Diskussion zum Ferienbeginn : Abflug vor den Ferien: Schulschwänzerei muss nicht sein

Jedes Jahr sorgt der verfrühte Urlaubsstart mit schulpflichtigen Kindern für hitzige Diskussionen.

Jedes Jahr sorgt der verfrühte Urlaubsstart mit schulpflichtigen Kindern für hitzige Diskussionen.

Die Woche vor den Sommerferien lädt ein zur großen Drückebergerei? Nicht wirklich, sagt ein Schulleiter aus Flensburg.

shz.de von
04. Juli 2018, 15:23 Uhr

Flensburg | Es ist die Woche vor den Sommerferien: Die Zeugnisse sind bereits geschrieben und der Stoff ist durchgenommen. So ist nach dem anstrengenden Schuljahr dann Zeit, die Luft der Verbissenheit herauszulassen aus dem Klassenbetrieb. Gespräche, Vorlesegeschichten, Handwerkliches und Träumereien sind Teil der meist „pädagogischen“ Tagesordnung. Einige Schüler werden während dieser Brückentage zu den großen Ferien geistig etwas abwesend sein – wer will es ihnen verdenken?

Mit Ferienbeginn schießen die Flugpreise in die Höhe, die Staus auf den Autobahnen ziehen sich durchs halbe Land. Das alles in Kauf nehmen, damit die Kinder ein paar Tage Schule mitbekommen an denen Filme geguckt werden und gemeinsam gefrühstückt wird? Für viele eine Ermessenssache.

Andererseits gibt es nun mal eine Schulpflicht, die für alle einzuhalten ist. Fährt ein Kind schon früher in den Urlaub, könnte das auch zu Neid bei den anderen Schülern führen.

Jedes Jahr bricht die Diskussion um das Thema auf ein Neues aus – die Argumente sind zahlreich. Auch in den sozialen Medien wird heiß über das Thema gestritten. Während einige vollstes Verständnis für Eltern haben, die ihre Kinder aus Kostengründen früher aus der Schule nehmen, sind andere strikt dagegen und verweisen auf die Schulpflicht, die bis zum letzten Tag gilt.

 

Bußgelder fürs Schuleschwänzen?

Die Bundesländer gehen mit dem Thema sehr unterschiedlich um. Bei Wiederholungschwänzen spricht das Ordnungsamt auch mal Bußgelder von bis zu 200 Euro aus, aber das ist wirklich nur die Ausnahme. „Bußgelder sind das letzte Mittel und dann nötig, wenn keinerlei Einsicht bei den Eltern zu erkennen ist“, sagt Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien dazu. Ordnungsstrafen gibt es also nur in den extremsten Fällen.

Schulen zeigen häufig Verständnis

Dabei gibt es häufig keinen Grund eine Ordnungswidrigkeit zu riskieren, wenn man ein paar Tage früher abreisen muss. Die Schulen gehen meist verständnisvoll mit Eltern um, die um ein paar Extratage vor Ferienbeginn bitten.

„Wir sind da natürlich Gesprächsbereit, oft haben die Eltern ja auch gute Gründe für ihren Antrag“, erklärt der Schulleiter von der Goetheschule in Flensburg, Arnd Reinke, auf Anfrage von shz.de. Problematisch fände er nur, wenn Eltern nicht ehrlich sein würden und ihre Kinder krankmelden, um in den Urlaub zu fahren. „Dann wird den Kindern vorgelebt, dass es in Ordnung ist, die Schule anzulügen – das ist natürlich unschön“.

Aber das sei wohl der Ausnahmefall. Insgesamt hatte er in diesem Jahr nur rund fünf Anträge, das Kind eher „beurlauben zu lassen“ bekommen. Im letzten Jahr sah das nicht anders aus – darüber wird Buch geführt. „Wir achten natürlich schon darauf, dass das eine Ausnahme bleibt und nicht bei einigen Kindern oder Jugendlichen zum Regelfall wird“, erklärt Reinke.

Keine Polizeikontrollen am Flughafen

Die Annahme, dass die unberechtigte Schulabwesenheit am Ende weniger die Schulen als die Bundespolizei kümmert, ist nicht zutreffend. So war im letzten Jahr in Medienberichten zu lesen, dass die Bundespolizei am Helmut-Schmidt-Airport stichprobenartig Familien beim Check-In kontrolliert und über das Ordnungsamt für spätere Sanktionen sorgt. Dies dementierte die Bundespolizeiinspektion am Flughafen Hamburg bei einer Anfrage von shz.de scharf. Dafür sei sie nicht zuständig. Und selbst wenn dort jemand zufällig erwischt würde: Aufhalten wird die Polizei die Reisenden nicht.

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