Eiderstedt : Wirbel um die "Göring-Glocke"

Die Schild-Inschrift nahe der Glocke beim Ehrenmal in der Gemeinde Tümlauer-Koog sorgt für Zündstoff. Foto: VB (Zum Vergrößern bitte das Plus-Symbol anklicken)
Die Schild-Inschrift nahe der Glocke beim Ehrenmal in der Gemeinde Tümlauer-Koog sorgt für Zündstoff. Foto: VB (Zum Vergrößern bitte das Plus-Symbol anklicken)

Eine Glocke mit Hakenkreuz und einer Würdigung für die Nazi-Größe Hermann Göring sorgt für Aufregung. Die umstrittene Gedenkstätte ruft auch Ministerpräsident Carstensen auf den Plan.

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24. November 2011, 10:37 Uhr

Tümlauer-Koog | Die Glocke steht im Tümlauer-Koog auf der Halbinsel Eiderstedt (Kreis Nordfriesland) - direkt neben einer Gedenkstätte für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges.
Hintergrund: Der Koog wurde 1935 nach Reichsmarschall Göring benannt. Der neue Koog auf Eiderstedt war wie der im gleichen Jahr eingeweihte Adolf-Hitler-Koog (heute Dieksanderkoog) in Dithmarschen ein Musterkoog der nationalsozialistischen Blut- und Bodenpolitik.
"Wir wollen unsere Geschichte nicht verstecken"
Mit einem Informations-Schild und der umstrittenen Glocke wird die Entstehung des Tümlauer-Kooges erläutert. Allerdings ohne auf den geschichtlichen Zusammenhang zwischen der Nazi-Herrschaft und deren furchtbaren Folgen für die ganze Welt hinzuweisen. Dieses Gedenkstätten-"Ensemble" hält Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) für "nicht akzeptabel". Der Kieler Regierungschef fordert den Bürgermeister von Tümlauer-Koog in einem Brief auf, die Glocke zu entfernen und das Erläuterungsschild zur Ortsgeschichte inhaltlich zu ändern. Mit ihrer ausdrücklichen Widmung für Göring sei die Glocke ein Symbol für eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Dies auf einer Gedenkstätte zu würdigen, sei nicht zu rechtfertigen, erläutert Carstensen.
Bürgermeister Christian Marwig weist jegliche Nähe zu braunem Gedankengut weit von sich. Aber: "Wir wollen unsere Geschichte nicht verstecken. Deswegen hatten die Gemeindevertreter beschlossen, die Glocke an dieser Stelle aufzubauen." Das Schild sei ihnen zur Auflage gemacht und in dieser Form vom Kreis Nordfriesland genehmigt worden, betont er. Den Text habe ein Regionalhistoriker verfasst. "Sicher ist es unglücklich, dass wir den ersten Satz nicht geändert haben", sagt Marwig. Er lautet: "Seit 1933 herrscht die NSDAP." Aber bisher habe sich noch kein Besucher, kein Urlauber und kein Einheimischer über die Gestaltung bei ihm beschwert. Auch Neonazis hätten im Ort noch nicht ihr Unwesen getrieben. "Und hier wählt auch niemand NPD." Der Gemeinderat werde über das weitere Vorgehen entscheiden.
Die Glocke wurde früher zu Ehren der neugeborenen Kinder geläutet. Im Laufe der Zeit wurde sie porös, musste abgenommen werden und erhielt ihren Platz am Ehrenmal.

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