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Prozess um tödliche Messerattacke : Totschlag oder Mord: Zweifel bleiben nach Tatortbegehung

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Aus der Onlineredaktion

War es ein heimtückischer Mord oder eine spontane Messerattacke? Das Kieler Schwurgericht wollte bei einem Ortstermin klären, ob die Version der Angeklagten stimmt. Sie soll ihre gleichaltrige Schwägerin erstochen haben.

Kiel | Im Prozess um eine tödliche Messerattacke hat das Kieler Schwurgericht die Darstellung der Angeklagten zum Tatablauf vor Ort überprüft. Es fand sich dazu mit der mutmaßlichen Täterin - sie war mit einer Handschelle an einen Beamten gekettet - am Donnerstag zunächst vor deren Wohnhaus, einer alten Stadtvilla am Kieler Stadtrand ein. Dann ging es zum etwa ein Kilometer entfernten Wohnhaus des Opfers.

Im Eingangsbereich vor der Haustür soll die 39-Jährige laut Anklage ihre gleichaltrige Schwägerin im September 2015 mit 17 Messerstichen getötet haben - vor den Augen der damals neunjährigen Tochter des Opfers. Hintergrund der Messerattacke sollen familiäre Streitigkeiten sein. Die Angeklagte soll erbost gewesen sein, dass ihre Schwägerin kurz nach dem Tod ihres Ehemannes ein Verhältnis zu einem anderen Bruder der Angeklagten eingegangen war. Die Frau muss sich wegen Totschlags verantworten. Möglich ist aber auch eine Verurteilung wegen Mordes, was der Vertreter der Nebenklage anstrebt.

Die Version der Angeklagten: Sie habe am Tatabend in ihr Auto an ihrem Wohnhaus steigen und tanken fahren wollen. Dabei habe sie aus den Augenwinkeln in einem vorbeifahrenden Auto ihre Schwägerin gesehen und spontan beschlossen, ihr zu folgen. Sie habe die Schwägerin wegen Beleidigungen wie „Schlampe“ zur Rede stellen wollen. Als diese ein Messer zückte, habe sie es ihr entwenden können und zugestochen. Die neunjährige Tochter des Opfers hat dagegen ihre Tante belastet. Diese sei plötzlich aufgetaucht und über ihre Mutter hergefallen.

Für die juristische Bewertung des Tötungsdeliktes als Totschlag oder Mord ist entscheidend, ob es eine spontane oder geplante heimtückische Tat war. Der Vertreter der Nebenklage sagte bei dem Ortstermin am Wohnhaus der Angeklagten, deren Darstellung könne aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht stimmen. Das Gericht hat die Möglichkeit einer Verurteilung wegen Mordes nicht ausgeschlossen. Das Urteil könnte sich bis Juli verschieben, hatte der Vorsitzende Richter angedeutet.  

 

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erstellt am 09.Jun.2016 | 17:47 Uhr

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