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Anzeige : Norddeutscher Gründergeist – Start-up-Szene Norddeutschland

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shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 17:34 Uhr

Wenn über Firmengründungen in Deutschland gesprochen wird, müssen zwangsläufig die  Standorte Berlin und München Erwähnung finden – kein Wunder, werden doch in diesen beiden Städten bezogen auf die Einwohnerzahl die meisten Unternehmen beim Gewerbeamt angemeldet. Aber auch in norddeutschen Ballungszentren wie Bremen, Hannover, Kiel und natürlich Hamburg existiert eine rege Gründerszene. Was ist der Stoff, aus dem starke Gründerzentren und hoffnungsvolle Start-ups gemacht sind?

Biotope, in denen Start-ups gedeihen

Hamburg hat zahlreiche Start-ups von nationaler Bekanntheit hervorgebracht. Dazu gehören zum Beispiel der Statistik-Dienst Statista, der Spieleentwickler Bigpoint oder die Taxi-App MyTaxi. So wurden allein in den Jahren von 2008 bis 2010 rund 3.000 IT-Start-ups in der Hansestadt gegründet. Im Bereich Online-Spiele, eines der größten Marktsegmente in der Region, arbeiten über 4.000 Menschen in Festanstellung. Unterstützung finden die Hamburger Neugründungen durch Netzwerke wie Hamburg@Work. Diese verfolgen das Ziel, etablierte Unternehmen mit jungen Start-ups in einem Netzwerk zu verbinden und damit Wachstum in den einzelnen Branchen zu fördern. Daneben fördert die Handelskammer Hamburg den Einstieg in die Selbstständigkeit mit Gründerzentren in diversen Stadtteilen.

Vorbild für deutsche Gründerzentren: Silicon Valley

Das große Vorbild der Hamburger und aller anderen deutschen Gründerzentren ist ein kalifornisches Tal um den Stanford Industrial Park im Süden von San Francisco: das legendäre Silicon Valley. Entscheidend für den Erfolg waren dort einerseits der kometenhafte Aufstieg der Computerbranche in den 1970er Jahren und andererseits die Nähe zu Forschungsinstituten und dem notwendigen Kapital. In der Folge entstand eine Vielzahl von Unternehmen, die mit ihrem Geld wiederum neue Start-ups förderten. Auf diese Weise entstand ein sich immer wieder selbst befruchtender Ideen- und Geldkreislauf – eine fast märchenhafte Erfolgsgeschichte.

Sprachen lernen mit Spielfilmen

Ganz so ideal wie in Kalifornien sind die Bedingungen in Niedersachsen vielleicht nicht. Aber auch hier werden marktfähige Geschäftsideen ersonnen und es stehen qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung. Für das nötige Kleingeld sorgen häufig Investmentgesellschaften – am besten aus dem Umland. Wie zum Beispiel die Alternative Strategic Investments GmbH (ALSTIN) von Privatinvestor Carsten Maschmeyer (www.maschmeyer-group.de) mit Sitz in Hannover, die sich unter anderem in den Bereichen Internet, Technologie, Gesundheit und erneuerbare Energien beteiligt. So investierte ALSTIN eine Summe in Millionenhöhe in die Neugründung des Sprachlernportals papagei.com. „Wenn wir von einem Startup wirklich überzeugt sind, gehen wir jede Kapitalrunde mit und schlagen oft sogar einen expansiveren, mit mehr Investitionen verbundenen offensiven Plan vor“, erklärt Maschmeyer. Zwei Geschäftsführer leiten derzeit in Hannover die Geschicke von papagei.com, wobei Kapitalgeber Carsten Maschmeyer als strategischer Berater zur Seite steht. Die Geschäftsidee von papagei.com ist ebenso innovativ wie einfach: Sprachen individuell, interaktiv und fern von Sprachschulen selbst erlernen; zum Beispiel durch das Ansehen von Spielfilmen. Das Start-up mit über 50 Mitarbeitern konnte schon eine Reihe von Auszeichnungen in Empfang nehmen – beispielsweise 2013 den Bildungsmedienpreis Digita – und ist heute nach eigener Aussage das größte Videosprachlernportal der Welt.

Bremer starten ins Kaffeekapsel-Geschäft

Für Nespresso, Teil des Imperiums des Lebensmittelriesen Nestlé, boomt das Geschäft mit den Kaffeekapseln schon seit Jahren – unter anderem preist Hollywood-Star George Clooney den Portions-Kaffee in einer Reihe von TV- und Kino-Werbespots an. Beim Grillen im Garten kam Ex-Tchibo-Mitarbeiter Till Robert und Kaufmann Michael Brink aus Bremen die kühne Idee, den Platzhirschen Nespresso herauszufordern. Zusammen mit dem Marketing-Professor Jan Wieseke gründeten die Hansestädter das Unternehmen Zuiano und produzierten fortan eigene Kapseln für Nespresso-Maschinen. Dabei setzt die junge Firma auf hochwertige Kaffeesorten, ein traditionell-schonendes Röstverfahren und nicht zuletzt auf Preise, die bis zu 30 Prozent unter denen von Nespresso liegen. Viele Testberichte bestätigen, dass sich der Kaffee von Zuiano geschmacklich keinesfalls hinter dem des Marktführers zu verstecken braucht. Eine Schwierigkeit mussten die Zuiano-Macher allerdings doch überwinden: Ihre ersten Kapseln klemmten am Nespresso-Kaffeeautomat fest und wollten nicht richtig funktionieren. Inzwischen ist dieses anfängliche Problem jedoch von den Newcomern erfolgreich gelöst.

Start-up-Chancen an der Ostsee

Auch an der Ostsee, genauer gesagt in Kiel, findet der Gründungswillige ein gut funktionierendes Netzwerk aus Forschungsinstituten, Industrie, High-Tech, Handwerk, alter und neuer Ökonomie sowie modernen Dienstleistungen. Hinzu kommt eine vielfältig ausgebaute Infrastruktur – so verfügt Kiel über Wasserstraßen bis ins Stadtzentrum und bildet mit weit verzweigten Fährverbindungen eine Drehschreibe im Ostseeverkehr. Günstige Grund- und Immobilienpreise – unter anderem im Kieler Innovations- und Technologiezentrum KITZ – sowie milde Steuersätze sprechen ebenfalls für den Standort in Schleswig-Holstein. Vorteile, die sich beispielsweise das Start-up-Unternehmen Yoosello zunutze macht. Yoosello ist ein regionales Online-Anzeigenportal, das es Kunden ermöglicht, Kleinanzeigen in Form von Videos hochzuladen. Im Vergleich zu anderen Anbietern setzt Yoosello auf eine einfache Geschäftsabwicklung zwischen Anbieter und Käufer – ohne zusätzliche Gebühren und lästige Registrierungen. Der interessierte Käufer nimmt direkt Kontakt zum Verkäufer auf, und beide Geschäftsteilnehmer regeln den Verkaufsprozess untereinander.

Ein weiteres Beispiel für eine originelle Kieler Geschäftsidee ist das Start-up-Unternehmen my Boo, das Bambusfahrräder im Rahmen eines sozialen Projekts in Ghana herstellen lässt und in Deutschland verkauft. Die Gründer wollen mit my Boo wirtschaftlichen Erfolg mit einer ökologischen und sozialen Komponente verbinden – so wird mit jedem verkauften Fahrrad automatisch ein Schulstipendium in Ghana finanziert.

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