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Nachrichten

16. Dezember 2017 | 14:19 Uhr

KULTUR : Visionen für Kiel

vom

Kiel. Wie aus dem Ei gepellt sieht das halbe U-Boot aus, das Gesine Lenz auf die kleine Kieler Studio-Bühne gezaubert hat. Müsste aber eher verrostet und vergammelt sein, denn in der ersten Szene des Projekt-Dramas "Auftauchen" wird umständlich darüber diskutiert, was man aus diesem Nachlass des Zweiten Weltkrieges machen könnte. 

Vorausgegangen ist diesem Auftragswerk eine umfangreiche Befragung von 30 Kielern über ihr Lebensgefühl und die Zukunftsvisionen für ihre Stadt. Aus diesem Material hat Cloë Cremer von der "lunatiks produktion" ein dreiteiliges Fünfpersonen-Stück entwickelt, das Regisseurin Anna Schildt in pausenlosen 75 Minuten ablaufen lässt. Eine satirisch aufgemachte Zeitkritik, die durch Werner Klockow als reaktivierten Kapitän Petersen und Oliver E. Schönfeld als Mechaniker Harwass vollends kabarettistischen Einschlag erhält. 

In der zweiten Szene startet Petersen den alten Kahn zu einer Geisterbahnfahrt. Die führt mit Torpedoabschüssen in seine kriegerische Vergangenheit, bis aus dem Trauma ein Traum wird und das U-Boot eine unwirklich-utopische Unter- und Überwasserregion erreicht. Nun kommen all die schönen Kieler Wunschvorstellungen zum Zuge. Von fantasievoller, vorurteilsfreier Familiengestaltung schwärmt die Ökoaktivistin Jannings. Dramaturgisch aber versandet das Stück. So gilt für die letzte Szene leider Gottfried Benns Satz "Kunst ist das Gegenteil von gut gemeint".

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