Interaktive Karte : Aktionen am Mühlentag – das sind die Wind- und Wasserräder in SH und Hamburg

Die Windmühle Anna in Rieseby lockt mit Demonstrationen alten Handwerks: Schuhmacherei, Stellmacherei, Schmiede und Drechseln.
Die Windmühle Anna in Rieseby lockt mit Demonstrationen alten Handwerks: Schuhmacherei, Stellmacherei, Schmiede und Drechseln.

Führungen durch den Mühlenbetrieb, Brotbacken und frisches Mehl direkt vom Müller kaufen: Pfingstmontag ist Mühlentag.

shz.de von
21. Mai 2018, 05:49 Uhr

In Deutschland klappern wieder die Mühlen. Auch im Norden öffnen historische Mühlen am Pfingstmontag für einen Tag ihre Pforten. In Hamburg zum Beispiel die Windmühle Johanna im Stadtteil Wilhelmsburg. Die 1875 erbaute Mühle ist ein so genannter zweistöckiger Galerieholländer mit Windrose und Jalousieflügeln und auch heute noch voll funktionstüchtig.

In Schleswig-Holstein empfängt unter anderem die Windmühle Amanda in Kappeln die Technik begeisterten Menschen. Der 1888 gebaute vierstöckige Galerieholländer ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde (DGM) mit 24 Metern Kappenhöhe die höchste Windmühle Schleswig-Holsteins. Eine halbe Autostunde entfernt in Langballig lockt eine wasserbetriebene Buttermühle, die im Inneren einer Meierei ein Drehbutterfass antreibt.

Es sind viele sehr alte Mühlen dabei – die meisten davon nicht mehr in Betrieb –, doch am Montag, dem deutschen Mühlentag, öffnen sie ihre Tore und bieten vielerlei Aktionen für Erwachsene und Kinder. Die Gebäude der Wind- Und Wasserräder können besichtigt werden, in einigen wird der stillgelegte Mühlenbetrieb für einen Tag wieder aufgenommen.

Auf einer interaktiven Karte können Sie sich einen Überblick über die Mühlen in Schleswig-Holstein und Hamburg verschaffen. Sie gibt Informationen über den Standort, die Eigenschaften und die Aktionen am Pfingstmontag der jeweiligen Mühle.

 

Fehlt eine Mühle? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an onlineredaktion@shz.de. Unsere Quelle: deutsche-muehlen.de

Entdecken, wie Kupfermühle zu seinem Namen kam

Laut wird es im Industriemuseum Kupfermühle in Harrislee: Dort bringt ein 4,60 Meter großes Wasserrad in den alten Industriehallen das Hammerwerk zum Klopfen. In der Wassermühle Schafflund dreht sich ein Wasserrad zur Stromerzeugung, und in der Kokermühle Honigfleth nahe Wilster an der B5 eine eiserne Wasserschnecke, um das Land zu entwässern. Sie ist den Angaben zufolge die einzige funktionsfähige Kokermühle mit dieser Funktion in Deutschland.

Mühlen sind die ältesten Maschinen der Menschen. Sie sind die Vorläufer unserer modernen Technik, sagte DGB-Präsident Erhard Jahn. Bis heute könne man mehr als 160 Anwendungsbereiche für Mühlen nachweisen. So machten Sägemühlen beispielsweise Baumstämme zu Brettern und Balken, Ölmühlen zerrieben Pflanzen zu einem Brei, aus dem das Öl herausgepresst werden konnte, und in Papiermühlen wurden Lumpen und andere Stoffreste zu einem Papierbrei zerstampft, aus dem Blatt für Blatt edles Büttenpapier geschöpft werden konnte.

In Walkmühlen klopften Hämmer so lange auf Wollgewebe, bis der Stoff verfilzte und wärmend sowie wasser- und windabweisend wurde, und Lohmühlen zerrieben Eichenrinde, um daraus Gerbsäure für die Lederindustrie zu machen. In Hammer-, Kupfer-, Draht- und Messingmühlen formten Schmiede aus Metall Bleche und Drähte, aber auch Kessel und Töpfe. Bauern nutzten Mühlen zum Dreschen von Getreide, Meiereien, um aus Milch Butter zu machen, und mit Wasserschöpfmühlen wurden Moore und Sümpfe trocken gelegt.

Mühlen gibt es auch heute noch, doch die „echten“ Müller sterben in Deutschland unwiderruflich aus: Seit einem Jahr ist die offizielle Berufsbezeichnung für dieses Handwerk nämlich „Verfahrenstechnologe Mühlen- und Getreidewirtschaft“. Denn im 21. Jahrhundert zählen bei einem Müller weniger Kenntnisse im Säcke schleppen oder Mühlrad wechseln. Er muss Computersteuerung beherrschen und die Qualität der Erzeugnisse im Mühlenlabor überwachen.

Weitere Ausflugs-Ideen für das Pfingstwochenende finden Sie in unseren Veranstaltungstipps.

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