zur Navigation springen
Meldungen

23. August 2017 | 08:44 Uhr

Windkraft: Bauherr entscheidet

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Haus und Grund befürchtet künftig viele Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen gelockerten Regelungen

„Das gibt Ärger“, fürchtet Alexander Blažek, Chef des Eigentümerverbandes Haus und Grund Schleswig-Holstein. Dass künftig im Norden Kleinwindanlagen bis zu zehn Meter Höhe ohne Baugenehmigung aufgestellt werden dürfen, bereite ihm kräftige Bauchschmerzen. „Da werden viele betroffene Nachbarn nicht erfreut sein“, so seine Befürchtung.

Um Bauen „leichter und flexibler“ zu machen, hat Innenminister Andreas Breitner (SPD) eine Novelle der Landesbauordnung angekündigt. Darin ist unter anderem vorgesehen, dass Solaranlagen und kleine Windräder mit einem Rotordurchmesser bis maximal drei Metern kein Baugenehmigungsverfahren mehr durchlaufen müssen. Voraussetzung: In der Nähe befindet sich kein denkmalgeschütztes Haus, und es handelt sich nicht um ein reines Wohngebiet.

„Diese Einschränkung reicht nicht“, meint Blažek. Reine Wohngebiete seien in Schleswig-Holstein eher selten. „Meistens haben wir es mit Mischgebieten zu tun. Die Zahl der Betroffenen wird also relativ groß sein.“ Abgesehen von ästhetischen Problemen einer weiteren Verspargelung der Landschaft seien vor allem Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen Lärms und Schattenwurfes solcher Kleinanlagen zu befürchten. „Zehn Meter Höhe und drei Meter Flügeldurchmesser – das ist nicht zu unterschätzen“, meint Blažek. „Und wenn dann der Rotor im richtigen Winkel zur Sonne steht und die sich darin spiegelt, hat der Nachbar Disco-Beleuchtung.“

Das Innenministerium war gestern bemüht, die Wogen zu glätten. Nur die Baugenehmigung fällt für Kleinanlagen weg. An den nachbarschaftsrechtlichen Bestimmungen zum Lärmschutz und zu Abstandsflächen ändere sich aber nichts. „Was früher nicht genehmigungsfähig war, weil Nachbarn gestört wurden, ist auch künftig nicht rechtens“, so Sprecher Thomas Giebeler. Allerdings müssen die Bauherren künftig eigenverantwortlich prüfen, ob die Nachbarn beeinträchtigt werden. Bislang machte das die Behörde, die die Baugenehmigung erteilte.

Erfahrungen aus Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Bayern und dem Saarland, wo die Regelung schon längst in Kraft ist, liegen der Kieler Behörde nicht vor. Auch dort raten Experten allerdings dazu, dem Nachbarn zu belegen, dass der Mast auch starken Stürmen widerstehen wird. Denn schon bei vergleichsweise geringen Rotorflächen reißen Tonnenkräfte an Material und Fundament. Zusätzlich sollte schon im Vorfeld geklärt werden, wie laut es wird. „Kleinanlagen haben eine sehr viel höhere Drehgeschwindigkeit und machen mehr Lärm“, weiß Blažek.

Kritisch sieht er auch die angestrebte Regelung, dass Solaranlagen genehmigungsfrei auf unter sieben Meter hohen Gebäuden errichtet werden dürfen. „Das kann Streit verursachen, wenn diese den Nachbarn blenden.“

Hoffnungen, dass die Landesregierung alles so lässt wie es ist und den Passus über Kleinwindanlagen und Solaranlagen im Zuge des kommenden sechswöchigen Anhörungsverfahrens wieder streicht, hat er nicht. „Wenn so ein Referentenentwurf erst einmal in der Welt ist, ist es schwer, ihn wieder abzuändern.“


zur Startseite

von
erstellt am 28.Jan.2014 | 13:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen