Bremerskamp Neues Stadtviertel an der Christian-Albrechts-Universität Kiel

Von kim | 08.05.2020, 12:45 Uhr

In Kiel entsteht ein neuer Hochschulstadtteil, der über die Vorlesungszeit hinaus belebt sein soll. 500 Millionen Euro werden investiert

CAU-Präsident Professor Lutz Kipp gerät ins Schwärmen: „Hier ist Platz für die Zukunft: Hier entstehen neuartige Lebens- und Denkräume mit Aufenthaltsqualität und hohem Freizeitwert“. Gemeint ist das neue Stadtviertel am Bremerskamp in Kiel. Dort auf dem Areal in Verlängerung der Olshausenstraße und der B 76, die in Richtung Holsteinstadion führt, sollen die Landesuniversität und die Landeshauptstadt weiter zusammenwachsen – mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung von Land und Bund. Der Bremerskamp ist mit rund zehn Hektar die größte zusammenhängende Entwicklungsfläche auf dem Campus der Christian-Albrechts-Universität. Hier soll künftig ein lebendiger, universitär geprägter Stadtteil entstehen, der exzellente Forschungsbauten, eine hochwertige Studien- und Aufenthaltsqualität sowie studentisches und städtisches Wohnen miteinander verbindet.

„Die dynamische Weiterentwicklung der Universität auf der einen Seite, großer Sanierungsstau auf der anderen Seite: Dieser Zustand musste dringend aufgelöst werden“, erklärte Kipp bei der Vorstellung des Rahmenplans. Mit dem Bremerskamp erhalte die Uni innerhalb des Stadtgebiets neue Möglichkeiten zur Entwicklung von Forschungs- und Lehrflächen, die nicht nur aktuelle Bedarfe einschließen. „Ich freue mich darauf zu sehen, wie die insgesamt neun Neubauten für Forschung und Lehre der CAU, fünf Gebäude für studentisches Wohnen, ein neues Parkhaus und eine neue Mensa und natürlich unser neuer Campus-Mitbewohner, das Max Rubner-Institut, zusammen einen modernen Campus bilden werden.“ Das bundeseigene Max Rubner-Institut – besser bekannt als Institut für Milchforschung – soll aus dem maroden 70er-Jahre-Betonklotz am Kieler Schützenwall, auf den Campus umziehen.

Ganz im Sinne von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer wird beim neuen Stadtteil ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Dazu gehören die Anbindung der Veloroute 10, moderne Erschließungs- und Energieversorgungskonzepte, nachhaltiges Bauen sowie der Erhalt zusammenhängender Grünflächen.

Frank Eisoldt, Geschäftsführer der GMSH, erläutert die besonderen Herausforderungen bei diesem Rahmenplan: „Neben Vertretern der GMSH, der CAU, des Landes und der Stadt waren diesmal mit der Immobiliengesellschaft des Bundes (BImA) und dem Studentenwerk noch mehr Parteien an dem Entwicklungsprozess beteiligt.

Fünf Architekturbüros stellten ihre Planungen vor. Aus dem kooperierenden Verfahren ging schließlich der Entwurf des Planungsbüros „Schmieder.Dau.Architekten“ als Sieger hervor, „Mit diesem Rahmenplan verankern wir die Universität neu in der Stadt“, so Eisoldt.

Eine Aufstellung der Bebauungspläne sei bis Ende 2021 vorgesehen. Bis Ende 2025 können die ersten Gebäude stehen. Oliver Grundei, Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, spricht von einem „wichtigen Meilenstein für die Stärkung des Wissenschaftsstandorts Schleswig-Holstein“. „Städtische und universitäre Nutzung gehen hier ineinander über“, erklärt Kämpfer. „Forschung und Lehre, Wirtschaft, Wohnen, Startups und Freizeit sollen sich hier begegnen. Auf diese Weise schaffen wir ein zukunftsfähiges Quartier und binden die CAU noch enger in die Stadt ein. Wir untersuchen außerdem die mögliche Trassenführung einer Stadtbahn entlang der Olshausenstraße“, so der Oberbürgermeister. Er lobt, dass sich die CAU zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 klimagerechter zu werden.

Der Bebauung steht eine große, zusammenhängende Grünfläche rund um die Zentralbibliothek gegenüber. Biodiversität, Retentionsflächen und naturnahe Nutzungen wie Gewächshäuser sollen hier erhalten bleiben, ebenso wie vorhandene Biotopstrukturen und charakteristische Bäume. Fassadenbegrünungen, ergänzende Baumanpflanzungen tragen zur Verbesserung des örtlichen Mikroklimas bei.

In der Leibnizstraße sollen zunächst 90 bis 130 neue Studentenwohneinheiten entstehen. Dadurch wird der Hochschulcampus, auch nach Ende der Lehrveranstaltungen, belebt. In den nächsten Jahren sollen vier weitere jeweils mehrgeschossige Wohnheime entstehen.

Auch ein Neubau der Mensa II, bisher in der Leibnizstraße angesiedelt, soll auf den Bremerskamp ziehen. Mit rund 8000 Quadratmetern Bruttogrundfläche ist sie ein verbindendes Element für die Campusbereiche zu beiden Seiten der Olshausenstraße.

Den Anfang macht jetzt der Neubau für die Evolutionsforschung, der 2025 in Betrieb gehen soll. Kostenpunkt für das gesamte Mammutprojekt mit 17 neuen Gebäuden: rund 500 Millionen Euro.