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Wohnen im Hamburger Umland wird immer teurer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Menschen ziehen raus aus der Großstadt – Immobilienpreise ziehen nach

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 18:49 Uhr

Klarer Fall von Verdrängungseffekt: Weil Hamburg als Wohnort stetig an Beliebtheit gewinnt, werden Immobilien auch im Speckgürtel schier unaufhaltsam teurer. „Wir beobachten eine Ausweichbewegung von der Stadt ins Umland und in bezahlbare Stadtteile“, sagt Peter Magel, Vorstandschef der Landesbausparkasse (LBS) Schleswig-Holstein-Hamburg. Einmal im Jahr fühlt die LBS dem Immobilienmarkt in der Metropolregion den Puls, ermittelt Durchschnittspreise und Tendenzen. Erkenntnis der gestern vorgestellten aktuellen Zahlen: Im Stadtgebiet dreht sich die Preisspirale langsamer als in den vergangenen Jahren, dafür liegen die Aufschläge im Umland teils sogar über denen in Hamburg. Für die Erhebung hat die LBS im Januar 2014 knapp 13 000 Immobilienanzeigen auswerten lassen.

Demnach sind Ein- und Zweifamilienhäuser aus dem Bestand im Stadtstaat durchschnittlich nur noch um 0,3 Prozent teurer als im Vorjahr – nach einem Plus von zwölf Prozent im Jahr zuvor. Neugebaute Häuser wurden in Hamburg sogar billiger, um 2,9 Prozent – der erste Preisrückgang seit langer Zeit. Im Umland kosten Bestandshäuser dagegen 5,8 Prozent mehr, Neubauten satte 8,7 Prozent.


Leichte Entspannung bei Eigentumswohnungen


Nur leicht entspannt hat sich die Lage bei Eigentumswohnungen in der Metropole. Objekte aus dem Bestand wurden um 5,6 Prozent teurer (Vorjahr: +12,5 Prozent), neu gebaute um 6,7 Prozent (+1,8). In den Randkreisen Schleswig-Holsteins und Niedersachsens legen die Preise in diesem Segment um 5,9 Prozent (Bestand) beziehungsweise 3,9 Prozent (Neubau) zu.

Wegen der seit Jahren anhaltenden Immobilien-Preisrallye in der Millionenstadt suchen laut Magel immer mehr Menschen mit Durchschnittseinkommen ihre Chance auf bezahlbaren Wohnraum in den angrenzenden Landkreisen. Denn: Trotz der aktuellen kräftigen Aufschläge sind die eigenen vier Wände im Speckgürtel immer noch nur halb so teuer wie innerhalb der Hamburger Stadtmauern. So kostet ein Durchschnitts-Bestandshaus (120 Quadratmeter Wohnfläche) in der Hansestadt 363 000 Euro, im Umland 211 000. Bei gebrauchten Eigentumswohnungen (80 Quadratmeter) lautet das Verhältnis 257 000 zu 123 000 Euro. Wegen der wachsenden Nachfrage sind die Kosten besonders für Immobilien des mittleren Preissegments in Umlandorten mit guter Anbindung an die Metropole gestiegen. Magel: „Anschluss an S- und U-Bahn sowie Autobahn sind den meisten Käufern wichtig.“ Dieser Trend werde sich fortsetzen, prophezeit der LBS-Chef. „Wenn die Politik etwa den Bau der S 4 nach Bad Oldesloe und der S 21 nach Kaltenkirchen beschließt, wird sich das sofort auf die Preisentwicklung entlang der Achsen auswirken.“

Allerdings weist das Preisniveau auch im Umland ein erhebliches Gefälle aus. Faustregel: Je näher und je besser angebunden an Hamburg desto teurer. Spitzenreiter unter den Randgemeinden bei Bestandshäusern ist Wentorf/Aumühle (Kreis Herzogtum Lauenburg) mit einem Durchschnittspreis von 2800 Euro pro Quadratmeter. Es folgen Wedel (2500 Euro), Halstenbek (beide Kreis Pinneberg, 2480 Euro), Ahrensburg (Kreis Stormarn, 2460 Euro) und Rellingen (Kreis Pinneberg, 2375 Euro). Auf Schnäppchenniveau bewegen sich dagegen unter anderem Stade Umland (1150 Euro), Lauenburg (1230 Euro), aber auch Elmshorn Umland (1490 Euro). In Hamburg stehen die teuersten Bestandshäuser weiterhin im Bereich der Außenalster, in den Elbvororten sowie in den Walddörfern; Spitzenreiter sind Harvestehude (7900 Euro pro Quadratmeter) und Rotherbaum (7500 Euro). Ganz ähnlich wie bei den Bestandshäusern ist die regionale Spreizung der Preise innerhalb der Metropolregion auch bei neu gebauten Häusern sowie bei Eigentumswohnungen.

Noch eklatanter öffnet sich die Preisschere bei Baugrundstücken. Die teuersten Ecken in Hamburg kosten das Zehnfache der Toplagen im Umland. In Harvestehude schlägt ein Quadratmeter Bauland im Durchschnitt mit 2800 Euro zu Buche, in Rotherbaum und auf der Uhlenhorst mit 2600. Die wertvollsten Grundstücke im Speckgürtel liegen in Wedel (280 Euro), Schenefeld (260 Euro), Halstenbek (alle Kreis Pinneberg, 245 Euro) und in Norderstedt (Kreis Segeberg, 230 Euro). Das Kontrastprogramm finden Interessenten in Stade Umland und Tostedt (Landkreis Harburg), wo Baugrundstücke im Schnitt für je 60 Euro zu haben sind, sowie in Henstedt-Ulzburg-Süd (Kreis Segeberg) bei 65 Euro.

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