Wenn Schulden auf die Seele drücken

Die Beraterinnen vor der Drostei. In der Mitte (buntes Kleid) steht Maike Hanhke, die seit Juni in Elmshorn berät.
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Die Beraterinnen vor der Drostei. In der Mitte (buntes Kleid) steht Maike Hanhke, die seit Juni in Elmshorn berät.

Awo legt Zahlen für Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung vor / Situation auf hohem Niveau stabil

shz.de von
13. Juni 2018, 16:00 Uhr

Oft geht es schneller als man denkt – und die Schulden wachsen einem über den Kopf. Dann sollte man auf keinen Fall in Panikstarre verharren oder in wilden Aktionismus ausbrechen, sondern sich professionelle Hilfe suchen.

„Oft kommen die überschuldeten Menschen erst, wenn die Situation sich derart zuspitzt, dass ohne Hilfe von außen nichts mehr zu gehen scheint. Oft droht Kontopfändung oder der Gerichtsvollzieher hat seinen Besuch angekündigt“, erklärt Beratungsleiterin Mechtild Kuiter-Pletzerist von der Schuldner- und Insolvenzberatung der Awo. Und sie fügt hinzu: „Wir haben bei uns im Kreis Pinneberg eine stabile, aber traurige Situation mit 5292 Beratungsfällen 2017. Im Vorjahreszeitraum lag die Zahl bei 5255 Fällen.“

„Die anhaltend günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie die niedrige Zahl der Arbeitslosen und das Wirtschaftswachstum konnten nicht genutzt werden, um die hohe Quote von überschuldeten Erwachsenen abzubauen“, heißt es im Abschlussbericht, der gestern in der Pinneberger Schuldnerberatung am Drosteipark vorgestellt wurde.

Beratungsleiterin Kuiter-Pletzerist führt aus: „Das Hauptziel von Schuldenprävention ist die Verhinderung durch die erlebte Erfahrung, dass mit Hilfe von entsprechendem Wissen und der Stärkung der eigenen Planungs- und Handlungskompetenz ein eigenverantwortlicher und kompetenter Umgang mit Geld möglich ist.“

Hierbei spiele die Geschlechterzugehörigkeit keine Rolle, da mittlerweile Frauen und Männer nahezu auf gleichem Niveau verschuldet seien. Der Grund hierfür liege auf der Hand. Denn oftmals unterschreiben in Ehen und Beziehungen beide Partner Kredit- oder Hypothekenverträge. Mit der Konsequenz, dass auch beide Partner, im Falle eines Beziehungsendes, auf den Schulden sitzen.

Wobei laut Awo Krankheit, Suchtverhalten, der Verlust des Arbeitsplatzes und Trennungen von Lebenspartnern die Hauptgründe für Schulden von Privatpersonen sind. „Die durchschnittliche Verschuldung pro Fall liegt bei 38 200 Euro. Und fast elf Prozent aller Erwachsenen sind nach Informationen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform in Schleswig-Holstein überschuldet.

Neben der konkreten Hilfe für bereits Betroffene setzen die Berater auf Präventionsarbeit mit Jugendlichen, damit diese erst gar nicht in die Schuldenfalle tappen. Da es einen hohen Beratungsbedarf bei der Schuldnerberatung gibt und Termine erst in einem zeitlichen Abstand von drei bis fünf Wochen vergeben werden, gibt es durch die offene Sprechstunde für alle Ratsuchenden im Kreis Pinneberg die zusätzliche Möglichkeit, zeitnah eine Kurzberatung in Anspruch zu nehmen. „So können erste Fragen und Probleme häufig schnell geklärt werden. Dies hat zu einer Entlastung hinsichtlich Enttäuschung, Panik und Aggressivität auf Seiten der Ratsuchenden geführt“, berichten die Schuldenberater einstimmig.

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