Grüne wollen Tanzverbot kippen : Krach um die Karfreitags-Ruhe

Tanzen an Karfreitag - ja oder nein? Foto: dpa
Tanzen an Karfreitag - ja oder nein? Foto: dpa

Ist das Tanzverbot an Karfreitag noch zeitgemäß? Nein, sagt der Vize-Fraktionschef der Grünen im Norden. Das "Relikt aus längst vergangenen Tagen" gehöre abgeschafft.

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07. April 2012, 09:08 Uhr

Kiel | Der Vize-Fraktionschef der Grünen im Landtag, Rasmus Andresen, fordert, das Verbot für Tanz- und Sportveranstaltungen am Karfreitag abzuschaffen. Für den 26-Jährigen ist die Regelung "ein Relikt aus längst vergangenen Tagen". Es widerspreche der Selbstbestimmung der Bürger und der vom Grundgesetz geschützten freien Entfaltung der Persönlichkeit. Die Religionsfreiheit sieht der Abgeordnete demgegenüber ohne das Tanzverbot nicht gefährdet. Die Glaubensfreiheit bliebe gewahrt, so Andresen, "da sich Tanz- und Sportveranstaltungen keinesfalls negativ auf Gottesdienste auswirken". Die bisherige Praxis ist dem Jung-Grünen ebenfalls ein Dorn im Auge, weil er sie als Bevorzugung des Christentums gegenüber anderen Religionen empfindet. Das Verbot gilt von 4 bis 24 Uhr und wurde wegen des besonders ernsten Charakters des Tags der Kreuzigung Jesu am Karfreitag eingeführt.
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Mit-Auslöser für Andresens Vorstoß ist eine Protest-Aktion, zu der Mitglieder der grünen Jugend für Freitag um 16 Uhr auf dem Kieler Europaplatz aufrufen. Bei dem über soziale Netzwerke im Internet angekündigten "Flashmob" wollen die Teilnehmer 20 Minuten lang zu Musik aus MP3-Playern und Kopfhörern tanzen. "Mit dieser stillen, respektvollen Form möchten wir deutlich machen, dass eine Aufhebung des Tanzverbots die Religionsausübung überhaupt nicht beeinträchtigen würde", erklärt Mit-Organisator Freddy Schindler.
"Absolut inhaltsleer und geschichtslos"
Rückendeckung kommt vom jugendpolitischen Sprecher der FDP, Christopher Vogt (28): Auch er bezeichnet das Tanzverbot als "nicht mehr zeitgemäß". Vogt schlägt vor, es nach dem Vorbild Berlins auf die Zeit von 4 bis 21 Uhr zu verkürzen - "im Dialog mit den Kirchen". CDU-Fraktionschef Johannes Callsen hingegen nennt den Vorstoß der Grünen "unangemessen". "Es gibt so viele Tage, an denen man feiern kann - da sollte ein Tag der Besinnung doch zu verkraften sein", meint der 45-Jährige. Ohne Karfreitag wäre für ihn auch Ostern in Frage gestellt. SPD-Fraktionschef Ralf Stegner (52) plädiert ebenso dafür, "den Karfreitag in seiner Besonderheit zu erhalten". Er sieht "eher einen Mangel an Besinnung und nicht an Vergnügungsveran staltungen". Wohl vorstellen kann er sich eine Landtagsdebatte zum Umgang des Staates mit Feiertagen anderer Religionen.
Für den Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich ist es "absolut inhaltsleer und geschichtslos" zu argumentieren, das Tanzverbot sei nicht mehr zeitgemäß. Eine Gesellschaft lebe nicht nur aus der Gegenwart, sondern auch aus den Wurzeln ihrer Kultur. Die Leiterin des Katholischen Büros bei Landtag und Landesregierung, Beate Bäumer, bemängelte, Andresen habe "vergessen, dass unsere demokratische Grundordnung auf christlichen Wurzeln basiert. Wer Ostern feiern will, muss den stillen Karfreitag aushalten".

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