111 Jahre EDEKA Nord : Vom Kolonialwarenhändler zum Erlebnismarkt

In früheren Zeiten prägten vielerorts „starke Frauen“ das Bild hinter der Ladentheke.
In früheren Zeiten prägten vielerorts „starke Frauen“ das Bild hinter der Ladentheke.

Im Jahr 1903 wurde die EDEKA Kiel eG als eine der ersten EDEKA-Genossenschaften in Deutschland gegründet. Es war der Beginn eines langen Weges, der an die Spitze im Lebensmittelhandel führte.

shz.de von
28. Juni 2014, 00:01 Uhr

Exotik ist Anfang des vergangenen Jahrhunderts gefragt im Deutschen Reich, zu welchem damals noch die Kolonien zählen. Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee – wer derlei Produkte aus Übersee im Regal hat, nennt sich Kolonialwarenhändler. Diese Kaufleute schließen sich zusammen zum „Einkaufsverein der Kolonialwarenhändler“ (abgekürzt EdK), um sich gegenüber den immer stärker werdenden Warenhäusern (Karstadt, Westheim etc.) behaupten zu können. Überall im Lande schießen diese genossenschaftlich organisierten Vereine aus dem Boden. Mit der Gründung des „Verbandes kaufmännischer Genossenschaften“  und ihrer „Zentraleinkaufsgenossenschaft“ finden sie 1907 in Leipzig ihre deutschlandweite Organisationsform. 1911 schließen sich die Kieler an, die am 7. Dezember 1903 mit 17 Kolonialwarenhändlern  ihre eigene Einkaufsgenossenschaft gegründet hatten – und noch im gleichen Jahr wird aus dem Kürzel EdK das gesprochene EDEKA.

Es gibt gleich zu Beginn mächtige Gegner: Prominente Markenartikelhersteller organisieren 1911 einen Lieferboykott, der in einen regelrechten „Markenkrieg“ ausartet, und müssen schließlich doch die EDEKA-Zentrale als Einkaufsgenossenschaft anerkennen. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs fehlt den Händlern in Kiel die Hälfte ihrer (zur Front abkommandierten) Mitarbeiter, Frauen übernehmen die Versorgung der Bevölkerung mit dem „täglichen Brot“. Auch die Gründung der eigenen EDEKA-Bank 1914 geht letztendlich auf den Krieg zurück –  den Kaufleuten  sind in der  unsicheren Zeit die üblichen Sicherheiten für Kredite abhandengekommen.

Immer wieder ist die Entwicklung bei EDEKA von Schwierigkeiten und Existenznöten begleitet. Dem Kriegsende folgt 1923 die Inflation, auf die Weltwirtschaftskrise 1929/30 folgt die Machtergreifung der Nationalsozialisten – die braunen Machthaber sind erklärte  Gegner der Genossenschaften. Und als schließlich zum Ende des Zweiten Weltkriegs endlich die Waffen schweigen, sind viele Häuser und Geschäfte in den Städten zerstört.

Mit der Währungsreform 1948 findet die Zwangswirtschaft ihr Ende: EDEKA wächst und wächst. Die Umsätze vervielfachen sich. Fortschritte bei der Kühltechnik und die Umstellung auf „Sichtverpackung“ erlauben 1954 die Einrichtung der ersten  „Selbstbedienungsläden“, die Tiefkühlschränke sorgen in den Märkten für erstaunliche Sortimentserweiterungen.

Mit der Grundsteinlegung wird 1969 in Neumünster das Fundament geschaffen für die neue Handelszentrale. 1988 fusionieren die Großhandlungen Neumünster, Hamburg und Lüneburg zur „EDEKA Nord“, die nach der Wende 1990 auch in Mecklenburg-Vorpommern Fuß fasst und 1995 das Logistikzentrum Malchow zum Vollsortimentslager macht. EDEKA Nord wird schnell zum Handelsriesen, übernimmt 45 Kaisers-Märkte und im Jahre 2005 auch 330 Spar-Märkte. 2007/2008 folgen 22 Marktkauf-Warenhäuser mit dem Logistikzentrum in Zarrentin.

EDEKA Nord war schon immer ein bisschen anders und vor allem: immer ganz nah dran an den Wünschen der Kunden. Heute erfahren die Kunden ein bleibendes Einkaufserlebnis, Tag für Tag erlebbar in modern ausgestatteten Märkten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen