„Wir tun noch so, als ob wir bei 40 Prozent sind“

Charmant, plauderig und sympathisch präsentierte sich die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli auf der Veranstaltung, zu der am Dienstagabend die Sylter Genossen eingeladen hatten.
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Charmant, plauderig und sympathisch präsentierte sich die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli auf der Veranstaltung, zu der am Dienstagabend die Sylter Genossen eingeladen hatten.

Die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli folgte der Einladung der Sylter SPD zur Diskussionsveranstaltung

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20. August 2019, 17:20 Uhr

Westerland | Nach Sylt gekommen war die schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli am Dienstagabend, um über die Herausforderungen Fachkräftemangel, Wohnraum und Kinderbetreuung auf Sylt zu diskutieren. Doch bevor es insular wurde, nutzte Carsten Kock, RSH-Chefkorrespondent und Moderator des Abends , die Gelegenheit, die Politikerin zu aktuellen SPD–Themen zu befragen.

Offen und sympathisch gab die 44-Jährige zu, seit der Übernahme des Landesvorsitzes im Frühjahr noch immer daran zu arbeiten, verfestigte Strukturen des Kleinklein zu verändern. Bereits seit 20 Jahren habe man den abnehmenden Trend der SPD erkennen können, doch selbst die Euphorie während der Martin-Schulz-Ära habe die Partei nicht zu nutzen gewusst.

„Wir tun immer noch so, als ob wir bei 40 Prozent sind“, erklärte Midyatli um fortzufahren, dass die damit verbundene Sowohl-als-auch-Politik bei den jetzigen Wahlergebnissen klaren Antworten und Positionen weichen müsse.

Begrüßen würde sie hingegen das jetzt stattfindende Wahlprozedere für den bundesweiten SPD-Parteivorsitz – auch, wenn sie selbst sich darum nicht bewerben werde. Sie hoffe auf eine Person, der die Menschen vertrauten und die klar ihre Positionen nach außen vertrete. Dazu gehöre nach ihrem Empfinden auch, erneut streitbar zu sein und nicht bei jedem erstbesten Gegenargument wieder umzufallen.

Nach diesen Statements leitete Carsten Kock souverän und unterhaltsam die geplante Diskussionsveranstaltung ein. Jutta Ringele von der Diakonie Südtondern, Marcus Kopplin vom Kommunalen Liegenschaftsmanagement und Diplom-Pädagoge Uwe Tiedjen gaben jeweils einen Überblick zu den Bereichen „Notwendige Infrastruktur und Versorgung in problematischen Lebenslagen“, „Bezahlbarer Wohnraum für Familien und Arbeitskräfte“ sowie „Kindergartenbeiträge kurzfristig halbieren und mittelfristig streichen“.

Auch wenn sich die Vorträge mit der Sylter Situation beschäftigten, war deutlich, dass sich die herrschenden Probleme überwiegend auf landes- und bundespolitische Entscheidungen gründen.


Für einen Mindestlohn von 12,63 Euro

Serpil Midyatli ordnete diese ein, führte aus und entwarf Vorstellungen davon, wie man die einzelnen Situationen verbessern könne. Nach gut zwei Stunden meldete sich der Morsumer Lutz Eilrich zu Wort – er habe bislang fachlich sehr sichere Vorträge gehört und dafür bedanke er sich, begann er seinen Wortbeitrag.

Doch das Thema der Veranstaltung sei eigentlich „Was machen wir“ und zu dem sei man noch nicht gekommen. Sehr konkret fragte er nach Midyatlis Haltung mit Blick auf Mindestlohn, Daseinsvorsorge und allgemein verbindliche Tarifverträge – stets durch Sylter Beispiele illustriert.

Sei es der vorgerückten Stunde oder der umfassenden, sich auf die Landessituation beziehenden Kenntnis von Serpil Midyatli geschuldet – in den überwiegend allgemein gehaltenen Antworten fanden sich nur zwei konkrete Äußerungen: Sie sei für eine Rekommunalisierung im Bereich der Daseinsvorsorge und für einen Mindestlohn von 12,63 Euro.

Auf die Abschlussfrage von Carsten Kock, was sich die SPD-Politikerin als Schlagzeile für den Tag nach der Wahl zum Bundes-Parteivorsitz wünschen würde, antwortete Serpil Midyatli: „Die SPD ist wieder da und steht auf dem Platz“ .

Der Parteitag ist im Dezember - Zeit genug für Serpil Midyatli von der sympathischen, plauderigen SPD-Frau zu der Politikerin zu werden, die sie sich für den Vorsitz wünscht: Mit klaren Positionen, die auch eine Diskussion ertragen.

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