Wildwuchs: Hamburgs erste Bio-Brauerei mit eigenem Hopfen

Braumeister Fiete Matthies bei der Arbeit.
Braumeister Fiete Matthies bei der Arbeit.

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16. Mai 2019, 12:53 Uhr

Hamburg | Hamburgs Zukunft liegt gewiss nicht im Hopfenanbau. Doch die mutigen Ideen und Erfolge kleiner Start-ups bringen neue Impulse für den ökologischen Wandel. Braumeister Friedrich Carl Richard Matthies hat nun Anfang des Jahres die erste reine Bio-Brauerei in Hamburg eröffnet. Und sein Hopfen wächst in Finkenwerder.

„Wir sind eine regionale Brauerei“, betont „Fiete“ Matthies. „Alle Produktionsschritte werden von uns vor Ort ausgeführt. Unser Bier macht keine langen Reisen.“ Das spart Energie und schont die Natur. In der Wilhelmsburger Jaffestraße wird gebraut, abgefüllt und gelagert – alles in einer Halle. Dort arbeitet Matthies in einem kleinen Team mit zwei Festangestellten und zwei Aushilfskräften. „Wildwuchs: Das ist eine winzige Brauerei“, räumt der 32-Jährige ein und ist sogar stolz darauf. Mit den großen Bierriesen will er nicht konkurrieren, sondern nur in Hamburg und in der Umgebung liefern. Kurze Wege für die Ökobilanz. Das ist es, was dem studierten Braumeister am Herzen liegt. Nur bei der Beschaffung der Zutaten wird es schwierig. Hopfen in Hamburg? Geht das? „Klar“, sagt Matthies. Der Nachteil sei nur, dass die weiblichen Pflanzen, die für das Bier verwendet werden, von den männlichen Blüten, die hier in der freien Natur wild wachsen, bestäubt werden könnten. Das verändere den Geschmack, sagt Matthies. In den großen Hopfengebieten im Süden würden deshalb männliche Hopfenpflanzen aus der Umgebung verbannt.

Doch die normierte Zuchternte ist nicht das Ziel von Wildwuchs. In Finkenwerder bewirtschaftet die Brauerei ein kleines Hopfenfeld mit 18 Pflanzen. Und die taugen tatsächlich zum Bierbrauen, auch wenn der Geschmack variiert. Denn Matthies lässt die Pflanzen wachsen, wie die Natur es will. „Das gibt unserem Bier seine besondere, regionale Note“, betont der Braumeister.

Eine Ernte reiche für etwa 3000 Liter Bier, rechnet der Gründer vor. Nicht viel – aber es geht. Insgesamt kalkuliert Matthies eine Jahresproduktion von 60 000 Litern. Für die 57 000 restlichen Liter bezieht die Kleinbrauerei den Hopfen und das Gerstenmalz von Biohöfen in Franken. Auch alle anderen Zutaten seien vollständig biologisch hergestellt. Strom und Gas kommen von Greenpeace Energy. In Hamburg liefert Wildwuchs bereits an die Bioläden Alnatura und Denns. Auch in der Ottensener Reh Bar sowie im Central in St. Georg wird die regionale Spezialität ausgeschenkt. Ursprünglich hatte Matthies sein Brauwerk schon vor fünf Jahren in Bleckede bei Lüneburg gestartet. Doch die Kapazitäten dort waren schon bald erschöpft. Bis Hamburg zu den Kunden waren die Wege noch zu lang, erinnert sich Matthies. Im vergangenen Jahr brach er dann die Zelte ab und zog direkt auf die Elbinsel – nicht weit vom Hamburger Hopfenfeld entfernt. Ein neuer Farbtupfer in Hamburgs Bio-Branche: Den hat Matthies damit auf jeden Fall geschaffen.

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