zur Navigation springen

Fragen und Antworten : A20 bei Tribsees: Abgesackte Autobahn ab sofort komplett gesperrt

vom

Ab Freitag gibt es eine Vollsperrung. Wie geht es weiter? Der Behelfsplan des Verkehrsministeriums.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 09:59 Uhr

Tribsees | Die bei Tribsees im Moor versinkende Autobahn 20 ist seit Freitagmorgen komplett gesperrt – voraussichtlich für mehrere Monate. Auch die letzte verbliebene Fahrspur in Richtung Stettin sacke nun ab, weshalb die Sperrung aus Sicherheitsgründen notwendig sei, so das Verkehrsministerium. Der Verkehr soll über eine kürzere Umleitung als bisher geführt werden. Dann: Behelfsanschlussstelle – Behelfsbrücke – Instandsetzung, so Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Dauer: Unklar. Wie konnte es zu dem Autobahn-Chaos kommen? Und wie geht es weiter? Antworten aus Sicht des Landesverkehrsministeriums:

Was ist an der A 20 bei Tribsees passiert?

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hat 2014 erste Setzungen festgestellt. Dies könnte – vor allem, wenn die Autobahn auf Torf gegründet ist – durchaus vorkommen und werde per Profilausgleich behoben. Das ist Ende 2016 erfolgt. 2017 wurden erneut Setzungen festgestellt. Ende Juni wurden der Standstreifen und die rechte Fahrspur für den Verkehr gesperrt. Das Absacken habe sich aber „unerwartet dynamisch beschleunigt“ – die gesamte Fahrbahn in Richtung Rostock musste gesperrt werden, Anfang Oktober ein weiterer Fahrstreifen in Richtung Stettin. Am 9. Oktober 2017 trat laut Baugrundgutachten ein „Grundbruch“ ein. Die Fahrbahn brach auf einer Länge von zirka 40 Metern und einer Breite von 10 Metern um durchschnittlich 2,50 Meter ein – und danach weiter.

Was sind die Ursachen?

Die genauen Ursachen sind noch unklar. Der Baugrundgutachter vermutet ein Versagen des Gründungssystems. Die „abschließende Ursachenermittlung bleibt weiteren Prüfungen vorbehalten“. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wird einbezogen.

Wie muss/kann ich die Schadstelle umfahren?

Fahrzeuge in Fahrtrichtung Rostock müssen ab dem 27. Oktober 2017 an der Anschlussstelle Tribsees die A2 verlassen und werden weitgehend im Einbahnsystem über die Landstraßen L 19 und L 23 zur Anschlussstelle Bad Sülze geführt (Grafik). Umweg: 11 Kilometer. In die Gegenrichtung führt die Umleitung zwischen Bad Sülze und Tribsees ebenfalls im Einbahnsystem über die Kreisstraße 9. Die Anwohner der betroffenen Ortschaften seien Mittwochabend informiert worden, sagte Hartmut Kolschewski, Bürgermeister der Gemeinde. Lindholz. Pegel: „Mit dieser Art Kreisverkehr können wir unter den gegebenen Bedingungen den Verkehr entzerren.“ Trotzdem werde es zu Staus kommen.

Foto:Bernd Wüstneck/Grafik: dens
Was sagen die Anwohner?

Besonders stark betroffen ist das Dorf Langsdorf, das zu Lindholz gehört – von der Anzahl der Fahrzeuge und vom Richtungsverkehr. „Wenn man 100 Meter in Richtung Friedhof möchte, muss man zwölf Kilometer Umweg fahren“, klagt Kolschewski. Durch das Dorf führen zwei Straßen. Über die eine führt der Verkehr in Richtung Rostock, über die andere kommen die Fahrzeuge in Gegenrichtung wieder herein. Daran würde auch die für Ende November geplante Behelfsausfahrt nicht viel ändern. Um die Folgen erträglicher zu gestalten, wird laut Ministerium bedarfsgerecht in bebauten Bereichen außerhalb geschlossener Ortschaften die Geschwindigkeit von 70 auf 50 heruntergesetzt.

Gibt es eine Zwischenlösung?

