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Nachrichten

13. Dezember 2017 | 10:29 Uhr

SCHLEI-BOTE : Renaissance der alten Steine

vom

Ein Herz für alte Gemäuer: Heiner Nissen hat aus dem ehemaligen Getreidespeicher auf dem Wittkielhof eine Veranstaltungsstätte gemacht.

Stoltebüll. Der Erhalt des im Oktober 1998 übernommenen Anwesens "Wittkielhof" ist dem 48-jährigen Heiner (Heinrich-Johannes) Nissen eine, wie er sagt, Herzensangelegenheit. Und da hält er es mit dem Zitat "Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen" aus Goethes "Faust". Nissen, geboren in Stenderup, hat in den Vereinigten Staaten Business Economy studiert, sich 1993 in der Computerbranche selbstständig gemacht. So entstand Nissens "Wittkiel-Gruppe" mit jetzt zehn Mitarbeitern, beheimatet in altem Gemäuer, sprich im stattlichen Herrenhaus von Wittkielhof - ein Anwesen, von dem die Annalen bereits Ende des 17. Jahrhunderts berichten.

Nissen, der sich und seine Firma als Computer-Dienstleister versteht, weiß, das der Erhalt von Wittkielhof, um ihn für künftige Generationen zu bewahren, viel Geld kostet, nicht mal eben aus der Portokasse zu bezahlen ist. Er hat bereits kräftig in sein altes Gemäuer investiert. Das dafür erforderliche Geld muss er erst mit seiner Firma erwirtschaften, denn Zuschüsse der öffentlichen Hand gibt es keine. Doch das schreckt ihn nicht ab. "Es ist schön, Ererbtes zu erhalten", findet Nissen.

Im Zusammenhang mit Wittkielhof, seinem repräsentativen Herrenhaus und dem viel beachteten und besuchten Park steht Mitte des 19. Jahrhunderts der Name Asmus Petersen. Nach den Worten von Heiner Nissen war der nicht nur ein streitbarer Landwirt, sondern auch Erfinder des Windrades in seiner Ursprungsform - Mitte des 19. Jahrhunderts. Allerdings versäumte Petersen es, das Patent zu verlängern. Wie auch immer: Das Petersen-Windrad war auf einer Scheune installiert und lieferte Energie für den Getreidedrusch. Und dann gab es auch noch eine Baumschule: Lieferant von Bäumen für "Unter den Linden" in Berlin. Zudem gehörte zum Anwesen eine Ziegelei - mit den dort hergestellten Steinen "made in Wittkielhof" wurden seinerzeit die Nebengebäude errichtet. Genau diese Steine sind es, die jetzt bei Heiner Nissen eine Renaissance erleben. 

Die ehemalige Kornscheune mit kleiner Schmiede und Pferdestall - vom Herrenhaus aus gesehen links gelegen - war seit Jahren ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Dem hat Nissen einen Riegel vorgeschoben, "weil das meinem Selbstverständnis und der Verantwortung gegenüber den Altvorderen und künftigen Generationen widerspricht". Also ging er daran, das Bauwerk in eine Veranstaltungs-Scheune umzufunktionieren und dabei alte Ziegel zu verwenden. Heiner Nissen: "Ich will mit alter Substanz alte Substanz erhalten." Zu den Sanierungsarbeiten in der von anno 1850 stammenden Scheune, mit denen 2003 begonnen wurde, gehörte auch, das alte hölzerne Gebälk zu säubern und das vorhandene Blechdach gegen ein neues nach Sandwich-Art auszutauschen. Das war zugleich eine energetische Maßnahme für die 40 mal zwölf Meter große und acht Meter hohe Veranstaltungshalle, in der bereits die ersten Festivitäten stattgefunden haben. Weitere werden folgen, sind bereits gebucht; dazu wird auch in eigener Sache das Jubiläum aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von Nissens Selbstständigkeit gehören.

Innen hat sich in der Scheune viel verändert. Dazu gehört auch eine Fußbodenheizung, mit Wärme gespeist von der Biogasanlage in Stenneshöh. Feiern, Unterhaltung und Informationen, so ist es für die Veranstaltungshalle angesagt, dazu kommen sollen in Zukunft auch Musik und Theater. 

Ist die Scheune im Inneren nicht wieder zu erkennen, hat sie äußerlich ihr Aussehen kaum verändert - abgesehen davon, dass sie nicht mehr weiß gekalkt ist, sondern einen hellgelben Anstrich erhalten hat. 

Da das Anwesen zu den Angelner Dreiseithöfen gehört, gibt es noch eine weitere Kornscheune, die ehedem auch einen Rinderstall beherbergte. Der Zahn der Zeit hat kräftig an diesem alten Gemäuer genagt, Stürme haben die Mauern eingedrückt, das Dach einstürzen lassen. Heiner Nissen: "Auch hier muss etwas getan werden, eine Reparatur ist dringend notwendig."

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