Eutin Vater und Sohn als Prügelduo verurteilt

Von Claudia Resthöft | 20.07.2011, 11:14 Uhr

Weil die Nachbarn zu laut feierten, kam es plötzlich zu einer Schlägerei.

Die Vorwürfe seien allein von seiner Vita als pensionierter Offizier her völlig absurd, verkündete der 67-jährige Angeklagte in seinem Schlusswort. Gemeinsam mit seinem 25-jährigen Sohn soll der Mann aus der Gemeinde Süsel am 13. Mai 2010 gegen 2.30 Uhr die Geburtstagsfeier eines Nachbarn beendet haben. Allerdings kamen dazu nach Ansicht des Gerichtes Flaschen, Fäuste und Knüppel zum Einsatz. Und so verurteilte das Eutiner Amtsgericht den Vater zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 2500 Euro, der Sohn soll 1500 Euro zahlen und bekam sechs Monate und zwei Wochen Haft auf Bewährung.

Einig waren sich die Angeklagten und die Zeugen, dass der Angeklagte in der besagten Nacht zu den Nachbarn gegangen sei und darum gebeten habe, die Musik leiser zu drehen. Doch über die folgende Prügelei gingen die Aussagen weit auseinander.

Plötzlich habe der Sohn einem Partygast mit der Faust ins Gesicht, der Vater einem weiteren Gast eine Flasche auf den Kopf geschlagen. Gemeinsam hätten die Angeklagten dann massive Knüppel aus ihrem Haus geholt und seien erneut auf die Gäste losgegangen, so die Vorwürfe der Anklage.

Ganz anders die Schilderung des älteren Angeklagten. Auf seine Bitte hin, die Musik leiser zu drehen, habe er zur Antwort bekommen: "Es dauert so lange, wie es dauert, du Arschloch." Kurz darauf sei ihm eine Flasche auf den Kopf geschlagen und sein Sohn unter einer "Horde" prügelnder Jugendlicher begraben worden. Er habe nur noch seinen Sohn unter dem Haufen hervorgezogen und sei mit ihm in Richtung des eigenen Hauses geflohen.

Dort aber sei der Sohn nicht angekommen, weshalb er sich ein "Familienerbstück von Schirm" geschnappt habe und seinem Sohn zur Hilfe geeilt sei. "Ich werde bald 68 Jahre alt, habe eine verkrüppelte Hand und eine kaputte Hüfte - das sind natürlich genau die richtigen Voraussetzungen, um sich mit einer Horde Jugendlicher zu prügeln", sagte er ironisch. Er sei nur zu den Nachbarn gegangen, um höflich um mehr Ruhe zu bitten. "Ich habe nie damit gerechnet, dass die einen Opa verdreschen würden."

Prellungen und Platzwunden am Kopf wurden allerdings bei den Gästen des Nachbarssohnes, der seinen 18. Geburtstag feierte, festgestellt. Und die seien nicht von einem Schirm gekommen, so die übereinstimmenden Aussagen der Partygäste. Sie schilderten, dass Vater und Sohn, ebenfalls Soldat, jeweils einen rund 30 bis 40 Zentimeter langen Knüppel eingesetzt hätten. Der Vater habe seinen Sohn sogar noch angefeuert.

Für den Verteidiger des Sohnes waren diese Aussagen nicht sehr glaubwürdig, er hielt eine Absprache der Zeugen für offenkundig. Auch die Verteidigerin des Vaters zeigte sich überzeugt, dass die Zeugen lediglich ihren eigenen Tatbeitrag vertuschen wollten. Beide Verteidiger forderten Freisprüche für ihre Mandanten.

Anders die Sicht des Staatsanwaltes, der keinen Rechtfertigungsgrund für die Schläge mit Knüppeln erkennen mochte. Er forderte acht Monate Haft auf Bewährung sowie 2000 Euro Geldstrafe für den Vater, sechs Monate und zwei Wochen Haft sowie 1500 Euro Geldstrafe für den Sohn. Dieser Forderung schloss der Amtsrichter sich an, erhöhte die Geldstrafe für den Vater sogar noch um 500 Euro.