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Region Süddänemark : Angebot nach Bios-Konkurs: Rettungsdienst Falck will wieder mitmischen

vom
Aus der Onlineredaktion

Falck bringt sich mit einer Kosten-Korrektur ins Gespräch. Die Region nimmt einige Ratschläge an, blockt aber ab.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 13:13 Uhr

Apenrade | Gibt es eine überraschende Wende nach dem Bios-Desaster und der Übernahme der Rettungsdienste in Süddänemark durch die Region? Der Rettungsdienstleister Falck hat sich laut „Jydske Vestkysten“ mit einer Art Kostenrechnung an die Region Syddanmark gewandt. Er würde den Großteil der Ambulanz-Dienstleistungen gerne wieder übernehmen, die er im August 2015 nach einer Ausschreibung an den Konzern Bios abtreten musste. Die Niederländer gingen in Dänemark nach nur elf Monaten in den Konkurs.

Die neue Offerte von Falck unterbietet laut der Firma sowohl die Preise, mit der Bios seinerzeit die Ausschreibung gewinnen konnte, als auch die Kosten, die die Region für die Leistungen in Eigenregie unter dem Namen „Ambulance Syd“ zahlt. Man könne mit den derzeitigen Kosten mithalten, sie faktisch sogar senken, so die Botschaft des Unternehmens, das in den meisten Regionen Dänemarks die Vormachtstellung bei den Rettungsfahrten inne hat.

Hintergrund: Die Rolle der Regionen in Dänemark

Die fünf dänischen Regionen (hier Syddanmark) kümmern sich als Gebietskörperschaften hauptsächlich um soziale Serviceleistungen, wenn die Organisation die Kommunen überfordert. Ihre Kernkompetenz sind die Krankenhäuser, die Behindertenbetreuung sowie Entwicklungspläne für die Bereiche Natur und Kultur.

 

Eine ausführliche Kostenrechnung wurde vom Falck-Emergency-Direktor Jakob Just-Bomholt per Brief an die Vorsitzende des Regionsrates, Stephanie Lose, geschickt. In dem Schreiben erklärt der Direktor auch, dass die Kosten der aktuell von der Region ausgeführten Dienste für die Krankentransporte kein wahres Bild der tatsächlichen Ausgaben gäben – wenn man sie mit den Kosten eines Falck-Auftrages vergleiche. Für die neue Kostenrechung hat Falck die Beratergesellschaft Copenhagen Economics eingeschaltet.

„Jydske Vestkysten“ ist im Besitz des Briefes, der eine Reihe von Korrekturen zu dem früheren Angebot beinhaltet, unter anderem bei der Bewertung der Umsatzsteuer und Änderungen der Bereitschaftszusammensetzung. Die Kosten würden laut Copenhagen Economics um 69,1 Millionen Kronen niedriger ausfallen. Dazu soll ein Sammelrabatt kommen, der das Angebot um weitere 3,5 Prozent senkt. Damit läge das Falck-Angebot nur noch eine Million Kronen über dem Budget, das sich die Region selber gibt.

Inzwischen hat es ein Treffen von Just-Bomholt und Lose gegeben. Einige Korrekturen Falcks würde man nun berücksichtigen, die meisten jedoch zurückgewiesen, teilte Lose mit. Ihrem Eindruck nach wolle Falck mit der Berechnung in Dialog treten und Wettbewerbsfähigkeit zeigen. Sie begrüße die Vorschläge der Rationalisierung, doch überzeugt ist sie nicht:. „Selbst wenn wir möglichen Korrekturen von Falck übernehmen, ist Ambulance Syd noch immer mehr als wettbewerbsfähig“. Als Angebot für die Übernahme sieht sie das Korrekturschreiben nicht, Ausschreibung in Süddänemark stehe nun auch gar nicht zur Debatte. Wahrscheinlich gehe es Falck darum, sich als konkurenzfähig darzustellen, für anstehende Ausschreibungen in anderen Regionen. Gewiss sei, so Lose,  dass die derzeitigen Kosten geringer sind als früher bei Falck. Ambulance Syd sei überdies eine gute Referenz für zukünftige Preisvergleiche.

Syddanmark und Bios: Chronologie eines Missverständnisses

2014

25. August: Der Regionsrat Süddänemark beschließt nach einer Ausschreibung, dass ein neuer dänischer Zweig des niederländischen Unternehmens Bios die Notfalltransporte in Südjütland und auf Fünen zum 1. September 2015 von Falck übernehmen soll. Auch der Firma Responce fällt ein Teil des Kuchens zu. Der mächtige Falck-Konzern ist raus.

September: Falck reicht eine Beschwerde ein. Bestimmte Parameter seien falsch bewertet worden. Klage wird abgewiesen.

November: Negative Diskussionen machen sich unter den Rettungssanitätern breit. Es soll Probleme bei den Arbeitsbedingungen und Dienstplänen im Mutterkonzern Bios geben.

2015

März: Es offenbart sich, dass viele Rettungssanitäter in Süddänemark nicht zu Bios wechseln wollen. Sie bevorzugen es, in andere Regionen zu ziehen, um bei Falck weiter arbeiten zu können. Dänische Politiker kritisieren, dass Bios die diskutierten Misstände nicht mit dem nötigen Ernst anpackt.

1. September: Die Ambulanzdienste gehen offiziell von Falck zu Bios über. Die Niederländer hatten zuvor monatelang Falck dafür verantwortlich gemacht, nicht genügend Personal rekrutieren zu können.

Oktober: Die Zeitpläne können nicht eingehalten werden. Es sind weniger Krankenwagen unterwegs als vereinbart und die Responsezeit verlängert sich.

2016

Januar: Bios kann nicht mehr genügend Bereitschaften stellen. Im Januar – und letztendlich für das ganze erste Quartal – muss Bios aufgrund der vertraglichen Versäumnisse eine Geldstrafe zahlen.

Mai: Der Regionsrat trifft zusammen. Bios soll eine Konventionalstrafe von 13 bis 15 Millionen Kronen zahlen. Die Niederländer weisen das zurück. Ihr Argument: Der Rettermangel gehe auf irreguläres Verhalten von Falck zurück, die Bios Steine in den Weg gelegt hätten. Das Fälligkeitsdatum wird zunächst nach hinten verschoben.

Juni: „Wir meinen, dass wir nicht die einzigen sind, die eine Mitverantwortung für die Situation tragen“, sagt Morten Hansen, Geschäftsführer bei Bios. Es seien auch die Versäumnisse der Region, bei der Bereitstellung von Personal. Bios will Ausgleichszahlungen für die teuren Anwerbungsversuche und Umschulungsmaßnahmen deutscher Mitarbeiter. Insgesamt betrügen die Sonderausgaben 25 Millionen Kronen.

Die Region weist die Forderungen zurück. Überdies wird bekannt, dass die Probleme mit Bios die Region bereits 6,9 Millionen Kronen gekostet haben.

Juli: Im Jahr 2015 hat Bios 42 Millionen Kronen Verlust gemacht. Es kommt obendrein heraus, dass Süddänemark 30 Millionen Kronen für Bios zu viel im Voraus bezahlt hat. Die Region beruft eine Dringlichkeitssitzung ein. Am Ende verpflichtet das Unternehmen verpflichtet sich, das Geld zurück zu zahlen.

24. Juli: Bios und die Region streiten um die Rückzahlungsmodalitäten und werden sich nicht einig. Die Region rät Bios, am nächsten Werktag einen Konkursantrag zu stellen. Wenn nicht, wolle man den Konkurs des Unternehmens selber herbeiführen.

25. Juli: Die Region beauftragt ihre Anwälte, den Konkurs von Bios zu beantragen.

27. Juli: Bios beschuldigt Falck abermals einer llegalen Wettbewerbspraxis, leistet gegen die die Insolvenzerklärung jedoch keinen Widerspruch. „Wir sind überzeugt davon, dass es die ganze Zeit den politischen Wunsch in der Region gab, den Rettungsbetrieb heimzuholen. Die Region hat sich selbst in eine Situation gezwungen, die im Einverständnis hätte gelöst werden können“, heißt es in einer Mitteilung.

18. August: Unter dem Namen „Ambulance Syd“ gehen die Ambulanzdienste an die Region über. Bios schuldet der Region 8,5 Millionen Euro.

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