Kreis Ostholstein : Firma mischt mit im Rettungsdienst

Erstmals gibt es private Konkurrenz für Hilfsorganisationen im Kreis Ostholstein.

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04. Januar 2011, 10:26 Uhr

eutin | Mit Jahresbeginn gibt es für den bisher rein öffentlich organisierten Rettungsdienst in Ostholstein erstmals private Konkurrenz: Mit zwei Fahrzeugen und zehn Mitarbeitern bietet die Kieler Firma Clinotrans jetzt aus Bad Malente-Gremsmühlen Krankentransporte und Notfalleinsätze an. Ihr Start wird von den Hilfsorganisationen, die im Auftrage des Kreises seit langem im Rettungsdienst aktiv sind, mit einiger Sorge ums eigene Geschäftsmodell betrachtet.

Malente fehlte bislang in der Liste der acht Rettungswachen, die in den sechs Städten des Kreises sowie in Timmendorfer Strand und Cismar eingerichtet wurden. Diese regionale Aufteilung soll gewährleisten, dass Rettungskräfte innerhalb der gesetzlichen Frist von 15 Minuten am Einsatzort sind. Dafür sind kreisweit insgesamt 145 Rettungsassistenten und 32 ehrenamtliche Sanitätskräfte eingespannt; als ihre Arbeitgeber treten das Deutsche Rote Kreuz , die Johanniter-Unfallhilfe, der Arbeiter-Samariter-Bund und der Malteser-Hilfsdienst auf. Rund 11 Millionen Euro zahlen die Krankenkassen im Jahr für Rettungseinsätze in Ostholstein; die Leistungsvergütungen handelt der Kreis als Träger des Rettungsdienstes aus.
"Jetzt ist keine weitere Zulassung mehr möglich"
Der Kreis hat nun das in Kiel etablierte Unternehmen Clinotrans offiziell am neuen Standort Malente für Einsätze im hiesigen Rettungsdienst zugelassen. "Unterversorgt war Malente keinesfalls. Dennoch mussten wir eine Genehmigung erteilen", bestätigte der Leitende Kreisverwaltungsdirektor Reimer Lucht. Denn gesetzlich werde außerhalb der öffentlichen Zuständigkeit auch Privaten die Chance eingeräumt, im Zuge der Berufsfreiheit im Rettungsdienst aktiv zu werden.

Voraussetzung dafür sei allerdings, dass dadurch die Wirtschaftlichkeit des allgemeinen Rettungsdienstes nicht existenzgefährdend bedroht werde. Zumutbar seien dabei nach gängiger Rechtsprechung Umsatzeinbußen bis zu 20 Prozent. Die entsprechende Verträglichkeitsprüfung sei für den Antrag der Firma Clinotrans positiv ausgefallen. Damit aber sei für Ostholstein auch schon die Grenze privater Geschäftstätigkeit beim Retten erreicht: "Den Antrag eines anderen Anbieters mussten wir ablehnen. Jetzt ist keine weitere Zulassung mehr möglich" , sagte Lucht. Allen Beteiligten sei klar: "Wir werden den Effekt haben, dass uns im öffentlichen Rettungsdienst etwas verloren geht."

Clinotrans hat sich fest an der August-Bier-Klinik eingerichtet. Geschäftsinhaber Oliver von der Wehl betonte, dass Malente als Klinik-Standort wirtschaftlich für sein Unternehmen sehr interessant sei; es werde zudem auch über die Rettungsleitstelle des Kreises in Eutin in das allgemeine Einsatzgeschehen integriert. Clinotrans wurde 1990 als medizinischer Transportdienst für Blutkonserven gegründet, seit 2002 ist die Firma auch im Krankentransport in Kiel tätig.

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