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Gegenstück zur Fehmarnbeltquerung : Dänen wollen Brücke von Alsen nach Fünen bauen - sie könnte schwimmen

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Aus der Onlineredaktion

Eine schwimmende Brücke soll Nordschleswig aus dem Niemandsland holen. Der SSW ist begeistert, Kopenhagen nicht.

Sonderburg/Nordborg | Am Südzipfel Jütlands fürchtet man durch die Fehmarnbeltquerung weiter vom Speck der Metropolen abgehängt zu werden. Zwar gibt es eine Flugverbindung von Sonderburg nach Kopenhagen und neue Autobahnen, doch insgesamt hat es die häufig als „Außenkante“ bezeichnete Grenzregion verkehrstechnisch nicht leicht. So gibt es angesichts der felsenfesten Fehmarn-Pläne Forderungen nach einer Westküstenautobahn, nach einer rasanten Zugverbindung von Aarhus nach Hamburg und von einer weiteren Querung der Ostsee in Nordschleswig. Die Debatte zu letzterer, über die shz.de schon vor einem Jahr berichtete, ist nun wieder aktuell – jedenfalls unter ihren Befürwortern. Sie wollen dort eine Brücke bauen, wo derzeit nach eine Fähre verkehrt: Auf dem Übersee-Anschluss des erst 2012 fertiggestellten Sønderborgmotorvej zwischen Fynshav und Bøjden (A8).

Zur Bürgerversammlung des Vereins Alsen-Fünen-Brücke kamen vergangene Woche mehr als 300 Pendler, Anwohner und Befürworter des Projekts - auch Unternehmer Jørgen Mads Clausen, der Vorstandsboss von Danfoss. Er gilt als einflussreicher und wohlhabender Unternehmer und wünscht sich die Brücke, die den Stammsitz seiner weltweit agierenden Firma in Nordborg auf Alsen besser mit der Universitätsstadt Odense auf Fünen verbinden würde. So könnten Fachkräfte kommen.

„Wir haben viele Menschen auf der einen Seite und Arbeitsplätze auf der anderen“, sagte Clausen. Um bis zu eine Milliarde Kronen pro Jahr könnte das Bruttonationalprodukt steigen, ist er überzeugt. Als Mitglied einer lokalen Steuerungsgruppe will er helfen, das laut Schätzungen zehn bis 20 Milliarden Kronen (1,4 bis 2,7 Milliarden Euro) teure Projekt langfristig im dänischen Parlament zu lancieren.

Ob sich das Folketing überhaupt mit der Brücke befasst, die einige Lokalpolitiker gar als Alternative zur Fehmarnbelt-Querung ins Spiel gebracht hatten, ist derzeit noch offen. Der dänische Verkehrsminister Ole Birk Olesen (Liberal Alliance) sagte unter Berufung auf Analysen seines Hauses zur Brücke: „Der Vorschlag wurde so bewertet, dass das Verkehrsaufkommen im Verhältnis zu den Kosten nicht groß genug war.“ Darüber hinaus wären Brücke und Hinterlandanbindung auf Fünen aus Umweltsicht eine große Herausforderung - besonders im Wandergebiet Svanninge Bakker.

In Sønderborg, rund 50 Kilometer nordöstlich von Flensburg, halten die Brücken-Fans unbeirrt an dem Projekt fest. Bis 2020 sollen die Planungen stehen. Der Verein ist von der gesellschaftsökonomischen Bedeutung der Verbindung überzeugt - und hat mit dem Norweger Geir Lasse Kjersem einen Projektentwickler eingeladen, von dem sie hoffen, dass dank dessen schwimmender Brücken die Kosten sinken.

Sein Ingenieurbüro LMG Marin aus Bergen könne mit riesigen schwimmenden Pontons aus Beton eine Querung für die elf Kilometer zwischen Alsen und Fünen entwerfen, ist sich Kjersem sicher. Die Technik habe sich bereits in Asien bewährt - und mit der Bergsøysund-Brücke und der Nordhordalands-Brücke seien auch bereits tiefe Fjorde in Norwegen mit Pontons überquert worden.

Die schwimmenden Brücken sind anders als klassisch im Meeresboden verankerte Konstruktionen weitgehend unabhängig von dem im Kleinen Belt teils weichen Untergrund. Für Schiffe könnten spezielle Durchlässe eingebaut werden. „Mega stabil“, verspricht Kjersem. Laut dem Vorsitzenden des Brückenvereins, Mogens K. Nielsen, müsse nun untersucht werden, ob solch eine Brücke auch für acht Milliarden Kronen zu haben ist - so viel Geld könnte Prognosen zufolge eine Maut binnen einer Betriebszeit von 40 Jahren einbringen.

Glenn Dierking, Ratsmitglied für den SSW in Flensburg, ist von der Idee begeistert: „Davon würde auch Flensburg und die ganze Region profitieren“, sagte er. Einige Lokalpolitiker äußerten sogar Angst, dass Schleswig mit dem Fehmarn-Belt-Tunnel vom Verkehrsstrom und damit von der Wirtschaft abgeschnitten werden könnte. Die Autofahrt zwischen Flensburg und Kopenhagen könnte durch die Umgehung des Lillebelt bei Fredericia um einiges kürzer ausfallen.

Im Landesverkehrsministerium in Kiel sieht man solch eine Konkurrenz nicht. Dafür ein weiteres Problem an einer Alsen-Fünen-Brücke: „Die Wegersparnis wäre nicht so gewaltig gegenüber den Eisenbahn- und Straßenbrücken über den Kleinen Belt bei Middelfart“, heißt es aus dem Haus von Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Auch die deutsch-dänische Verkehrskommission hat sich erst einmal mit der Idee befasst - dies ist bereits fünf Jahre her.

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erstellt am 27.Feb.2017 | 12:01 Uhr

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