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Kiel verhängt Jagdverbot per Gesetz : Bismarcks Gatter: Im Sachsenwald hört man bald keinen Schuss mehr

vom
Aus der Onlineredaktion

Gregor von Bismarck hat weiterhin nicht die Absicht, seine Wildgatter fallen zu lassen. Mit der kommerziellen Jagd darin ist nun aber Schluss – sagt jedenfalls das neue Landesjagdgesetz.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2016 | 15:10 Uhr

Aumühle | Die Landesregierung hat der Posse um die fürstlichen Prunkjagden der Familie Bismarck erstmal einen Riegel vorgeschoben: Mit der Novelle des Landesnaturschutzgesetz wird es dem Drückjagd-Unternehmer Gregor von Bismarck und seiner illlusteren Jagd-Society förmlich die Patrone aus dem Lauf gezogen. In Wildgattern darf nach der Inkraftsetzung der neuen Regelung nicht mehr gejagt werden – nicht von den Nachfahren des „Eisernen Kanzlers“ und auch nicht von den zwei anderen Waldbesitzern, die sich bis heute trotz einer Auflösungsverfügung weigern, ihre Zäune abzubauen. Zwar werden die Gatter des streitbaren Fürsten auch jetzt erstmal noch stehen bleiben, doch der Jagdtourismus scheint Geschichte.

Die Drückjagd im Sachsenwald (Kreis Herzogtum Lauenburg) war über ein Jahrhundert lang ein prestigeträchtiges Großereignis mit zahlreichen betuchten Gästen aus Prominenz und Hochadel.

Die zum Zwecke der kommerziellen Jagd eingezäunten Areale sind in Schleswig-Holstein eigentlich schon seit 1999 verboten. Dass die Jagden legal bis 2014 stattfinden konnten, liegt an der Einräumung einer großzügigen Übergangsfrist von 15 Jahren. Tradition und kommerzielle Interessen verlangten Aufschub. Doch auch nach Ablauf der Übergangsphase hatten sich Bismarck und zwei andere Betreiber konsequent geweigert, die Zäune abzureißen und das ertragreiche Geschäft mit dem Abschuss Geschichte sein zu lassen.

Die Landesregierung sah sich an der Nase herumgeführt: Erst hatte Bismarck gegen die Rückbau-Verfügung geklagt, dann stiegen seine Anwälte gegen das Land Schleswig-Holstein in den Ring. Durch die laufende Klage vor dem Schleswiger Verwaltungsgericht, deren Urteil unabsehbar ist, konnte die Räumung bislang nicht durchgesetzt werden, sprich: Es kehrten weiter zahlungskräftige Jagd-Touristen ein. Zuvor hatte Bismarck gegen die Auflösungsverfügung der unteren Behörde geklagt, der Widerspruch wurde allerdings abgelehnt. Das Jagdverbot stelle nun wenigsten sicher, dass in den Jagdgattern nicht mehr aus kommerziellen Gründen gejagt werden dürfe, heißt es vom Umweltministerium in Kiel.

Hintergrund: Jagd im Sachsenwald

In Wildgehegen wie im Sachsenwald werden Hirsche und Wildschweine zum Zwecke der Bejagung gehalten. Reichskanzler Otto von Bismarck hatte das Areal im Lauenburgischen zur Reichgründung 1871 von Kaiser Wilhelm I. geschenkt bekommen und dort die letzten Jahre seines Lebens verbracht. 4500 Hektar befinden sich noch in Familienbesitz, davon sind mehrere Hundert Hektar für das Wild eingezäunt. Ferdinand Fürst von Bismarck hatte stets betont, den Wald wirtschaftlich betreiben zu wollen. Neben dem Verkauf der Hölzer (rund 20.000 Festmeter pro Jahr) ist auch die Jagd etwas, das dazu beiträgt. Wer Hirsche schießen will, muss im Vorweg hohe Summen zahlen. Für diese Prämie bekommt der zahlende Kunde in den zahlreich bevölkerten Gehegen quasi eine Erfolgsgarantie.

Wie das „Abendblatt“ berichtet, hatte der Anwalt des Fürsten vor der entscheidenden Landtagssitzung am Mittwoch schweres Geschütz aufgefahren, um die Abgeordneten in ihrer Entscheidung zu beeinflussen. Alle Parlamentarier bekamen einen Brief, der ihnen nahebringen sollte, sie würden bei einem „ja“ zum Jagdverbot gegen das Grundgesetz verstoßen. Das Verbot sei ein rechtswidriger Eingriff in seine „Eigentümerstellung“, erklärte Bismarck, aus dem Grunde, dass das erlegte Wild für das familieneigene Restaurant „Forsthaus Friedrichsruh“ benötigt werde. Außerdem hingen Arbeitsplätze daran. Bismarcks Anwalt Florian Asche lässt nun verlauten, er prüfe eine Verfassungsbeschwerde.

Die Anwälte führen zur Begründung an, es handele sich bei der Reglung um ein unerlaubtes Einzelfallgesetz nach Art. 19 Abs. 1 Grundgesetz. Das Ministerium dementiert dies, schließlich richte sich das Verbot der Jagdausübung richtet sich nicht nur an die drei Mandanten der klagenden Rechtsanwälte, sondern an alle Personen, die in den Jagdgattern jagen wollen. Betroffen seien somit alle Jäger, die dort jagen wollen. Das Verbot gelte demnach für einen unbestimmten Personenkreis.

Die Möglichkeit einer Ausnahmeregelung beim Abschuss wurde laut Nicola Kabel, der Pressesprecherin des Umweltministeriums, für den Fall geschaffen, dass die Wilddichte vermindert werden muss. Dass diese überhöht ist, liegt wiederum in der Logik des Gatters. Gejagt werden muss also weiterhin – aber nun auf Anordnung aus Kiel. Bis irgendwann der Zaun fällt.

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