"Geiz-ist-geil-Mentalität" : Schülern schmeckt das Mensa-Essen nicht

'Das Essen schmeckt nicht', ist nach  Erfahrungen der Verbraucherzentrale in Kiel der häufigste Grund, dass  Kinder dem schulischen Mittagstisch fern bleiben. Foto: sh:z
"Das Essen schmeckt nicht", ist nach Erfahrungen der Verbraucherzentrale in Kiel der häufigste Grund, dass Kinder dem schulischen Mittagstisch fern bleiben. Foto: sh:z

Schulmensen fallen bei der "Kundschaft" immer häufiger durch. Landesweit nehmen nur rund 10 Prozent aller Schüler das Essensangebot wahr.

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11. Oktober 2012, 10:05 Uhr

Kiel | Allenfalls jeder zehnte Schüler macht nach Beobachtungen der Kieler "Vernetzungsstelle für Schulverpflegung" von dem täglichen Angebot einer warmen Mahlzeit Gebrauch. Als Grund nennen Experten schuleigene Konkurrenzangebote wie Snack-Automaten oder Fast-Food-Angebote "um die Ecke", die häufig von Schülern der oberen Klassen bevorzugt würden. Kritik gibt es zudem an der Qualität der Schulspeisung.
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Der Kieler Ernährungswissenschaftler Professor Manfred James Müller beklagte in diesem Zusammenhang eine unter Eltern verbreitete "Geiz-ist-geil-Mentalität". Wer für eine Mahlzeit nicht mehr als zwei Euro zahlen wolle, "bekommt auch die entsprechende Qualität".
"Oft stehen die Schüler unter Zeitdruck"
Schulträger - und damit verantwortlich für das Essen in den knapp 500 Ganztagsschulen im Norden- sind die Städte und Kreise. Für Marc Ziert mann vom schleswig-holsteinischen Städteverband steht fest: "Der Preis ist nicht allein ausschlaggebend." Entscheidend sei vielmehr, ob es Schulen gelinge, die gemeinsame Mahlzeit in der Mensa zum festen Bestandteil des Schulalltags zu machen, sagte er unserer Zeitung. Hinter diese Idee habe sich leider nur ein Bruchteil der Schulen gestellt, assistierte ihm Müller.
Weiteres Problem: Nur in seltenen Fällen sind Stundenpläne auf die Essenzeiten abgestimmt. "Schüler stehen in der Mensa Schlange und es klingelt schon zum Unterricht. Oft stehen die Schüler unter Zeitdruck", beklagt Ulrike Holec-Görg von der Vernetzungsstelle. Die Folgen solchen Missmanagements hat schon vor Jahren der Landesrechnungshof bemängelt: "Die geringe Auslastung der Mensen führt dazu, dass das Mittagsangebot an vielen Schulen weder wirtschaftlich noch kostendeckend ist".
Bildungs- und Sozialministerium in Kiel verweisen auf die Qualitätskriterien, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für das Schulessen aufgestellt wurden. Direkten Einfluss auf die Speisekarten der Schule nimmt Kiel jedoch nicht. Aus gutem Grund: Wegen des "Konnexitätsprinzips" müsste das Land sonst einen Teil der Essenkosten übernehmen. Schleswig-Holsteins parteilose Bildungsministerin Waltraud Wende hält mit ihrer Meinung trotzdem nicht hinter dem Berg. "Man darf Kinder nicht abspeisen", mahnt sie. Schließlich sei Essen ein Kulturgut. "Der Satz Du bist, was du isst gilt auch für die Schule", so Wende. Wichtig sei, dass gutes und vollwertige Essen auf den Tisch kommt. Doch auch Wende muss einräumen: "Unter drei Euro ist das kaum zu schaffen".

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