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Wie Hamburg seine Alster zum Paradies für Fische macht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2014 | 12:57 Uhr

Wer an Hamburg denkt, denkt an die Alster – hat dann aber zumeist Binnen- und Außenalster vor Augen. Der eigentliche Flusslauf, der sich von der nördlichen Landesgrenze bis in den Hafen schlängelt, wird deutlich weniger beachtet. Und so nimmt die Öffentlichkeit derzeit auch kaum Notiz vom Wandel eines der bekanntesten deutschen Stadtflüsse. Seit mehr als zwei Jahren ist ein Bündnis mit dem Namen „Lebendige Alster“ dabei, das Gewässer zu renaturieren und dabei zumindest in Teilen in einen Zustand zu versetzen, den es zuletzt vor Jahrhunderten gab.

Für den Weg zurück in die Zukunft machen die Hamburger Landesverbände von NABU und BUND gemeinsame Sache, sonst eher Rivalen als Öko-Lobbyisten. Dritter im Bunde bei „Lebendige Alster“ ist die Aktion Fischotterschutz. Unterstützt wird das Trio von der Umweltbehörde, den Bezirken sowie diversen Stiftungen. Dutzende freiwillige Helfer haben bei diversen Einzelmaßnahmen Hand angelegt, um die Alster, ihre Nebenflüsse und -bäche, die Auen sowie das Ufergrün umzugestalten. Bündnis-Sprecher Karsten Borggräfe: „Wir wollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen schaffen, die übermäßige Sandfracht verringern sowie die Gewässer durchgängig machen für Fische und andere Tiere.“ Seit Hamburgs Altvordere den Fluss im 12. Jahrhundert am heutigen Jungfernstieg aufstauten, ist Fischen der Weg in den Oberlauf so gut wie unmöglich. Neun Schleusen versperren den Weg.

An mehreren Stellen hat „Lebendige Alster“ zunächst Kies, Steine und Totholz in den Fluss eingebracht. Hamburgs NABU-Chef Alexander Porschke: „Steine und Kies sind unverzichtbare Bestandteile. Sie verändern die Struktur des Flusses, lassen ihn mal schnell und mal langsam fließen – und bilden Hohlräume, in denen Lebewesen Schutz finden.“

Ein Meilenstein dieser Renaturierung nimmt derzeit an der Rathausschleuse Gestalt an. Seit Januar baut die Stadt dort eine Fischtreppe. Zuvor hatte schon die Schleuse in Fuhlsbüttel eine Aufstiegshilfe erhalten. Weitere sollen folgen.

Für Frank Schlichting und seine Freunde vom Angelverein „Alster“ sind das gute Nachrichten. Im Mai vorigen Jahres hatten sie ihren Teil dazu beigetragen, die Alster in längst vergangene Zeit zurückzuversetzen. Am Oberlauf entließen die Angler etwa 5000 Brütlinge der Meerforelle in die Freiheit. Die haben sich ihrem Instinkt gemäß inzwischen auf den Weg über die Elbe in die Nordsee gemacht – um in vier bis fünf Jahren zurückzukehren. Ein Prozent der Fischbabys, so schätzt Schlichting, werden als ausgewachsene, bis zu 1,30 Meter lange Meerforellen zum Laichen in der Oberalster kommen.

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