. „Es gibt kulturelle Unterschiede, die den Unternehmern Schwierigkeiten bereiten können“, berichtet Nenja Laubach von anderen ähnlichen Veranstaltungen. „So kann es von dänischen Geschäftsleuten falsch aufgefasst werden, wenn der mögliche Partner aus Deutschland mit einem Luxusauto auftaucht. Das sogenannte Jantelov („Du bist nicht besser als andere“) wird immer noch großgeschrieben. Auf dänischer Seite wird die Korrektheit der Deutschen oftmals als unverständlich betrachtet. In Dänemark werden zum Beispiel Verträge mit viel weniger Umfang eingegangen, während der deutsche Unternehmer gern jedes kleinste Detail festgehalten haben möchte“, berichtet sie. „Das Vertrauen zueinander ist in Dänemark größer“, erklärt die Deutsch-Dänisch-Fachfrau einen Unterschied.

Für die aktuelle Veranstaltung am 8. Februar gibt es schon 60 Anmeldungen. „Meist nehmen um die 100 interessierte Unternehmer teil“, berichtet Nenja Laubach.

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