Wetter in SH : Einsatzüberblick: Sturm und Schneeverwehungen führen zu Unfällen und Überschwemmungen

Der Winter ist zurück, es stürmt und schneit. Die Einsatzkräfte im Land haben viel zu tun.

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17. März 2018, 17:42 Uhr

Auch wenn die Norddeutschen sturmerprobt sind: Mitte März denkt man auch im Norden so langsam eher an Frühling und Sonnenschein als an eisige Sturmböen und Schneefall. Doch der Frühling lässt noch auf sich warten. Schnee wehte über die Felder, sammelte sich teilweise als Schneeverwehungen auf den Straßen an – und der Winter-Nachschlag beschert den Einsatzkräften einiges an Arbeit.

Aktuelle Verkehrsmeldungen finden Sie auch unter shz.de/verkehr.

Überschwemmungen an der Ostsee

Der überfrorene Bereich wurde in Kiel abgesichert. Doch die Sperrungen hielten dem Wind nicht Stand.
Peter Wüst

Der überfrorene Bereich wurde in Kiel abgesichert. Doch die Sperrungen hielten dem Wind nicht Stand.

Der andauernde Sturm mit starkem Ostwind und Anstieg des Wasserpegels drückte das Wasser vielerorts sehr stark auf das Ufer. An der Kieler Förde wehte die Gischt auf den Geh- und den Radweg und gefror sofort. Feuerwehrleute der Kieler Berufsfeuerwehr und der FF Suchsdorf sperrten zunächst in einem stundenlangen Einsatz den betroffenen Bereich zwischen Lindenallee bis Seebar, Seebar bis Parkstraße, Parkstraße bis Kösterallee. Da das Absperrmaterial aber auf die Straße zu wehen drohte, wurde es wieder zurückgebaut.

Auch in Glücksburg trat das Wasser über die Ufer und gefror.
Gunnar Dommasch

Auch in Glücksburg trat das Wasser über die Ufer und gefror.

Die Brücke vom Parkplatz Quellental nach Glücksburg wurde am Samstag überflutet und gesperrt. Spaziergänger müssen sich einen alternativen Weg suchen.
Gunnar Dommasch

Die Brücke vom Parkplatz Quellental nach Glücksburg wurde am Samstag überflutet und gesperrt. Spaziergänger müssen sich einen alternativen Weg suchen.

Greenpeace-Aktivist geht über Bord

Die Greenpeace-Aktivisten waren nach der Übung mit einem regelrechten 'Eispanzer' überzogen.
Karsten Sörensen

Die Greenpeace-Aktivisten waren nach der Übung mit einem regelrechten "Eispanzer" überzogen.

 

Bei einem Übungsszenario unter Realbedingungen ist nach Angaben eines Sprechers der Wasserschutzpolizei in Flensburg ein Greenpeace-Teilnehmer im Bereich der Innenförde über Bord gegangen. Der Aktivist wurde aus dem nur einem Grad kalten Ostseewasser gezogen und an Land gebracht. Nach Angaben der Rettungsleitstelle Nord in Harrislee war nach einem Notruf der Seenotleitstelle in Bremen der Rettungsdienst zur Schiffbrücke in Höhe der Museumswerft angefordert worden. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht.

Nach Angaben von Greenpeace-Pressesprecher Gregor Kessler üben dieses Wochenende mehrere Schlauchboote der Umweltorganisation in einem zweitägigen Kurs Manöver unter Realbedingungen auf der Flensburger Förde.

Serienunfall auf der A7 und bei Schwedeneck

Der Unfall ereignete sich auf der A7 bei Owschlag.
Daniel Friederichs

Der Unfall ereignete sich auf der A7 bei Owschlag.

 

In einem lokalen Schneesturm auf der A7 bei Owschlag ereignete sich ein Serienunfall mit mehreren Fahrzeugen. Schneeverwehungen schränkten die Sicht plötzlich stark ein, schildern Zeugen. Mehrere Personen wurden verletzt. Die Autobahn wurde zwischen Owschlag und Schleswig/Jagel in Fahrtrichtung Flensburg voll gesperrt.

Auch bei Schwedeneck kam es zu einer Massenkarambolage. Dort stießen nach Angaben der Polizei elf Autos zusammen. Die Polizei sperrte die Straße zwischen der B 503, Sprenge und Surendorf in beiden Richtungen. Bei dem Unfall gab es vier Leichtverletzte

NDR-Reporter Sebastian Duden war selbst in den Unfall verwickelt und machte folgende spektakuläre Aufnahmen:

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Auch auf vielen Landstraßen behinderten Schneeverwehungen die Sicht.
Daniel Friederichs

Auch auf vielen Landstraßen behinderten Schneeverwehungen die Sicht.

 

Wahrendorf: Baum fällt aus Haus und Gastank

Umliegende Häuser wurden evakuiert, weil anfangs nicht ausgeschlossen werden konnte, das Gas austritt.
Arne Jappe

Umliegende Häuser wurden evakuiert, weil anfangs nicht ausgeschlossen werden konnte, das Gas austritt.