In Höhe der Autobahn-Querung der K 9 ist für beide Richtungen eine Behelfsan-schlussstelle geplant. Von der Kreisstraße 9, etwa 50 Meter hinter dem Betonwerk, wird eine 350 Meter lange Auf- und Abfahrt über ein Feld zur Autobahn errichtet. Mit Fertigstellung dieser Zufahrt voraussichtlich Ende November verkürzt sich die Umleitungsstrecke zwischen Triebsees und der Behelfsanschlussstelle auf zirka zwei Kilometer. Diese Variante sei am schnellsten zu realisieren, sagt Pegel. Leider werde die Verkehrsmenge im östlichen Teil von Langsdorf nicht abnehmen.

Was ist mit der Behelfsbrücke?

Das Ministerium plant eine Behelfsbrücke, mit der die Umleitungen weitgehend obsolet würden. Wenn alles klappt, könnte die im Sommer 2018 bereit sein, so Pegel. „Aber ehrlicherweise ist es heute für konkrete Prognosen noch zu früh.“ Bürgermeister Kolschewski bleibt skeptisch: „Über die Brücke gehe ich noch nicht.“ An die Urlaubszeit wolle er gar nicht denken.

Ziel ist es, die 80 bis 100 Meter lange, auf Großbohrpfählen gegründete Brücke als provisorische Umfahrung der Schadstelle mit mindestens einer Spur je Richtung zu nutzen. Der Bund hat signalisiert, die Brücke Anfang 2018 zur Verfügung zu stellen. Bei günstigem Verlauf könnte die Brücke „schon im Sommer 2018“ stehen, so das Ministerium.

Wie wird die Autobahn wieder instandgesetzt?

Das lässt sich noch nicht sagen, so das Verkehrsministerium. Der Baugrund und der Zustand des Gründungssystems werden umfassend untersucht. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, können Varianten für eine dauerhafte Lösung entwickelt werden. Es sei aber von einer mehrjährigen Baumaßnahme auszugehen.

Warum wird nicht die alte Straße erneuert?

Bürgermeister Kolschewski hofft, dass eine mittlerweile abgerissene Straße wieder hergestellt werden kann, die beim Bau der A 20 genutzt wurde. Dann würde der Verkehr aus dem Ort heraus gehalten werden. Verkehrsminister Christian Pegel ist aber skeptisch: „Sie müsste sehr aufwendig wieder hergestellt werden“, was längere Zeit dauern würde. Nach Inbetriebnahme der A 20 wurde die Baustraße inklusive ihrer Gründung teilweise abgebrochen. Aufgrund der Lage in einem Vogelschutzgebiet wäre ein langwieriges umweltfachliches Verfahren nötig.

Ist Schadensersatz fällig?

Regressfragen dürften aus heutiger Sicht obsolet sein, schreibt Pegels Ministerium. Jegliche Fristen seien abgelaufen. Zudem müsste zunächst langwierig ermittelt werden, ob mangelhaft gearbeitet wurde und durch wen. Sollten sich durch die Untersuchungen Hinweise auf Mängel bei Planung oder Bau ergeben, werde aber geprüft, ob sich Ansprüche durchsetzen lassen.

Ist die A 20 eine Pannenautobahn?

„Nein“, schreibt das Ministerium. Der überwiegende Teil der Arbeiten, die an der A 20 durchgeführt wurden und werden, seien planmäßige Instandhaltungsarbeiten. Bei stark befahrenen Straßen wie Bundesautobahnen müssen die tragenden Schichten (Decke, Binder, Tragschicht) nach etwa 50 bis 55 Jahren einmal komplett ausgetauscht werden. Die oberste, sogenannte Deckschicht, muss im Schnitt alle 12 bis 15 Jahre ausgetauscht werden. In den zurückliegenden Jahren wurden eher Baumaßnahmen auf der A 19 und A 24 umgesetzt. In den beiden vergangenen Jahren und auch in den kommenden Jahren wird insbesondere die A 20 in den Fokus von Erhaltungsmaßnahmen kommen, da die oberen Bauteile aufgrund ihres Alters planmäßig erneuert werden müssen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen