„Hölle Nord“-Podcast : Grüße aus Veszprem: Folge zehn mit den Ex-Flensburgern Rasmus Lauge und Kentin Mahé

Noch sind Rasmus Lauge (li.) und Kentin Mahé trotz der Corona-Krise bester Laune.

Noch sind Rasmus Lauge (li.) und Kentin Mahé trotz der Corona-Krise bester Laune.

Die Handballer berichten von der Corona-Lage in Veszprem, neuen Freiheiten, einem ungewohnten Spielsystem und erinnern sich an große SG-Momente.

Jannik_Schappert_8449.jpg von
07. April 2020, 16:09 Uhr

Flensburg | Die Stimmung ist gut bei Rasmus Lauge und Kentin Mahé. Daran haben Corona-Krise und Handball-Entzug bisher nichts geändert. Beide Handballer sind in der 10. Folge des „Hölle Nord“-Podcasts zu Gast.

 

Die Themen: Corona, Veszprems spanisches Spielsystem, das Stahlbad Bundesliga und Erinnerungen an die Zeit in Flensburg.

„Die Zeit geht mit Kindern hammer schnell rum“, sagt Lauge, der vergangenen Sommer als Deutscher Meister und wertvollster Bundesliga-Spieler von der SG Flensburg-Handewitt zu Telekom Veszprem gewechselt war.

Beim ungarischen Spitzenclub traf er nach vier Jahren in Flensburg auf einen ehemaligen Weggefährten: Kentin Mahé. Der Franzose spielte von 2015 bis 2018 bei der SG und holte in seinem letzten Jahr gemeinsam mit Lauge den ersten Meistertitel des Vereins seit 2004. „Dass wir Flensburg die Deutsche Meisterschaft geschenkt haben, war ein Riesending. Da bin ich sehr stolz drauf“, sagt der 28-Jährige.

Mehr Zeit für die Reha

Mahé konnte auch vor Corona kein Handball spielen. Der 28-Jährige arbeitet nach einer Operation am linken Knie, wo er eine chronische Entzündung an der Patellasehne hatte, an seinem Comeback.

Die OP ist etwas mehr als vier Monate her, seitdem bin ich in der Reha. Egoistisch gesehen kommt mir der Zeitpunkt der Unterbrechung gelegen, weil ich nun mehr Zeit habe. Kentin Mahé
 

Auch mit der Olympia-Verschiebung war der Spielmacher nicht unzufrieden.

Sein tägliches Programm musste er vom Kraftraum in das eigene Wohnzimmer oder auf die Terrasse verlegen. Jeden Tag teilt er Videos seiner Übungen in den sozialen Medien. „Das gucke ich mir gar nicht mehr an“, sagt Lauge und lacht. Für ihn habe sich durch Corona kaum etwas geändert. „Das einzige ist, dass ich zum Training nicht mehr in die Arena muss“, so der Däne.

Keine Existenzsorgen

Wie mittlerweile bei fast allen Clubs wurden auch in Veszprem die Gehälter gekürzt, was den Verein jedoch vom Großteil der Konkurrenz unterscheidet: Er ist staatlich subventioniert und muss sich keine Sorgen um die Existenz machen. Das gilt auch für Mahé und Lauge, die Verträge über den Sommer hinaus besitzen. Sorgen bereitet den Ex-Flensburgern schon eher Ungarns Umgang mit dem Coronavirus. „Ich habe das Gefühl, dass Ungarn bei den Maßnahmen zwei Wochen Rückstand hat“, sagt Mahé. Lauge fällt ihm ins Wort: „Wenn nicht mehr.“

Der 28 Jahre alte Rückraumspieler möchte den weiteren Verlauf der Corona-Krise mit seiner Frau und den zwei Kindern in Dänemark abwarten. Kentin Mahé bleibt vorerst mit seiner Familie in Veszprem. Sein Blick richtet sich jedoch nach Frankreich, speziell nach Paris, wo er geboren wurde. „Mich belastet, dass die Krankenhauskapazitäten im Ballungsraum Paris ausgeschöpft sind.“

Weniger Belastung

Zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung stand Veszprem in allen Wettbewerben gut da. 19 Siege aus 19 Spielen in der ungarischen Liga (dennoch ist Veszprem nur Zweiter, weil Pick Szeged eine Partie mehr absolviert hat), Halbfinale im Pokal, Final Four in der Seha-League, Achtelfinale in der Champions League gegen Wisla Plock mit guten Aussichten auf Viertelfinalduelle mit Szeged. „Veszprem und Szeged – das ist wie Flensburg und Kiel in Deutschland“, schwärmt Mahé.

Als Lauge vor zwei Jahren einen Vertrag in Veszprem unterschrieb, begründete er den Wechsel unter anderem mit der geringeren Belastung. Hat sich der Wechsel in dieser Hinsicht gelohnt?

Auf jeden Fall. Fokus und Körpergefühl sind besser. Rasmus Lauge
 

Er erzählt, dass die Topspieler zu manchen Auswärtsspielen gar nicht mitreisen. „In der Zeit kann man trainieren und hat auch richtig Bock darauf.“ Es sei jedoch keine Frage, dass die Bundesliga sportlich interessanter ist.

Faible für Details

An das spanische System, das Trainer David Davis spielen lässt, hat sich Lauge noch immer nicht ganz gewöhnt. In Veszprem dominiert er den Angriff lange nicht so wie in Flensburg. „Es dauert länger als man erwartet, in das System zu finden“, meint Lauge.

Mahé erklärt: „Die Kontaktzeit mit dem Ball ist hier deutlich länger.“ Zudem seien Details für Davis „essenziell wichtig. Ich glaube, kein Trainer unterbricht das Training so oft wie er.“

Alle Folgen finden Sie hier.

Was ist ein Podcast? Der Begriff Podcast setzt sich zusammen aus den beiden Wörtern iPod (MP3-Player von Apple) und Broadcast (Rundfunk). Es handelt sich um eine Reihe von Audio-Dateien, die auf Abruf („on demand“) aus dem Internet heruntergeladen werden können. Neben vielen unabhängigen Anbietern bringen auch immer mehr Zeitungsverlage eigene Podcasts heraus. Jeder vierte Deutsche hört inzwischen regelmäßig Podcasts, und es werden immer mehr.

Was bietet der „Hölle Nord“-Podcast? Die volle Portion SG Flensburg-Handewitt: Aktuelles Geschehen, Hintergründe und Geschichten rund um Deutschlands nördlichsten Handball-Bundesligisten.

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