Der starke und böige Ostwind ließ am Samstagvormittag in der Ortschaft Wahrendorf bei Lensahn im Kreis Ostholstein einen Baum auf ein Einfamilienhaus fallen. Zusätzlich traf der Baum einen Gastank. Die Feuerwehr Wahrendorf evakuierte umgehend die umliegenden Häuser in der Wahrendorfer Straße. „Es war nicht klar, ob der Baum den Gastank beschädigt hatte.“, sagt Wehrführer Gunther Bruhn. Die Gefahrgutgruppe aus Oldenburg gab dann nach einer Messung grünes Licht für die Einsatzkräfte.

Mithilfe eines Baggers zur Sicherung vom Baum gelang es dann den Einsatzkräften den Baum zu zersägen und ihn vom Haus zu entfernen. Zu dem Zeitpunkt erschwerte starker Schneefall die Arbeiten der Feuerwehr. Es gab keine Verletzte bei dem Einsatz in Wahrendorf. Im Zuge des Feuerwehreinsatzes war die Straße voll gesperrt.

Hausboot drohte sich loszureißen

Die Feuerwehr versuchte das Hausboot wieder an Land zu bringen.
Sebastian Iwersen

Die Feuerwehr versuchte das Hausboot wieder an Land zu bringen.

 

Im Flensburger Hafen rissen die Sturmböen einen Teil der Vertäuung eines fabrikneuen Hausbootes los – das Wasserhaus trieb daraufhin rund drei Meter von der Kaimauer entfernt und wurde von den Wellen kräftig durchgeschüttelt.

Spaziergänger entdeckten die Gefahr und alarmierten die Feuerwehr. Doch auch diese hatte erst einmal Mühe, überhaupt an Bord zu gelangen und das schwimmende Domizil mit dickeren Tampen zu sichern. Da das Schlauchboot der Feuerwehr aufgrund der Wetterlage nicht eingesetzt werden konnte, wurden die Einsatzkräfte kurzerhand mit Drehleiter auf das rund 400.000 Euro teure Hausboot übergesetzt.

Bei eisigem Ostwind und gefühlten Temperaturen um minus 10 Grad mussten die Feuerwehrleute dickere Taue anbringen, um ein komplettes losreißen des Hausbootes zu verhindern.

Fährverkehr beeinträchtigt

Wegen des Sturms wurden Fähren von Rostock zum dänischen Gedser sowie nach Hiddensee abgesagt. Die Insel soll dann nur noch per Hubschrauber erreichbar sein. Auch an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste fielen zahlreiche Fähren aus. Unterbrochen war vorübergehend zudem die Elbfähre zwischen Glückstadt und Wischhafen.

Kreuzfahrtschiff kann nicht anlegen

Das 300 Meter lange Kreuzfahrtschiff „Aidaperla“ mit 3000 Passagieren an Bord konnte wegen des Sturms den Hamburger Hafen am Samstagmorgen nicht anlaufen, es wurde am Nachmittag am Kreuzfahrtterminal Hamburg Steinwerder erwartet.

Weitere Einsätze

In Schleswig-Holstein meldeten die Regionalleitstellen weit mehr als hundert wetterbedingte Einsätze zwischen Freitag und Samstag. Auch dort ging es vor allem um abgebrochene Bäume und Äste. Vereinzelt kam es auf glatten Straßen zu Unfällen mit Blechschäden, verletzt wurde dabei niemand.

In Hamburg berichteten Feuerwehr und Polizei von insgesamt etwa 70 sturmbedingten Einsätzen zwischen Freitagmorgen und Samstagvormittag. Dabei handelte es sich in erster Linie um herabfallende Dachziegel, Bauzäune sowie Bäume und Äste. In der Hamburger Innenstadt fiel am Samstagmorgen eine Glaskuppel aus dem siebten Obergeschoss auf ein Auto, verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Glatte Straßen gab es in der Hansestadt nicht. Außerdem musste ein Zug mit etwa 140 Reisenden wegen einer beschädigten Oberleitung kurz vor dem Hauptbahnhof evakuiert werden.

In Mecklenburg-Vorpommern kam es bei Minustemperaturen und Schneefall ebenfalls nur zu wenigen Glätteunfällen mit Blechschäden und kaum Sturmschäden. Die witterungsbedingten Einsätze belaufen sich auf den unteren zweistelligen Bereich, sagte ein Polizeisprecher am Samstagvormittag.

Wettervorhersage: Sturmböen halten an

Eine Besserung des Wetters ist nur teils in Sicht.

In der Nacht zum Sonntag klart es verbreitet auf und der Ostwind lässt im Norden laut Deutschem Wetterdienst etwas nach. An den Küsten sind jedoch weiterhin Sturmböen möglich, an der Ostsee ist örtlich auch noch mit leichtem Schneefall sowie Verwehungen zu rechnen.

Am Sonntag scheint dann nach einzelnen Schneeschauern zwischen Angeln und Sylt verbreitet die Sonne bei Höchstwerten knapp über dem Gefrierpunkt. Der teils stürmische Ostwind schwächt im Laufe des Tages weiter ab.

Die Nacht zu Montag mit bis zu minus 8 Grad lässt aufkommende Frühlingsgefühle noch einmal in weite Ferne rücken.

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