Eutin/Kiel : Netzbetreiber üben für den Stromausfall

Experten warnen vor Versorgungsengpässen im kommenden Winter. Auch in Eutin besteht Handlungsbedarf.

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11. Oktober 2012, 11:00 Uhr

Eutin/Kiel | Die Energieversorger im Norden bereiten sich intern darauf vor, im Winter für mögliche Engpässe bei der Stromlieferung gerüstet zu sein. Bei einer landesweiten Simulation von Netzausfällen wurde auch für die Stadtwerke Eutin Handlungsbedarf deutlich. "Wir treffen hier alle Vorkehrungen, um einen Blackout abzuwenden", sagte Geschäftsführer Andreas Bünger.

Bei dem Probelauf wurden Stromausfälle verschiedenen Ausmaßes durchgespielt. Bei der leichteren Variante hätte es in Eutin gereicht, hier stationierte Notstromaggregate einzusetzen. Bei der Simulation eines gravierenden Störfalles hingegen wäre die Stromversorgung für die Kreisstadt kritisch geworden, sagte Bünger: "Da hätten wir größere Bereiche abschalten müssen."
"Ein Blackout kann theoretisch passieren"

Nach welchen Kriterien im Notfall wo das Licht ausgeschaltet werden soll, ist derzeit Thema für die Expertenrunden der beteiligten Versorgungsunternehmen. Verantwortlich für die Übung war der Übertragungsnetzbetreiber Tennet, der für die Sicherung der Höchstspannungsleitungen zuständig ist. "Ein Blackout kann theoretisch passieren", heißt es bei Tennet. Die Gefahr sei aber sehr gering. Dennoch: Die Gefahr eines Engpasses bestünde, sagt auch Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur, der Süddeutschen Zeitung. Schon im vergangenen Winter stand das deutsche Stromnetz im Februar kurz vor dem Kollaps. Vor allem für Hamburg könnte es gefährlich werden, sollte bei den schlechten Wetterbedingungen zudem das Kernkraft Brockdorf nicht verfügbar sein, warnt die Bundesnetzagentur. Nur netzstabilisierende Maßnahmen der Leitungsbetreiber würde die Stadt vor der Unterversorgung bewahren. Generell müssen die Ingenieure in den Netzleitstellen von Tennet wegen der Einspeisung erneuerbarer Energien immer häufiger eingreifen, um die Stabilität des Netzes zu sichern. Tausend Eingriffe verzeichneten die Ingenieure im vergangenen Jahr. Im Vorjahr waren es nur 290, vor zehn Jahren gerade einmal zwei.

Tennet schließt für den Winter erneut mit österreichischen Energieversorgern Verträge über knapp 940 Megawatt Kaltreserve ab. Die Kraftwerksreserve sei als "Sicherheitspuffer" notwendig, sagte Geschäftsführer Martin Fuchs. Für den kommenden Winter bleibe die Situation angespannt, auch wenn die Versorgungssicherheit nach wie vor nicht akut gefährdet sei. Besonders Schleswig-Holstein könne optimistisch in den Winter gehen, meint Frank Roselieb vom Institut für Krisenforschung der Uni Kiel. Als Flächenland mit vergleichsweise wenig Einwohnern und geringer industrieller Besiedelung würde das nördlichste Bundesland bei einer bundesweiten Versorgungsunsicherheit mit als letztes vom Netz genommen werden.

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