Tierheime überfüllt : Verwilderte Katzen werden zur Plage

Bis zu 75.000 verwilderte Katzen streunen derzeit durch Schleswig-Holstein. Foto: dpa
Bis zu 75.000 verwilderte Katzen streunen derzeit durch Schleswig-Holstein. Foto: dpa

Herrenlose Katzen werden in Schleswig-Holstein zunehmend zum Problem. Bis zu 75.000 verwilderte Tiere streunen derzeit durch das nördlichste Bundesland.

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19. Juli 2012, 09:35 Uhr

Itzehoe | "Wir wissen langsam nicht mehr, wohin mit den Katzen", sagt Holger Sauerzweig-Strey, Vorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes in Schleswig-Holstein. Die Tierheime im Norden seien alle überfüllt. In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der in Tierheimen aufgenommenen Katzen um 60 Prozent gestiegen. "Ich weiß von Heimen, in denen Toiletten, Duschen, Flure oder Sozialräume mit Katzenkäfigen zugebaut worden sind", so Sauerzweig-Strey. Selbst eine halbwegs artgerechte Haltung sei oftmals nicht mehr möglich.
"Uns liegen Daten vor, die in Schleswig-Holstein auf bis zu 75.000 verwilderte Katzen schließen lassen", sagt Claudia Keck, zweite Vorsitzende des Norderstedter Vereins "Straßentiger". In den allermeisten Fällen seien diese Tiere nicht kastriert. Folge: Pro Jahr kommen bis zu zwei Würfe mit sechs bis acht Jungen hinzu. Der Verein kümmert sich neben der Pflege deshalb auch um die Kastration verwilderter Katzen. "Eigentlich müssten wir jede Katze, die uns irgendwie über den Weg läuft, sofort einpacken und kastrieren", sagt Sauerzweig-Strey.
Tierschützer fordern Kastrations- und Kennzeichnungspflicht
Den Grund für die rapide Zunahme verwilderter Katzen sieht er darin, "dass die Tiere immer mehr zu einem Wegwerfartikel werden". Sie seien eben süß anzuschauen, aber bei Kosten und Problemen würden die Leute die Tiere immer häufiger aussetzen. Um das Problem zu lösen, fordern sowohl Sauerzweig-Strey als auch Keck die Einführung einer landesweiten Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen. "Deutschlandweit gibt es so etwas immerhin schon in 80 Gemeinden und Städten - in Schleswig-Holstein aber noch nirgends", so Keck. Die alte Landesregierung habe das Thema ignoriert. Nun hofft der Verein auf eine Kursänderung der neuen Koalition in Kiel.
Laut Statistik des Landesjagdverbands werden im Norden jedes Jahr rund 6500 verwilderte Katzen von Jägern erschossen. "Aus Artenschutzgründen", wie Geschäftsführer Andreas Schober sagt. "Katzen haben kaum natürliche Feinde und sind eine ernst zu nehmende Gefahr speziell für am Boden brütende Vögel."

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