Mord an Ehefrau in Wulsdorf : „Wie im Krimi“: Lebenslang für Stefan L.

Verurteilt wegen Mordes an seiner Ehefrau: Stefan L.
Verurteilt wegen Mordes an seiner Ehefrau: Stefan L.

Frei sein für die Geliebte: Der 40-Jährige erstickte seine Ehefrau und vergrub sie im Garten. Seine Verteidiger wollen in Revision gehen.

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26. November 2018, 20:18 Uhr

Lübeck/Wulsdorf | Lebenslänglich wegen Mordes. Nachdem das Urteil gesprochen ist, sitzen der Angeklagte und seine beiden Rechtsanwälte noch eine ganze Zeit in Saal 315 zusammen, diskutieren. Der Gesichtsausdruck von Stephan L. (40), der während des gesamten Prozesses stoisch geblieben war, zeigt: Mit dieser Strafe ist er nicht einverstanden.

Die I. Große Strafkammer des Lübecker Landgerichts sieht es als erwiesen an, dass der arbeitslose Lagerist aus Wulfsdorf (Kreis Ostholstein) seine Frau im Dezember 2017, kurz nach Weihnachten, im Schlaf erstickt und ihre Leiche im Garten vergraben hat. Der Vorsitzende Richter Christian Singelmann sagt: „Was an einen fantasievollen Krimi erinnert, ist grausige Realität. Der Angeklagte wollte frei sein für seine Geliebte. Deshalb hat er die Mutter des gemeinsamen Sohnes skrupellos entsorgt. Die Tat ist verachtenswert und steht auf der tiefsten Stufe.“

WhatsApp-Nachrichten kündigten die Tat an

Eine besondere Schwere der Schuld, die eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung nach 15 Jahren erschwert, sieht das Gericht aber nicht. Stephan L. habe der psychiatrischen Sachverständigen gestanden, seiner Frau ein Kissen aufs Gesicht gedrückt zu haben, und er habe zuvor keine Straftaten begangen. Gleichwohl, betont Singelmann, sei die Tat geraume Zeit geplant gewesen.

Wollen in Revision gehen: Christian Schumacher (li.) und Daniel Rohmeyer.
Eckard Gehm
Wollen in Revision gehen: Christian Schumacher (li.) und Daniel Rohmeyer.

Er zitiert noch einmal aus den WhatsApp-Nachrichten, die Stefan L. an seine Geliebte schrieb, als diese erklärte, nicht bei ihm einzuziehen, solange Ehefrau Andrea L. nicht ausgezogen sei. „Das spornt mich an, dass sie weg muss, die entsorge ich“, heißt es darin. Und: „Ich kenne zur Not Leute, die Entsorgung betreiben.“

Der Vorsitzende Richter: „Die Verteidiger haben erklärt, der Angeklagte sei nach dem Sex von seiner Frau verhöhnt worden, was zu der Tat führte. Vieles spricht dafür, das diese Verhöhnung eine ausgedachte Schutzbehauptung ist. Sie passt nicht zum Charakter der Getöteten, die alles erduldete. Der Angeklagte hatte gedanklich längst mit der Ehe abgeschlossen, und mindesten seit Mitte Dezember plante er, seine Ehefrau umzubringen.“

Bestatter bringen die Leiche zur Rechtsmedizin.
Tele News network
Bestatter bringen die Leiche zur Rechtsmedizin.
 

Als die Leiche noch im Gartenschuppen lag, zog die Geliebte ein. Stefan L. erklärte allen im Dorf, seine Frau sei zum Arbeiten in die Schweiz gefahren – für mindestens drei Monate, eher länger. Als der Angeklagte das Grab im Garten schaufeln wollte, schickte er seine Geliebte in den Baumarkt, um Kanalgrundrohre zu holen. Einem befreundeten Landwirt sendete er ein Foto des Loches im Erdboden, schrieb dazu: „Haben eine Rohrverstopfung“. Der Richter spricht vom Versuch der Legendenbildung. Seiner toten Frau habe Stefan L. deshalb sogar Neujahrsgrüße übermittelt: „Melde dich mal, damit wir wissen, wie es dir geht“.

Verteidiger wollen in Revision gehen

Der Angeklagte ist laut Gericht ein Mensch mit einer psychopathischen Persönlichkeitsstörung, egozentrisch und ohne Empathie – aber voll schuldfähig. Als Mordmerkmale sehen die Richter „niedrige Beweggründe“ und „Heimtücke“.

Die Verteidiger wollen in Revision gehen. Rechtsanwalt Christian Schumacher: „Wir sehen keine Mordmerkmale, gehen von einer Spontantat aus, nicht von einem Plan. Es war Totschlag.“

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