Zopf ab für den guten Zweck

Die elfjährige Emma Boysen spendet ihre 30 Zentimeter langen Haare der Initiative „Rapunzel“

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30. November 2018, 13:51 Uhr

„Ein bisschen Angst habe ich jetzt schon“, sagt Emma Boysen, als sie vor dem Friseursalon steht und mit dem Finger in ihrem langen Haar zwirbelt. Wenige Minuten später sitzt die Elfjährige vor dem Spiegel und lacht, als Friseurin Andrea Setzkorn beginnt, ihr einen Zopf zu flechten. „Bist du sicher?“ fragt sie, als sie die Schere ansetzt. Emma nickt, aber dann ist es kurzzeitig vorbei mit der Fassung und Tränen laufen über ihre Wangen. Eine Minute später ist es geschafft – der 30 Zentimeter lange Zopf ist ab.

Das Besondere daran: Emma hat sich entschlossen, ihre Haare der Initiative „Rapunzel“ des Bundesverbands der Zweithaar-Spezialisten (BVZ) zu spenden. Das Ziel dieser Initiative, für die sich auch der Mediziner und Comedian Eckhart von Hirschhausen einsetzt, ist es, Menschen in einer schwierigen Lebenssituation zu unterstützen, wenn sie nämlich krankheitsbedingt auf ihre eigenen Haare verzichten müssen. Die gespendeten Haare müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen und werden zur Weiterverarbeitung und Herstellung von Echthaarperücken und Haarteilen versteigert. Der Erlös aus dem Sammelzeitraum der Jahre 2018 und 2019 geht an die gemeinnützige Stiftung „Humor hilft heilen“, die von Eckhart von Hirschhausen gegründet wurde.

Aber wie ist Emma auf diese Idee gekommen? Ihre Freundin Paula hat Emma von ihrer großen Schwester Hanna-Sophie erzählt. „Sie hat kreisrunden Haarausfall“, beschreibt Paula (12). Alopecia areata ist der Fachbegriff für diese häufige entzündliche Haarausfall-Erkrankung. Zwei Perücken hat Hanna-Sophie – eine aus Echthaar und ein künstliche. „Die künstliche zu tragen, fühlt sich nicht gut an, hat sie erzählt“, so Paula weiter.

Emma, die schon immer lange Haare getragen hat, hat die Geschichte berührt. „Und ich habe gedacht, wenn sie schon ab sollen, dann kann ich sie auch spenden.“ Der dicke Zopf ist in einen Briefumschlag gewandert und an den BVZ adressiert. „Ich finde es toll, dass der Zopf dahin geht, wo er wirklich gebraucht wird“, sagt Emmas Mutter Magda Boysen. Sie ist gerührt, denn auch sie konnte schon helfen. 2006 hat sie einem vierjährigen Mädchen in den USA mit einer Knochenmarkspende das Leben gerettet. Sporadisch hat sie noch Kontakt mit ihm. „Sie wird im Januar 17 Jahre alt.“

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