Windkraftgegner fordern Stopp für neue Anlagen

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20. August 2020, 17:02 Uhr

Kiel | Wegen der zuletzt erneut hohen Zahl an Zwangsabschaltungen von Windrädern in Schleswig-Holstein hat der windkraftkritische Verein „Vernunftkraft“ den grünen Kieler Energieminister Jan Philipp Albrecht aufgefordert, keine neuen Windräder mehr im Land zu genehmigen. „Wir fordern einen sofortigen Stopp eines weiteren Windkraft-Zubaus, um Natur, Anwohner und Stromkunden zu entlasten“, sagte die Vernunftkraft-Landeschefin Susanne Kirchhof gestern unserer Zeitung.

Wie berichtet, konnten in Schleswig-Holstein in den ersten drei Monaten dieses Jahres wegen drohender Netzüberlastung 1534 Gigawattstunden Windstrom nicht erzeugt werden. Dafür erhielten die betroffenen Windparkbetreiber im Gegenzug 153 Millionen Euro an Entschädigungen, der bisher zweithöchste Wert in einem Quartal. Die Zahlungen für diesen nicht produzierten „Phantomstrom“ werden letztlich vom Stromkunden getragen. „Sogar das Nichteinspeisen von Strom ist in Schleswig-Holstein offensichtlich ausreichend lukrativ – sonst würde die Branche nicht so massiv einen weiteren Zubau von Windkraftanlagen fordern“, wetterte Kirchhof.

Die große Menge an Phantomstrom sei umso ärgerlicher, als sich das Problem bereits seit Jahren abgezeichnet habe. „Seit 2015 sind mittlerweile fast zwei Milliarden Euro an Zahlungen für nicht produzierten Windstrom an die Windparkbetreiber aufgelaufen“, kritisierte Kirchhof. „Trotzdem forciert der Minister weiterhin den Zubau von Windkraftanlagen im Land, statt in seinen eigenen Koalitionsvertrag von 2017 zu schauen, der zwingend Kopplung von Erzeugungs- und Netzkapazität vorsieht.“

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