111 Jahre EDEKA Nord : Logistik im Wandel

Anfahren, aussuchen und aufladen: Die Kommissionierer stellen die Waren für die Einzelhandelsmärkte zusammen. Mit ihrer Scannerpistole arbeiten sie die Produktliste ab.
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Anfahren, aussuchen und aufladen: Die Kommissionierer stellen die Waren für die Einzelhandelsmärkte zusammen. Mit ihrer Scannerpistole arbeiten sie die Produktliste ab.

Logistik ist die Kunst, Waren ganz unterschiedlicher Größenordnung, Haltbarkeit und Empfindlichkeit zu empfangen, zu lagern und zu verteilen. Die Märkte im Gebiet von EDEKA Nord werden täglich, oft sogar mehrmals, mit Waren aus den Logistikzentren in Neumünster, Malchow und Zarrentin beliefert.

shz.de von
28. Juni 2014, 00:15 Uhr

Neumünster | Logistiker sind eigenartige Menschen mit seltsamer Sprache. Sie reden von „Schnelldrehern“ und von „Trockensortiment“ und meinen, wenn sie das Wort „Kolli“ verwenden, keineswegs die Hunderasse von Lassie, dem Collie. Es geht  vielmehr um Verpackungseinheiten, die vom winzigen Brühwürfel bis zum Großkarton reichen, wie Uwe Schmidt, Leiter des Bereichs Logistik bei  EDEKA Nord, erklärt.

Nach einem ausgeklügelten System sind Tausende von Waren in den unterschiedlichen Regaletagen untergebracht. Unten befindet sich die sogenannte „Greifzone“, darüber liegt die Reservezone. In dieser warten die Lagerbestände, bei Bedarf von den Gabelstaplerfahrern in die unteren Bereiche umgesetzt zu werden.

150 „Kommissionierer“ huschen mit ihren Elektromeisen durch die Gänge und laden entsprechend der Anforderungsliste der Märkte die gewünschten „Kolli“ ein. Den kürzesten Weg haben die Fahrer zu den Produkten, die wie zum Beispiel Erfrischungsgetränke regelmäßig geordert werden und vor Ort immer einen schnellen Absatz finden. „Schnelldreher“ heißen sie deshalb im Fachjargon der Experten, die auch „Mitteldreher“ kennen und „Langsamdreher“, wozu beispielsweise viele Waren aus der Kosmetikabteilung gehören.

Allerdings: Die Nachfrage kann sich von Woche zu Woche ändern. „Die Logistiker bei EDEKA Nord müssen sich aufgrund des Absatzgebietes, das die gesamte Küstenregion von Sylt über Lübeck bis nach Usedom umfasst, vor allem in der Sommersaison auf die zwei- bis dreifache Absatzmenge einstellen“, berichtet Magnus Kirschstein, Betriebsleiter im Regionallager in Neumünster.    

1969 entstand dort das Lager, seitdem wurde es mehrfach vergrößert und modernisiert. In einer eigenen Halle wird das Leergut sortiert und umgeschlagen, im Kühlbereich sorgt eine moderne Osmoseanlage für gleichbleibende Luftfeuchtigkeit. Waren werden konstant bei  einer Kühlschranktemperatur von 5 Grad, bei 8 Grad oder – wie reifende Bananen – bei 12 Grad gelagert. Und wer nebenan in der Tiefkühlhalle beschäftigt ist, muss sich auch im Sommer dick anziehen: Minus 22 Grad sind an der Tagesordnung. Waren, die von hier ausgeliefert werden, werden mit Trockeneis bepackt. Damit auf dem Weg zu den Tiefkühltruhen in den Märkten von EDEKA Nord alles garantiert frisch bleibt.

Cool bleiben heißt es auch im verstärkten Wettbewerb der Lebensmittelhändler. Um sich für die Zukunft zu wappnen, baut EDEKA Nord das Zenrallager in Zarrentin aufwendig um – und das bei voll laufendem Betrieb. Schließlich müssen Hunderte EDEKA-Läden im ganzen Norden weiterhin jeden Tag zuverlässig beliefert werden. „Notwendig wird der Umbau des 20 Jahre alten ursprünglichen AVA-Lagers in Zarrentin, um Prozesse zu optimieren, Fehlerquoten zu reduzieren und vor allem die Ausweitung des Lagersortiments umzusetzen“, kommentiert Martin Steinmetz, Geschäftsführer von EDEKA Nord, die Entscheidung für den zukunftsgerichteten Umbau des 70.000 Quadratmeter großen Zentrallagers.

Die Fakten rund um den Umbau sind beeindruckend. Die Investition beläuft sich auf etwa 65 Millionen Euro. Allein circa 47 Millionen werden auf die Intralogistik entfallen. Entstehen werden ein 30 Meter hohes und vollautomatisch bedientes Hochregallager von 4000 Quadratmetern mit 31300 Palettenstellplätzen, eine 20 Meter hohe und 10.000 Quadratmeter große Halle, wo vollautomatisiert die Waren zusammengestellt werden, und eine 2000 Quadratmeter große Wareneingangsfläche. Der Abschluss der kompletten Baumaßnahmen ist für Mitte 2015 geplant. Dann werden im modernen Zentrallager wieder Begriffe wie „Schnelldreher“ und „Kolli“ zu hören sein.
 

Zahlen zur Logistik

Die Lagerfläche von EDEKA Nord liegt bei 140.000 Quadratmetern. Das entspricht der Größe von fast 20 Fußballfeldern. Auf dieser Fläche werden im Jahr 140 Millionen Kolli umgeschlagen – verteilt auf das Zentrallager in Zarrentin  und die beiden Regionallager in Neumünster und Malchow.  Allein im sogenannten „Trockensortiment“ werden etwa 14.000 Artikel geführt, künftig sollen es sogar 17.000 Artikel werden. Im Tiefkühlbereich werden rund 1100 Waren gehandelt. Im Bereich Feinkost, Obst & Gemüse sind es noch einmal knapp 4000 Artikel. In der Logistik sind insgesamt 1500 Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen 550 Mitarbeiter in der Verwaltung.
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