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Film-Kritik : Tatort-Regisseur lässt Schweiger gut aussehen

vom

Mit Spannung wurde der neue Hamburger Tatort mit Til Schweiger in der Hauptrolle erwartet. Spannung hielt sich auch im Film 90 Minuten lang.

Hamburg. Wow. Der neue Hamburger Tatort mit Til Schweiger hat es in sich. Vor der Ausstrahlung am Sonntag musste der nuschelnde Schauspieler mehr Prügel wegstecken als in den 90 Minuten der Folge "Willkommen in Hamburg". Zu brutal, zu viel Pose, zu viel Action - so die Befürchtungen der Kritiker. Dennoch: Das Tatort-Debüt Schweigers ist gelungen.

Die Frage ist allerdings, inwieweit dieses Gelingen Schweigers Verdienst ist. Der Regisseur Christian Alvart, der bereits den Kieler Tatort sensationell inszenierte, hat einen Action-Streifen mit großer Spannung geschaffen. Es ist sein Können, das Schweiger gut aussehen lässt. Das gilt auch für Kameramann The Chau Ngo, dem zudem atemberaubende Aufnahmen gelingen - man denke vor allem die Schussszenen sowie die Verfolgungsjagd, bei der Schweiger als Kommissar Nick Tschiller in einen fahrenden Van springt, um ein junges Mädchen zu befreien. Der Schnitt von Sebastian Bonde ist unauffällig - das größte Kompliment, das man einem Cutter machen kann.

Männergespräch auf dem Klo

Ordentlich ist das Drehbuch von Christoph Darnstädt. Es sieht keine Handlung nach dem typischen Tatort-Muster vor. Es gibt keinen klassischen Mordfall, stattdessen die Frage: Was passiert, wenn der Kiezfrieden gestört wird? Eine so naheliegende, wie gute Idee für einen Hamburger Tatort, dass man Schwächen des Drehbuchs nur am Rand erwähnen muss: Die Skripte für Männer-Klo-Szenen wie die, in der Wotan Wilke Möhring (er gibt sein Tatort-Debüt am 28. April) seinem Kollegen Mut zuspricht, dürfen gerne über den Abfluss in die Kanalisation rauschen. Männer können wichtige Dinge auch woanders als am Urinal besprechen - auch die Hartgesottenen.

Dass Schweiger wieder nicht mehr als seine festgelegte Rolle als wortkarger Macho mit weichem Kern spielen muss, ist sein Glück. Er braucht nicht viel zu reden, denn Tschillers Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) ist als Mann der Worte ein guter Gegenpol zu Schweiger, dem Mann der Tat.

Aus Freunden werden Feinde

Den Fall um Mädchenhandel und Prostitution, in den ein Freund von Tschiller verwickelt ist, lösen die beiden Männer natürlich. Eigentlich sind persönliche Verflechtungen der Kommissare in letzter Zeit oft und mit Recht kritisiert worden - denn so klein ist die Welt doch auch wieder nicht. Aber in diesem Fall funktioniert es. Nick Tschiller trifft auf seinen ehemaligen Partner Max Brenner (überzeugend: Mark Waschke). Alte Gefühle kommen hoch: Es geht um Vertrauensbruch und eine Frau. Ein gegenseitiges Ausspionieren beginnt. Mal ist der eine einen Schritt voraus, mal der andere. Protagonisten und Zuschauer werden dabei gleichermaßen immer wieder überrascht.

Neben der Verbrecherjagd ist das größte Problem von Schweigers Charakter, ein Ei weich zu kochen - für das Frühstück mit seiner Tochter (natürlich gespielt von einer eigenen Tochter Schweigers - dieses Mal Luna). Es will ihm nicht gelingen. Til Schweiger und Weicheier, das funktioniert eben nicht. Höchstens mit cooler Eieruhr, die tickt wie eine Bombe.

Der neue Hamburger Tatort bricht mit der Gewohnheit. Das wird zwar einige Fans der Reihe stören, aber viele andere freuen. Schweiger polarisiert dabei - auch weiterhin: Mindestens drei Tatort-Filme mit ihm sind angekündigt. "Ich möchte meine Gebühren - und meine wertvolle Zeit zurück", mag so mancher Zuschauer nach diversen Tatort-Abenden denken. Nicht nach diesem Tatort aus Hamburg.

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