Kreis Steinburg/Itzehoe Neubau: Variante zwei soll es werden

Von Joachim Möller | 19.04.2013, 03:59 Uhr

Bauausschuss stimmt mit großer Mehrheit für den Entwurf der Kieler Architekten/Kostenobergrenze beläuft sich auf 15 Millionen Euro

Nach jahrelangen Diskussionen um einen Kreishaus-Neubau ist jetzt eine Vorentscheidung gefallen: Der Entwurf des zweiten Preisträger des Architektenwettbewerbes soll es werden. Den Plan hatte das Kieler Architektenbüro Brockstedt-Bergfeld-Petersen eingereicht. Nach einer überwiegend nicht-öffentlichen Sitzung fasste der Bauausschuss diese Empfehlung mehrheitlich mit den sechs Stimmen von CDU, Grünen und FDP. Die beiden SPD-Vertreter stimmten dagegen, die Sozialdemokraten favorisieren die dritte Variante der Düsseldorfer Architekten Prussert Kosch. Der große Unterschied zur Variante zwei: Hier gibt es zwei Baukörper, der Kreistagssaal ist ausgegliedert. Die letzte Entscheidung hat jetzt der Kreistag am Mittwoch, 24. April. Nach der Abstimmung im Bauausschuss bleibt auch dort Variante zwei der große Favorit. Der Bauausschuss hat außerdem empfohlen, sich als Obergrenze für die Baukosten eine Summe von 15 Millionen Euro zu setzen. Hinzu käme der Abriss. Nach Aussagen von Bauamtsleiterin Ute Spieler gäbe es dafür eine grobe Kostenschätzung, die sich auf 400 000 Euro belaufen würde.

Eigentlich sollte diese letzte Debatte um den Kreishaus-Neubau in einem öffentlichen Teil und einem nicht-öffentlichen Teil beraten werden. Denn Details über die Architektenbüros dürfen nur hinter verschlossenen Türen verhandelt werden, über den Bau selbst sollte jedoch öffentlich beraten werden. Doch nach eineinhalbstündiger nicht-öffentlicher Debatte wurde nur noch das Ergebnis verkündet, eine Beratung fand nicht mehr statt. "Mit der unvergleichlichen Arroganz der Macht wurde die Öffentlichkeit in noch nie dagewesener Weise ausgeschlossen", kommentierte gestern Ernst Molkenthin, Fraktionsvorsitzender der Linken, dieses Verfahren.

In der Einwohnerfragestunde zuvor äußerten die Kritiker noch einmal ihren Unmut über die Vorgehensweise der Kreispolitiker. Sie forderten noch einmal den Erhalt der Fassade des alten Bahnhofshotels und des Bollhardtschen Hauses. Die Redner nannten es die Zerstörung eines Kulturgutes, wenn stattdessen ein Betonklotz errichtet wird. Siegrid Kröger betonte noch einmal, dass sie 1500 Unterschriften von Personen gesammelt habe, die sich gegen den Abriss ausgesprochen hätten. Kritisiert wurde auch die Ausschreibung, in der der Abriss schon beschlossene Sache gewesen sei. Silke Nießing von der Fassaden-Erhalt-Initiative: "Ein Schornstein auf Alsen genießt mehr Schutz als diese historischen Gebäude."

Der Bauausschussvorsitzende Heinrich Voß (Grüne) entgegnete, das aufgrund der Statik ein Neubau unbedingt erforderlich sei. "Wenn in den Räumen ein Schrank verrückt wird, muss das Bauamt gefragt werden, ob dies aufgrund der Statik überhaupt möglich ist." Ansonsten habe es sich der Ausschuss nicht leicht gemacht und habe auch nicht leichtfertig entschieden. Und Werner Schulze (CDU): "Egal was wir machen: Wir werden es nicht schaffen, einen Entwurf ohne Widerstände zu verabschieden." Im Übrigen rede niemand von den schlechten Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, die dringend verbessert werden müssten. Die Gegner des Abrisses wollen sich mit dem Ergebnis nicht zufrieden gegen. Bereits gestern verteilten sie in Itzehoe neue Aufkleber und Informationspapiere, die auch in einigen Orten ausliegen (Stadtmanagement, Stadtbücherei, Himmel und Erde, Bücher-Känguru). Und sie wollen - wenn der Kreistag endgültig für den Abriss votiert - auch das bereits angekündigte Bürgerbegehren auf den Weg bringen.

Während der Bauausschusssitzung erkundigte sich die SPD-Kreistagsabgeordnete Ilona Adamski bei der Verwaltung vorsorglich schon einmal nach den Kosten, die dann auf den Kreis zukommen könnten. Dazu konnte der neue Landrat Torsten Wendt nichts sagen, allerdings zum Bürgerbegehren selbst. "Ich habe Bedenken, ob ein Bürgerbegehren in diesem Fall rechtlich überhaupt zulässig wäre."