Prozess in Flensburg : Besitz von Kinderpornografie: Geldstrafe für 54-Jährigen

Polizei kam durch Lkw-Fahrer aus Schleswig-Holstein 80.000 Pädophilen auf die Spur.

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22. Mai 2018, 13:16 Uhr

Kreis Schleswig-Flensburg | Er hortete mehr als 6000 kinderpornografische Bilder und Videos, dann kamen Ermittler dem Fernfahrer (54) aus dem Kreis Schleswig-Flensburg auf die Spur – und verfügten plötzlich über die Kontakte von weltweit 80.000 mutmaßlichen Pädophilen.

Großer Erfolg für Kripo und Staatsanwaltschaft in Flensburg: Nach einer Anzeige 2016 hatten die Beamten gegen den Fernfahrer ermittelt, mehrere Smartphones  sichergestellt. Polizeisprecher Christian Kartheus: „Neben dem kinderpornografischen Material wurden mehr als 3000 Chats entdeckt, viele mit Bezug zur kinderpornographischen Szene.“

Laut Staatsanwaltschaft benutzte der Fernfahrer die Messenger WhatsApp und Telegram. Polizeisprecher Kartheus: „Aufgrund der Komplexität des Verfahrens wurde die Ermittlungsgruppe ,Auf Achse‘ eingerichtet.“ Deren Beamte werteten die Kontakte des Fernfahrers aus und ordneten die kinderpornografischen Dateien ihren Absendern zu. „Weltweit konnten knapp 200 konkrete Strafverfahren eingeleitet werden“, so Kartheus. Davon richten sich 26 gegen Personen in Deutschland, über 60 gegen Verdächtige im europäischen Ausland und über 100 gegen Pädophile in Nordamerika sowie einige weitere  in Australien. Kartheus: „Mit den entsprechenden Staaten bestehen Rechtshilfeabkommen, weshalb eine Strafverfolgung dort gewährleistet ist.“ Doch der Fernfahrer hatte auch Kontakt zu mehr als 14.000 Männern aus Staaten, mit denen Deutschland keinen geordneten Rechtsverkehr hat. „In diesen Fällen ist eine Strafverfolgung nicht möglich“, so Kartheus.  Und dann gibt es noch Zehntausende weitere Kontakte, bei denen es nicht gelungen ist, den Absender zu identifizieren oder ihm Straftaten nachzuweisen. Etwa, weil der Nutzer die Verfallsfunktion von Telegram genutzt hat. Hier prüft das Bundeskriminalamt, ob sich trotzdem ein Anfangsverdacht erarbeiten lässt.

Der Fernfahrer, der nicht vorbestraft war, ist wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften per Strafbefehl rechtskräftig zu einer Geldstrafe von über 100 Tagessätzen verurteilt worden. Er selbst soll kein Material verbreitet oder Kinder missbraucht haben.

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