Osdorfer Gilde : Zwei altbekannte Majestäten für Osdorf

<p>Das neue Osdorfer Königspaar: Stefan Baasch und Frauke Fräßdorf.</p>

Das neue Osdorfer Königspaar: Stefan Baasch und Frauke Fräßdorf.

Frauke Fräßdorf und Stefan Baasch wurden beide zum dritten Mal König und Königin der Osdorfer Gilde.

shz.de von
11. Juni 2018, 06:55 Uhr

Frauke Fräßdorf ist neue Königin und Stefan Baasch neuer König der 135 Mitglieder zählenden Osdorfer Knochenbruchgilde von 1779. Beim Königsschießen und Fischpieken setzten sie sich am vergangenen Samstag gegen ihre Mitbewerber durch. Beide sind bereits zum dritten Mal König beziehungsweise Königin ihrer Gilde. Sie folgen dem 2017 gekürten Königspaar Maren Kohrt und Gerhard Haß nach.

Der König muss Mitglied der Gilde sein. Die Königin kann gar nicht Mitglied ihrer Gilde sein, denn Frauen sind als Mitglieder der Osdorfer Knochenbruchgilde nicht zugelassen. Daran hat sich in den 239 Jahren ihres Bestehens nichts geändert. Die Satzung, die das regelt, wurde seit 1877 kaum verändert. „Ich allein kann das ohnehin nicht ändern. Wir sind zwölf Leute im Vorstand“, so Ältermann Dietrich Sommer. Allerdings räumt er ein, dass das Thema Frauenmitgliedschaft in seiner Amtszeit – und die dauert inzwischen seit 2004 an – noch nie Thema im Vorstand war. „Die Frauen haben dadurch keinen Nachteil. Sie sind immer mit dabei, brauchen aber keinen Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Die Gilde würde durch die Frauenmitgliedschaft profitieren, würde sie doch zusätzliche Mitgliedsbeiträge einnehmen. Vielleicht ändert das ja einmal die nächste Generation im Vorstand“, so Dietrich Sommer.

Der ursprüngliche Zweck der Knochenbruchgilden, nämlich eine Art Krankenversicherung für Landarbeiter zu sein, ist auch in Osdorf längst dem Zweck der Geselligkeit gewichen. Dennoch zahlt die Gilde ihren Mitgliedern im Falle eines Knochenbruchs nach wie vor einen Geldbetrag. Der ist freilich beim heutigen Lohn-und Preisgefüge ein eher symbolischer Betrag. Den Lebensunterhalt während der Arbeitsunfähigkeit sichert er nicht und muss ihn auch nicht mehr sichern. Häufig wird deshalb dieser Beitrag an die Gilde zurückgespendet. Seit dem letzten Gildefest waren unter den 135 Mitgliedern zwei halbe Brüche zu verbuchen: ein Fußbruch und ein Schulterbruch. 78 Euro werden für einen halben Bruch ausgezahlt. 39 Euro sind es bei einem Viertelbruch, etwa bei einem Rippen- oder Fingerbruch. 156 Euro gibt es bei einem ganzen Bruch, das heißt, dann, wenn Schienbein und Wadenbein beziehungsweise Elle und Speiche gleichzeitig gebrochen sind. Erst dann war ein früherer Landarbeiter vollständig arbeitsunfähig.

Die Osdorfer Knochenbruchgilde von 1779 veranstaltet jedes Jahr ein Gildefest, das mit der Abholung des alten Königspaares beginnt. Es folgen Wettbewerbe im Schießen, Knobeln und Fischpieken.

Die Teilnahme an den Wettbewerben lohnt sich auch für, die, die am Ende nicht mit der Königswürde nach Hause gehen. Denn eine Menge Preise – die meisten von örtlichen Geschäftsleuten gesponsert – wartet nicht nur auf die Erstplatzierten. Besonders häufig konnten Preisträger Blumen, Schinken, Würste und Wein mit nach Hause nehmen.

Das Fischwerfen ist traditionell die weibliche Alternative für das Schießen der Männer. Aber längst beteiligen sich die Frauen auch am Schießen und nehmen Preise mit nach Hause.

Die weiteren Erstplatzierten waren Charlies Butler (Preisschießen Jugend), Alexandra Butler (Preisschießen für Nichtmitglieder), Stefan Baasch (Knobeln), Yvon Mohr (Fischpieken)und Rainer Lüthje (Preis des Bürgermeisters).

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