Verurteilung wegen Nötigung : Wüste Drohungen im Eutiner Gericht

Verurteilung wegen Nötigung: Fahrverbot bringt einen 26-Jährigen schwer in Rage

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16. Februar 2011, 11:07 Uhr

Eutin | Zu Beginn der Verhandlung gab er sich noch ganz harmlos. Doch welch Geistes Kind er ist, offenbarte ein 26-jähriger Angeklagter gestern vor dem Eutiner Amtsgericht, nachdem er das Urteil zu hören bekommen hatte. Noch im Gerichtssaal wandte er sich mit einer wüsten Drohung an den Geschädigten: "Dich werd ich f..., du Hurensohn", schleuderte er dem 58-jährigen Immobilien-Kaufmann entgegen.

Was den ehemaligen Malenter, der jetzt in Schwerin seinen Wohnsitz hat, augenscheinlich besonders empörte, war der zeitweise Verlust seines Führerscheins. Wegen Nötigung hatte Amtsrichter Jörg Fricke dem arbeitslosen Angeklagten nicht nur eine Geldstrafe von 600 Euro (60 Tagessätze) aufgebürdet, sondern auch ein dreimonatiges Fahrverbot verhängt.

Schon nach dem Plädoyer von Staatsanwalt Stavros Karagiannidis war dem jungen Mann eine Sicherung durchgebrannt: "Diesmal drehe ich richtig durch, Alter. Ich bin definitiv unschuldig", erklärte er und fuhr dann den

Malenter Immobilien-Kaufmann an, der ihn durch seine Anzeige vor Gericht gebracht hatte: "Wenn das mit dem Fahrverbot kommt, musst du definitiv dafür bezahlen." Karagiannidis versuchte den Wutentbrannten zu bremsen: "Passen Sie auf, was Sie sagen, Sie sind schneller im Gefängnis als Sie denken", warnte er, erhielt aber nur ein knappes "Ist mir egal" zur Antwort.

Dabei war der Entzug der Fahrerlaubnis durchaus folgerichtig, war der schwarze Audi A6 Kombi des Angeklagten doch gewissermaßen die Tatwaffe. Den schweren Wagen setzte er nach Überzeugung des Gerichts gegen den Immobilien-Kaufmann ein, weil er mit ihm seit längerem im Streit liegt. Demnach folgte der Angeklagte dem Smart des Geschädigten bis zu einer Baustelle neben der Buchenholm-Klinik am Dieksee, um in der engen Sackgasse mit überhöhter Geschwindigkeit auf den aussteigenden Immobilien-Kaufmann zuzurasen. Erst im letzten Moment habe er das Steuer herumgerissen und sei dann mit aufheulendem Motor davongebraust, schilderte der Kaufmann die Situation. "Ich hatte das Gefühl, dass der mich plattfahren will."

Davon wollte der Angeklagte nichts wissen. Er sei dem Smart nur hinterhergefahren, um zu sehen, wer im Auto sitze. Das nahm ihm der Staatsanwalt allerdings nicht ab: "Das ist doch Käse, totaler Quatsch, was Sie hier erzählen", fuhr er den dunkelhaarigen, eher kleinen Mann an, der daraufhin unruhig auf der Anklagebank hin- und herrutschte. Eine Erklärung, die den Staatsanwalt überzeugt hätte, lieferte er jedoch nicht.

Stattdessen bestätigte der Architekt des Kaufmanns dessen Aussage, worauf der Angeklagte erstmals während der Verhandlung die Kontrolle über sich zu verlieren schien und den Zeugen mit den Worten "Hast du auch Angst gehabt?" angiftete. Für Staatsanwalt Karagiannidis passte das ins Bild: "Es gefällt Ihnen, anderen Angst zu machen", folgerte er in seinem Plädoyer.

Karagiannidis nahm es schließlich auch in die Hand, den Angeklagten und seine beiden Begleiter nach der Urteilsverkündung mit deutlichen Worten aus dem Saal zu befördern. Zum Verlassen des Gerichtsgebäudes ließ sich das aufgebrachte Trio erst mit Hilfe zweier Justizbeamter bewegen.

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