Eutiner Festspiele : Ringen um Opernscheune

Die Opernscheune soll am 2. Mai versteigert werden.  Foto: M. Kuhr
Die Opernscheune soll am 2. Mai versteigert werden. Foto: M. Kuhr

Das Stammquartier der Eutiner Festspiele kommt am 2. Mai unter den Hammer - die Kulturgenossenschaft kämpft unterdessen weiter.

Avatar_shz von
21. März 2012, 11:56 Uhr

Eutin | Die Opernscheune soll am 2. Mai beim Amtsgericht Eutin zwangsversteigert werden. Dieser Termin setzt die neue Eutiner Kulturgenossenschaft unter Druck. "Wir versuchen alles, noch im Vorfeld das Gebäude für die Festspiele zu sichern", sagte der Vorstand Volker Clausen dem OHA.

Damit die Opernscheune weiterhin für die Sommeroper genutzt werden kann, führt Clausen bereits Gespräche mit den im Grundbuch eingetragenen Gläubigern. Das sind neben der Sparkasse Holstein das Land, der Kreis und die Stadt, die alle 2001 maßgeblich zur Finanzierung des über 3 Millionen Euro teuren Baus der Opernscheune beitrugen. "Wir versuchen, mit ihnen Regelungen zu finden, die uns künftig einen wirtschaftlich machbaren Betrieb der Scheune ermöglichen. Aber einfach ist das nicht", umriss Clausen das Nahziel der Kulturgenossenschaft.
"Da haben uns einige einen Bärendienst erwiesen"

Betrieben wird die Zwangsversteigerung von der Sparkasse Holstein. Sie hatte der alten Eutiner Festspiele GmbH zur Finanzierung des Opernscheunenbaus 2001 einen Kredit über 1 Million Mark gewährt und mit einem erstrangigen Grundpfandrecht gesichert. Im Zuge des Anfang 2011 eingeleiteten Insolvenzverfahrens war die Sparkasse zwar bereit, sich diese Forderung für rund 440.000 Euro von der Stadt Eutin abkaufen zu lassen, doch diese Transaktion scheiterte am politischen Widerstand in der Stadtvertretung. Vor allem die FWE plädierte damals dafür, es auf eine Zwangsversteigerung ankommen zu lassen und dann unter Umständen die Opernscheune für einen Bruchteil der Sparkassen-Forderung zu erwerben.

"Da haben uns einige einen Bärendienst erwiesen", kommentierte Clausen diese frühere Diskussion in der Stadtvertretung. Denn nun liegt bei Gericht ein amtliches Gutachten vor, das den Wert des offiziell zur Versteigerung stehenden Erbbaurechtes an der Opernscheune auf 815 000 Euro taxiert. Selbst wenn über einzelne Ermittlungen des Gutachters zu streiten wäre, bleibe unter dem Strich jetzt immer noch eine beträchtliche Summe, sagte Clausen. Deshalb solle das Fundament, das die Kulturgenossenschaft mit rund 100 Mitgliedern und 230 000 Euro Einlage bereits habe, in einer zweiten Gründungsversammlung am 28. März noch verbreitert werden.

Bei der Sparkasse Holstein sieht man sich durch das Gutachten in der Auffassung bestärkt, dass die Stadt im Frühjahr 2011 schlaumeierisch eine günstige Gelegenheit zum Erwerb der Opernscheune vertan habe. "Wir dürfen unseren Anspruch nicht unter Wert abgeben, sonst kann man uns wegen Untreue belangen", sagte Vorstand Peter Becker. Er sicherte aber der Kulturgenossenschaft "unser Wohlwollen" für künftige Gespräche zu.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen