Alkoholexzesse : Vatertag - Polizei will durchgreifen

Tradition oder Anachronismus? Auch an diesem Donnerstag werden wieder Hunderte Männer bei Vatertagstouren im Norden über die Straßen ziehen. Foto: dpa
Tradition oder Anachronismus? Auch an diesem Donnerstag werden wieder Hunderte Männer bei Vatertagstouren im Norden über die Straßen ziehen. Foto: dpa

Im Norden arten die Vatertagstouren immer mehr aus, vor allem Jugendlichte treffen sich zu Zechgelagen. Die Behörden reagieren mit Alkoholverboten.

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17. Mai 2012, 04:50 Uhr

Neumünster / Eutin | Bollerwagen, Bier und Bombenstimmung - das erwarten viele Männer vom Vatertag. Doch die obligatorischen Touren sind in den vergangenen Jahren an vielen Orten in Schleswig-Holstein immer mehr aus dem Ruder gelaufen. "Der Vatertag hat sich zu einem Event-Tag gewandelt, an dem sich vor allem junge Männer an bestimmten Plätzen treffen und es zu Alkoholexzessen mit Ausschreitungen kommt", sagt der Lübecker Polizeisprecher Stefan Muhtz. Diese Anlaufpunkte hätten sich etabliert. Jetzt reagieren die Behörden mit Alkohol- oder Platzverboten, Polizei und Rettungsdienste haben vermehrt Personal im Einsatz.
In diesem Jahr könnte erneut Eutin ein Trinker-Treffpunkt sein. Dort kontrolliert die Polizei stärker, weil an diesem Tag auch das Bluesfestival stattfindet. In den vergangenen Jahren gab es immer mal wieder Unruhen im Schlossgarten. 2011 bildete die Polizei eine Kette, drängte die meist jugendlichen Trinker von der Schlosswiese. Die hatten dort nicht nur gezecht, sondern auch laute Musik gehört, es kam zu Rangeleien. In diesem Jahr ist gleich der ganze Garten gesperrt worden. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass Männer, die den Vatertag zum kollektiven Trinkerlebnis missbrauchen, auch auf den Marktplatz zum Bluesfestival ausweichen. Deshalb hat die Polizei vorsorglich einigen polizeibekannten Randalierern ein Betretungsverbot für die Innenstadt verpasst.
Alkoholverbot in Neumünster zeigt Wirkung
Auch andere Gemeinden wollen die trinkfreudigen Männer nicht mehr dulden. Am Großensee im Kreis Stormarn gibt es ein Alkoholverbot - genauso wie am Großen Segeberger See und dem Ihlsee in Bad Segeberg. "Wer mit Alkohol erwischt wird, muss den Platz verlassen oder wir nehmen den Leuten den Alkohol weg", sagt Polizeisprecherin Sandra Rüder. Die Polizei habe den Streifendienst verstärkt, geht davon aus, dass mehr Menschen in Gewahrsam genommen werden.
In Neumünster gilt am Einfelder See dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge ein Alkoholverbot. Dort hatten Betrunkene vor zwei Jahren Polizisten angegriffen, als die eine Massenschlägerei auflösen wollten. Über Jahre hatte sich der See vor allem für Jugend liche zum Trinker-Treffpunkt entwickelt. 2010 waren es über 1000 Partygänger, denen 100 Polizisten gegenüber standen. Doch wie in Segeberg hat die Stadt gute Erfahrungen mit dem Alkoholverbot gemacht. Seit am See das Zechen verboten ist, herrscht dort Ruhe. Und, wie Polizeisprecher Sönke Hinrichs bestätigt, "die Trinkfreudigen weichen auch nicht auf andere Plätze in der Stadt aus".

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